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Verbandsgemeinde Bitburger Land: "Wir sind jetzt groß und stark"

Verbandsgemeinde Bitburger Land: "Wir sind jetzt groß und stark"

Seit dem 1. Juli ist Josef Junk (SPD) Bürgermeister der neuen Verbandsgemeinde (VG) Bitburger Land. Diese ist durch den freiwilligen Zusammenschluss der beiden Verbandsgemeinden Kyllburg und Bitburg-Land entstanden. Zusammen mit Volksfreund-Redakteurin Stefanie Glandien zieht Junk eine erste Bilanz.

Umstrukturierungen sind für Josef Junk nichts Neues. Bereits in seiner Zeit bei der Polizei hat der ehemalige Chef der Polizeiinspektion Prüm zwei mitgemacht. Ihm habe es immer gut getan, zu gucken, wie andere die gleiche Arbeit erledigen, sagt er. Deswegen blickt er positiv auf die Veränderungen, die es in der Verwaltung der VG Bitburger Land noch geben wird.

Altbekanntes Büro, gleiche Sekretärin, identischer Ausblick - es scheint, als habe sich nach der Fusion nicht viel geändert.
Josef Junk: Im Büro hat sich nichts geändert. Ansonsten hat sich vieles geändert.

Statt für 51 sind Sie nun für 72 Ortsgemeinden zuständig. Kennen Sie schon die neuen Dörfer?
Junk: Da ich hier lebe und arbeite, kenne ich die Ortsgemeinden, die aus dem Bereich Kyllburg hinzugekommen sind. Ich brauche kein Navi, um in irgendeinen Ort der VG zu kommen.

Müssen Sie als Bürgermeister dieser großen VG mehr arbeiten als vorher?
Junk: Wenn ich alleine wäre, wäre das mit Sicherheit ein Drittel mehr Arbeit. Aber da ich mir mit Herrn Wirtz die Arbeit aufteilen kann, bekommen wir das später sicher gut auf die Reihe. Im Moment ist es natürlich sehr, sehr zeitaufwendig, ich habe einen sehr engen Terminkalender. Wir haben nicht nur fusioniert, es haben in 72 Gemeinden auch Wahlen stattgefunden. Die konstituierenden Sitzungen, die Bildung der Ausschüsse - das hat viel Zeit gekostet.

Sind Sie mit dem bisherigen Verlauf der Fusion zufrieden?
Junk: Es ist schon eine große Aufgabe. Nach meinem Empfinden waren die Ängste, die manche im Vorfeld hatten, unbegründet. Mir macht es Spaß, in den neuen Strukturen die Ratssitzungen abzuhalten.
Und ich höre aus dem Bereich Kyllburg, dass es gut läuft. Es sind viele Mandatsträger zusammengeführt worden, die sich gar nicht kannten. Das hat einen gewissen Reiz. Es kommt so neuer Wind herein.

Wie läuft die Zusammenführung der Verwaltung?
Junk: Das ist ein Umbruch. Viele Mitarbeiter wüssten schon gerne, was auf sie zukommt. Jetzt ist die Aufgabe, das, was man als gut erkennt, zusammenzuführen. Ich bin ja eher der ruhige Typ, ich lass' mich da auch nicht aus der Fassung bringen. Man sollte jetzt sehen, dass man eine Struktur schafft, die für die nächsten 30 Jahre Bestand hat. Dazu lassen wir uns von der kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement beraten.

Wo hakt es noch, wo könnte es besser laufen?
Junk: Kyllburg und Bitburg hatten unterschiedliche Haushaltsstellen, die müssen jetzt EDV-mäßig zusammengeführt werden. Unsere Datenmengen entsprechen der einer Großstadt. Deswegen sind wir mit unserem Haushalt für 2015 etwas im Hintertreffen und werden die Beratungen auf das nächste Jahr verschieben.

Bleibt das Verwaltungsgebäude in Kyllburg?
Junk: Im Moment ist das so. Und es ist auch noch voll besetzt. Wir haben noch nicht entschieden, was in Kyllburg bleibt und was geht.

War es aus heutiger Sicht der richtige Schritt, mit der VG Kyllburg zu fusionieren?
Junk: Es war eine gute Idee und das wird sich auch zeigen. Wir sind jetzt groß und stark - das bedeutet ja auch was, wenn es darum geht, sich gegenüber Zuschussgebern zu artikulieren.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit Ihrem ersten Beigeordneten, Rainer Wirtz?
Junk: Die ist gut. Er kam als Bürgermeister der VG Kyllburg - da gibt es natürlich Bedarf, sich abzustimmen. Aber wir können uns noch jeden Tag in die Augen sehen und uns die Hand geben.

Wie haben Sie die Aufgaben aufgeteilt?
Junk: Rainer Wirtz ist zunächst kommissarisch für die Bereiche Schulen, Feuerwehren, Kindergärten, Einwohnermelde- und Standesamt sowie Straßenverkehrsangelegenheiten zuständig. Ich werde das Übrige übernehmen.

Ab wann lohnt sich die Fusion auch finanziell?
Junk: Also eigentlich hat sie sich gegenüber anderen Verbandsgemeinden, die sich verweigert haben, schon jetzt gelohnt, indem wir mehr als 900 000 Euro Hochzeitsprämie bekommen haben.
Wir haben 700 000 Euro vom Land bekommen für die Stiftung Schloss Malberg, weitere 500 000 Euro hat der Eifelkreis für die Stiftung zugesagt, und wir haben zwei Millionen Euro bekommen zur Tilgung von Verbindlichkeiten - damit kann man ja schon schaffen.

Wird in Zukunft Personal eingespart?
Junk: In einer Verwaltung können keine Maschinen arbeiten, da muss Personal sein. Der Hauptanteil des Haushaltes (etwa 44 Prozent) sind deswegen die Personalkosten. Es ist gesetzlich geregelt, dass durch die Fusion niemandem gekündigt werden darf. Es ist aber so, dass, wenn Leute ausscheiden, man überlegen muss, ob diese immer ersetzt werden.

Was sind die nächsten Ziele?
Junk: Die Verwaltung zu strukturieren, Sicherheit zu schaffen für die Mitarbeiter. Und den ersten gemeinsamen Haushalt aufzustellen.

Hören Sie auch Kritik?
Junk: Ja, unter anderem über das Schloss - jetzt habe man da so einen Klotz am Bein. Ich denke, es ist ein Kulturgut, das nördlich der Alpen einmalig ist. Das muss uns doch was wert sein.

Was ist mit der Hochzeitsprämie passiert, wurde die schon ausgegeben?
Junk: Noch kein Cent. Darüber müssen wir noch beschließen. snExtra

Die Verbandsgemeinde Bitburger Land in Zahlen:
Die neue Verbandsgemeinde (VG) Bitburger Land hat 72 Ortsgemeinden auf einer Fläche von 43 000 Hektar. Insgesamt haben mehr als 25 000 Menschen dort ihren Hauptwohnsitz. Die Investitionskredite der alten VG Kyllburg beliefen sich (Stand Dezember 2013) auf 5,4 Millionen Euro. Die Liquiditätskredite auf 3,9 Millionen Euro. Insgesamt lag die Pro-Kopf-Verschuldung damit bei 1 189 Euro. Die VG Bitburg-Land hatte vor der Fusion Investitionskredite von 4,8 Millionen Euro und keine Liquiditätskredite. Die Pro-Kopf-Verschuldung lag bei 279 Euro. Die neue VG Bitburger Land hat einen Schuldenstand von rund 14 Millionen Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt nun bei 565 Euro. sn