Urlaub - "Weit weg"
Jedes Mal, wenn ich einem anderen im Gespräch sagte: "Ich mache in den nächsten Wochen Urlaub", kam unweigerlich die Frage: "Wo fahren Sie hin?" Meine Antwort: "Ich bleibe zu Hause", bewirkte verständnisloses Schweigen.
Urlaub scheint gleich zu sein mit wegfahren; möglichst weit wegfahren. Weg vom Alltäglichen, weg von den Menschen, die um einen herum sind. Alles soll anders sein. Was tagtäglich zählt, darf dann scheinbar nicht mehr zählen.
Sicher ist es nötig, dass man ausspannt, zu sich selbst findet nach einem Jahr Anspannung und Druck. Dennoch bleibt die Frage: Ist etwa die Urlaubsreise, "weit weg", das Leben und der Alltag nur die notwendige Zeit, die entsprechenden Mittel zu erwirtschaften, um sich den "weit-weg-Urlaub" leisten zu können? Leben wir für 14 Tage, drei Wochen pro Jahr?
Vor allem aber, was bedeutet das für die Beziehungen zu den Menschen in der Nachbarschaft, bei der Arbeit, ja auch in der Familie? Wie der Beruf zum Job verkommt, so werden Beziehungen außerhalb des Urlaubs zur Last.
Und was bleibt für Gott übrig? Im Alltag ist keine Zeit für ihn, alles ist verplant. Und im Urlaub, möglichst "weit weg", stört es, weil man mal ganz anders leben möchte, ohne Beschränkung, ohne Vorschriften. Leben auch ohne Verantwortung?
Verfällt der Lebenshunger auf Urlaub, "weit weg", so nicht zum Lebensüberdruss im lästigen Alltag?
Was, wenn die Entwicklung so weiter geht, dass wir uns Urlaub, "weit weg", nicht mehr leisten können? Können wir dann noch leben? Karl Kneißl
Pfarrer Pfarreiengemeinschaft Bleialf