Urlaub - und jetzt?

Es ist Urlaubszeit. Auf Mallorca, noch weiter weg oder daheim, die Erwartungen an diese Zeit sind hoch. Ich will mich erholen und entspannen, Sport machen und Freunde wiedersehen, mehr Zeit für mich haben und ein gutes Buch lesen.

Und natürlich soll die Familie im Mittelpunkt stehen: Ich will mehr Zeit haben für all die Menschen, die ich gern habe. Kurzum: Es soll die schönste Zeit des Jahres werden. Und dann? Dann merke ich, dass ich im Urlaub auch noch Druck habe. Ich will alles machen, alles nachholen und das am besten schnell. Ich bekomme Stress mit mir selbst, meinen Plänen, mit den Kindern und dem Partner. Weil ich all das nachholen will, was mir sonst im Jahr fehlt. Die Folgen sind Stress und Streit.

In solchen Situationen hilft es mir, kurz auszubrechen. Ich ziehe mich für fünf Minuten zurück, und wenn ich nicht weg kann, dann eben nur innerlich. Und ich bete zu Gott und frage ihn, was da gerade schiefläuft. Das Gebet ist dann keine fromme Übung, weit weg in einer Kirche, sondern ein Zwiegespräch mit Gott, mit einem guten Freund. Und meistens bekomme ich die Antwort ziemlich schnell: Was fehlt, dafür hat der mittelalterliche Mystiker Meister Eckart das Wort "Gelassenheit" erfunden. Gelassenheit ist also auch eine christliche Tugend! Und Papst Johannes XXIII. formulierte in seinen zehn Geboten der Gelassenheit: "Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass sich die Umstände an meine Wünsche anpassen." Diese Gelassenheit wünsche ich mir und Ihnen - im Urlaub und an jedem Tag.

David Bruggeman, Pastoralreferent im Dekanat Gerolstein-Hillesheim