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Urteil nach Bandendiebstahl in 35 Fällen: Frauenbande kommt mit blauem Auge davon

Kriminalität : Diebesbande aus der Eifel kommt mit blauem Auge davon

Das Jugendschöffengericht Bitburg verurteilt fünf Angeklagte zu Bewährungsstrafen. Die Frauen sollen zudem 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Die Sitzung vor dem Jungendschöffengericht am Montag hatte es in jeder Hinsicht in sich. Nach mehr als zehn Stunden Verhandlung (Pausen nicht mitgerechnet) wurden fünf Frauen zu Bewährungsstrafen verurteilt. Außerdem müssen sie 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Dass ein Kleinkind den Sitzungsmarathon in Saal 124 ebenfalls aushalten musste, stieß bei manchem auf Unverständnis.

Aber zurück zu den Angeklagten: Vier von ihnen – darunter zwei Jugendlichen – wurde vorgeworfen, in wechselnder Besetzung Bandendiebstahl in 35 Fällen begangen zu haben. Dabei reichte ihr „Einsatzgebiet“ von Arzfeld bis Wittlich-Lüxem und von Sellerich bis Trier-Pfalzel, um nur einige Orte zu nennen, in denen die Bande nachts unterwegs war. Zwischen Juni und Oktober 2017 fuhren sie bis in die Morgenstunden durch die Eifel und auch bis ins Moseltal. Sie hatten es auf nicht verschlossene Autos abgesehen. Und sie wurden erstaunlicherweise immer fündig. Ihre Diebeszüge bezeichneten sie selbst als „Nachtschicht“.

Hatten sie anfangs aus einem Auto Katzenfutter, Babywindeln und Getränke gestohlen, so kamen schließlich auch Navigationsgeräte USB-Sticks, Tablets, Laptops, Mobiltelefone, Sonnenbrillen, Messer, ein Golfset und vieles mehr zusammen. Auch Geld, auf das es die Truppe in erster Linie abgesehen hatte, wie die Angeklagte  K. vor Gericht bereitwillig einräumte, wurde gestohlen. Nach Schätzungen des Gerichts erbeuteten sie über 4000 Euro. Mit dem Geld gingen sie zum Beispiel in Trier shoppen und essen. Bei diesen Ausflügen wollen die beiden jüngeren Angeklagten, die Jugendlichen S. und  Kn., nicht dabei gewesen sein. Nach eigenem Bekunden hätten sie nicht so sehr von den Beutezügen profitiert. Lediglich für ihre jüngeren Geschwister hätten sie aus dem Diebesgut  Kinderkleidung und Spielzeug bekommen.

Häufiger mit dabei war allerdings der 17-Jährige S., der zeitweise bei den beiden Haupttäterinnen in der Verbandsgemeinde Bitburger Land wohnte. Die beiden Frauen waren zur Tatzeit noch ein Paar, sind mittlerweile aber getrennt. Der 17-Jährige ist bereits rechtskräftig verurteilt. Er hatte seine Bewährung verwirkt. Nun soll er als Zeuge vor dem Jugendschöffengericht aussagen. Doch dazu später.

Die Beute wurde später in der Wohnung der beiden „Rädelsführerinnen“ (Wortwahl von Richter May), K. und H., die beide Jahrgang 1993 sind,  entdeckt sowie in einem Haus in Oberweis. Letzteres gehört der ebenfalls angeklagten Mutter einer der  Haupttäterinnen. Die Polizei hatte mehr als 320 Beweismittel bei drei Hausdurchsuchungen  sichergestellt. Staatsanwältin Beatrix Klingler geht davon aus, dass die Dunkelziffer der Taten um einiges höher ist. Und nicht nur sie glaubt das.

