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Verbandsgemeinde Arzfeld lässt mehr Photovoltaik zu

Kommunen : Mehr Blau ins Grün

Die Verbandsgemeinde Arzfeld lässt weitere Photovoltaikanlagen auf freier Fläche zu. Allerdings gelten einschränkende Regeln. Und das Ärzte-Bürgertaxi kommt. Start: im August.

Den Bürgerbus haben sie schon lange in der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld. Die Kommune war damit Vorreiter in der Region, das Ding läuft und ist beliebt.

Allerdings rollt der Bus nur innerhalb der VG. Weil dort aber die Zahl der Arztpraxen zurückgeht, musste eine neue Lösung her, die der VG-Rat bereits in der letzten Sitzung des vergangenen Jahrs auf den Weg brachte (der TV berichtete): Einen zweiten Bus.

Und der bringt künftig montags, mittwochs und freitags die Bürger auch zum Doktor in Prüm, Neuerburg, Schönecken, Bleialf. „Oder nach Luxemburg“, sagt VG-Bürgermeister Andreas Kruppert (CDU). Denn das Ländchen ist für manche Grenzgemeinde näher als die nächste Eifelstadt. Und noch eine Adresse soll er neben den Medizinern anfahren: Die Prümer Tafel. Ausgeschlossen vom Angebot: Facharztpraxen und Krankenhäuser.

Der Bus, ein rollstuhltauglicher VW Caddy, wird jetzt geleast, falls alles klappt, soll er im August zur ersten Runde starten. Kruppert rechnet mit jährlichen Kosten in Höhe von 3000 Euro. Aber „das kriegen wir mit Sponsoren hin“, sagt Gerhard ­Kauth, der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Rat. Kostenlos: die Fahrer. Zehn ehrenamtliche Piloten hätten sich nach dem Aufruf der VG gemeldet, sagt der Bürgermeister. „Das ist schon mal super, das muss ich wirklich sagen.“

Super für die einen, eher mittelgut für andere: Das Thema Photovoltaikanlagen auf freier Fläche. In der Verbandsgemeinde sind bereits solche Anlagen im Betrieb – in Arzfeld, Olmscheid und Plütscheid. Die nächste soll in Lauperath gebaut werden. Und es könnten noch viele mehr werden: „Vorverträge hätten wir hier für unzählige“, sagt Gerhard Kauth. Etliche Firmen seien bereits in der VG unterwegs, die Landwirten und anderen Flächeneigentümern Angebote machten.

Weshalb die Fraktionen beschlossen, die Sache zu regulieren: Es gilt ein Mindestabstand zu Ortschaften von 400 Metern, bei Einzelgehöften sind es 200 Meter. Und die Anlagen dürfen nicht größer als 15 Hektar sein. Zu den insgesamt 31 Hektar, auf denen die bisherigen Anlagen stehen, dürfen noch maximal 100 Hektar hinzukommen.

Kruppert gibt zu: Eine solche Entscheidung sei nicht einfach. „Da müssen wir verschiedene Interessen abwägen.“ Die VG sei nun einmal landwirtschaftlich geprägt, mancher Bauer sorge sich deshalb, dass ihm Flächen verloren gingen. „Und andere sagen: Wir können uns da ein zweites Standbein aufbauen.“

Durchaus hin- und hergerissen ist auch Wolfgang André, der Vorsitzende der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Er sei gewiss nicht dafür, „dass wir die gesamte Landschaft zupflastern“. Jetzt aber habe man, nach vielen Vorgesprächen, einen sinvollen Ansatz gefunden. Grundsätzlich sei man gut beraten, da ein bisschen vorsichtig ranzugehen“ Immerhin: „Für die Natur ist das sicher kein Nachteil“, denn es habe sich gezeigt, dass unter den Anlagen die Biodiversität steige: „Es ist toll zu sehen, was da drunter wächst“.

Die SPD stimmt ebenfalls dafür: „Weil ich es nach wie vor für richtig erachte, dass nicht überall, wo Platz ist, eine Freiflächenanlage hinkommt“, sagt Fraktionschef Rainer Hoffmann. „Und weil wir wollen, dass alle, die eine Anlage beantragen wollen, die Bedingungen kennen.“ Was ihn freut: „Dass wir alle Fraktionen unter einen Hut bekommen haben.“

Eine Anregung Andrés: Zu prüfen, ob man nicht Photovoltaik auch auf Flächen einsetzen könne, „die eh schon versiegelt sind“. Aber das wäre dann Thema weiterer Verhandlungen. Jetzt wird erst einmal die andere Sache geregelt: „Wir müssen da den Ortsgemeinden etwas an die Hand geben“, sagt Gerhard Kauth.

Gesagt, beschlossen – wie auch die Ergänzung des Flächennutzungsplans in Dahnen, Dackscheid und Lambertsberg: Dort sind jetzt drei Flächen als Baugebiete ausgewiesen.