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Verabschiedung von Theo Hafner am Regino-Gymnasium Prüm

Schulen : Tschüss, danke – und mach’s gut, Theo!

Mehr als die Hälfte seines Lebens hat Theo Hafner am Regino-Gymnasium Prüm verbracht: Nach fast 34 Jahren als Hausmeister der Schule wird er jetzt verabschiedet. Gern lassen sie ihn nicht gehen.

Das erste, was Theo Hafner am Telefon sagt, ist: „Ich bin außer Dienst.“ Das zweite: „Ich bin im Moment noch hier in der Schule.“ Genau, so ganz ging er nämlich noch nicht. Der Grund: „Die Abiturienten drehen einen Film, da soll ich mitmachen.“

Es ist nicht Hafners erster Auftritt in einer Schülerproduktion: „Ich glaub, ich hab ihn jedes Jahr in irgendeinem Film gesehen“, sagt Abiturientin Jana Dingels aus Sellerich. „Das ist ziemlich cool, dass er da immer mitmacht, sich Zeit nimmt und auch die Späßchen mitmacht.“

Ziemlich cool: Eines der ersten Attribute, die auch Schulsprecher Markus Peifer-Weihs einfallen, als wir ihn auf den scheidenden Hausmeister ansprechen. „Und offen“, so habe er Hafner immer erlebt. „Als ich eingeschult wurde, da wurde uns gesagt: Wenn irgendwas kaputt ist, Stühle oder Tische, könnt ihr euch an Theo wenden. Das hat immer sehr gut geklappt.“ Und Hafner habe zudem immer darauf geachtet, dass draußen und um die Schule herum alles in Ordnung sei.

Lassen die Schüler ihren Hausmeister gerne gehen? „Nä, das nicht“, sagt Markus Peifer-Weihs. Vorigen Freitag haben sie ihm bereits ein Geschenk überreicht – einen Zimmermannshammer und einen Gutschein für den Niederprümer Baumarkt Franz Müller. „Und wir hoffen, dass sein Nachfolger (Bernhard Holz, Anm.) in seine Fußstapfen treten wird.“

Ach so: Hausmeister war er immer, nur eines war er nie für die Schüler: „Herr Hafner.“ Sondern Theo. Und als er 1985 in die Fußstapfen seines kurz zuvor gestorbenen Vorgängers Hans Boden trat, war da noch nichts mit „cool“: Der Anfang? „Katastrophal“, sagt der gelernte Elektriker und grinst. „Ich bin ins Wasser geworfen worden und war kräftig am Rudern. Wir hatten eine Elektroden-Kesselheizung. Nachts wurden da 200 000 Liter Wasser heiß gemacht und tagsüber durch den Bau gepumpt. Aber die Heizung funktionierte nicht richtig und zog Strom ohne Ende. Wenn du in den Raum kamst, hopsten die Öfen, und durch die elektrostatische Aufladung standen dir die Haare zu Berge. Und die Luft war am flimmern.“

Was machte Hafner? „Hauptschalter raus. Das gab einen Riesenknall, da dachtest du wirklich, die Anlage würde in die Luft fliegen.“

Tat sie dann nicht, und Hafner wuchs immer mehr in den Job hinein. Bis jetzt hat er etwa 3500 Abiturienten – und drei Direktoren – an der Schule erlebt, die auch sein Zuhause war: Die Hausmeisterwohnung ist im Gebäude.

Und die hat auch mit einem seiner schönsten Erlebnisse in den mehr als drei Jahrzehnten zu tun: „Als meine Tochter Sarah zur Welt kam, hat die Oberstufe spontan das ganze Kinderzimmer mit Disney-Figuren bemalt und mit uns zusammen das Zimmer eingerichtet. Das war einer meiner schönsten Momente.“

Viele weitere folgten. Was auch damit zu tun haben dürfte, dass er sich stets als Vermittler zwischen Schülern und Lehrern sah: „Du kannst dich nicht auf eine Seite schlagen als Hausmeister. Beide Seiten brauchen dich, und du brauchst sie.“

Bei Schülern wie Lehrern beliebt – und jetzt im Ruhestand: Am heutigen Mittwoch wird Theo Hafner offiziell aus dem Dienst verabschiedet. Auch Direktor Albrecht Petri lässt ihn nicht gerne gehen. Dass Hafner „nicht nur Hausmeister war, weiß man in Prüm. Hier kennt man ihn auch als Fotografen und vor allem als einen gewählten Oberjecken, der schon in der närrischen Europaliga spielte, lange bevor wir Europaschule wurden“, sagte Petri während der schulinternen Verabschiedung vorige Woche.

Oberjeck, stimmt: Hafner ist nicht nur seit etwa 25 Jahren in der Prümer Prinzengarde, sondern vor allem auch deutscher Vizepräsident der europäischen Karnevalsfreunde, denen Narren aus der Bundesrepublik, Belgien, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden angehören. Dieses Jahr werden sie in Prüm den Nachfolger des scheidenden Deutschland-Vorsitzenden wählen – und Hafner tritt als Kandidat an.

Und, genau, Fotograf: Eine Zeit lang war er das sogar im Auftrag des Deutschen Bundestags. Da machte er die offiziellen Bilder von Politikern, wenn sie in der Region unterwegs waren, darunter die Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und Johannes Rau, Kanzler Gehrhard Schröder und Ministerpräsident Kurt Beck.

Was Petri ebenfalls an Theo Hafner schätzt, sind „seine absolute Verlässlichkeit und Erreichbarkeit – auch zu exotischer Zeit –, seine enorme Kenntnis des Gebäudes und der gesamten Liegenschaft, seine Geduld im Umgang mit den alltäglichen Herausforderungen des Schulbetriebs, sein Humor und seine Gelassenheit, vor allem im Umgang mit stressierenden Zeitgenossen“. Und nicht zuletzt dessen Stolz auf „seine Schule“. Zitat Theo Hafner: „Kein Hausmeister hat ein so schönes Portal am Eingang seiner Wohnung.“

Und so müsse das auch sein: Das Regino-Gymnasium – „das war immer mein Zuhause“, sagt Theo Hafner. „Und mein Leben. Du musst dich damit identifizieren, sonst kannst du so einen Job nicht machen.“