Die angeklagte 57-jährige G., auf deren Dachboden ein Großteil der Beute gelagert wurde, will davon nichts gewusst haben. Auch will sie nie zur „Nachtschicht“ mitgefahren sein. Dem widerspricht zumindest die Angeklagte  Kn. Sie versichert, dass  G. ein Mal mit auf Diebestour war, wobei sie aber im Auto sitzen geblieben sein soll. Auch soll sie eine Designer-Tasche aus einem der Diebstähle an sich genommen haben, was die 57-Jährige bestreitet. Ein Polizeibeamter, den Richter Udo May kurzerhand noch in den Zeugenstand gerufen hat, sagt aus, dass die Angeklagte sogar mit besagter Handtasche bei der Polizei Bitburg erschienen sei, um die Schlüssel für ihr Haus nach der Hausdurchsuchung abzuholen. Selbst nach Aussage des Beamten bleibt die angeklagte Mutter bei ihrer Aussage. Mit ihrem Verhalten zieht sie den Zorn des Richters auf sich, der gegen Ende der Marathonsitzung sagt. „Was ist das für  eine Mutter“.

Äußerst viel Geduld zeigt der Richter hingegen mit dem Zeugen S., der in Handschellen in den Gerichtssaal geführt wird. Akribisch geht May die Tatvorwürfe durch und fragt den Zeugen immer und immer wieder: Kannst du dich daran erinnern?. Der Zeugen hat wohl größere Erinnerungslücken  oder  „keine Ahnung“, wie er wiederholt sagt. Dabei war der bereits Verurteilte bei seiner polizeilichen Vernehmung laut May auskunftsfreudiger. Und das hat der Richter schließlich schriftlich vor sich liegen. Es scheint, dass der junge Mann seine Verwandte G., nicht belasten möchte. Schließlich reicht es dem im Gerichtssaal anwesenden Vater des Zeugen S. Er wendet sich an das Gericht und wird auch noch als Zeuge vernommen. Er glaubt, dass sein Sohn die „Tante“ schützen will und fordert ihn  auf, die Wahrheit zu sagen. Nach- dem er ein wenig mehr von seinem Wissen preisgegeben hat, verlässt der Zeuge wieder in Handschellen den Saal. Für das Gericht war seine Aussage wichtig, in Bezug auf die Angeklagte G.

Nach den Plädoyers der fünf Pflichtverteidiger zieht sich das Schöffengericht zur Beratung zurück, und es nimmt sich trotz vorgerückter Stunde die nötige Zeit. Zurück im Saal kann es sich Richter May nicht verkneifen, von „gelebter Emanzipation“ zu sprechen, da von den sechs ursprünglich angeklagten Personen fünf weiblichen Geschlechts sind. Dann geht er auf die jungen Frauen und ihre Taten ein.

Er ordnet den Bandendiebstahl als minder schweren Fall ein, die jungen Frauen bezeichnet er als naiv. Sie hätten ohne Planung gehandelt. Sie hätten teilweise nicht gewusst, was sie mit den erbeuteten Dingen anfangen sollen. Sie hätten die Autos nicht beschädigt, wären nachts unterwegs gewesen, auch um Konfrontationen zu vermeiden. Das hält May ihnen zugute, ebenso die Bereitschaft auszusagen und bei der Aufklärung zu helfen.

Das Strafmaß für die beiden Haupttäterinnen, K. und H., beträgt daher zwei Jahre auf Bewährung, die Bewährungsaufsicht dauert drei Jahre. Die Staatsanwältin hatte  zuvor zwei Jahre und vier Monate gefordert. Die jugendlichen Angeklagten, S. und Kn., die sich selbst als Mitläuferinnen einstuften, wurden zu einem Jahr und sechs Monaten nach Paragraph 27 (Vorbehalt der Verhängung von Jugendstrafen) verurteilt. G. hat neun Monate auf Bewährung bekommen.

„Sie bekommen die Chance, ob Sie sie verdient haben, wird sich zeigen“, sagt Richter Udo May abschließend an die vier jungen Frauen gewandt. Und er appellierte: „Lassen Sie die Zeit der Dummheit hinter sich und machen Sie was aus Ihrem Leben!“ Alle Angeklagten haben das Urteil akzeptiert, es ist rechtskräftig.