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Verbandsgemeinde Speicher will Stegbach bei Herforst renaturieren

Umwelt : Verbandsgemeinde will dem Stegbach bei Herforst wieder freien Lauf lassen

Die Verbandsgemeinde Speicher plant, den Stegbach bei Herforst zu renaturieren. Dieses Jahr soll es endlich soweit sein. Der Beginn der Arbeiten hatte sich auch durch die Pandemie verzögert.

 Es gibt ein geradezu idyllisches Fleckchen direkt am Stegbach. Das Gewässer teilt sich dort in zwei schmalere Ströme auf, die in verschiedene Richtungen das Ufer umfließen. Leise plätschert das Flüsschen hier über die Steine, an einer Sitzbank vorbei. Die Sonne glitzert auf der Oberfläche. Ein schöner „Platz am Wasser“ also, wie es auch auf einem Schild steht, das hier an einem Baum hängt.

Folgt man dem linken Bachlauf aber weiter Richtung Herforster Gewerbegebiet, ist es vorbei mit der Idylle. Nicht nur wird das Gewässer hier überschattet von Fichten, es ragen auch Rohre aus der Böschung, Brocken und Wurzeln behindern das Rinnsal. Mancherorts ist das Gewässer zudem in Beton eingefasst, taucht unter engen Durchläufen ab. Ganz zu schweigen vom Müll, der im Flussbett liegt.

Der Stegbach ist also insgesamt nicht gerade eine Augenweide, eine ökologische Baustelle noch dazu. Und damit kein Einzelfall, sondern womöglich eines von Tausenden Gewässern in der Republik, die zum Opfer einer Politik wurden, die sich lange nicht um Umweltschutz und Biotope scherte.

In Rheinland-Pfalz im Allgemeinen, und in der Verbandsgemeinde (VG) Speicher im Besonderen, versucht man aber seit Jahren, die Fehler der Vergangenheit rückgängig zu machen. Bäche und Flüsse wurden für viel Geld renaturiert, jüngst etwa der Spanger Bach bei Spangdahlem.

Genau genommen ist der Stegbach sogar die letzte Baustelle, auf der die VG noch tätig werden muss. An allen anderen Gewässer dritter Ordnung, die unter die Europäische Wasserrahmenrichtlinie fallen, hat sich die Kommune bereits abgearbeitet. Eigentlich sollte es in Herforst auch schon vergangenes Jahr losgehen. Bloß wurde daraus nichts.

Das hat laut Annette Becker, Chefin des Speicherer Bauamts, nicht nur, aber auch mit der Pandemie zu tun. Denn aufgrund der Kontaktbeschränkungen sei es lange nicht möglich gewesen, Termine mit Beamten anderer Behörden zu vereinbaren, etwa mit den Fachleuten der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord. Weswegen auch bis heute keine wasserrechtliche Genehmigung für die Arbeiten am Stegbach vorläge.

Zudem seien weitere Vorarbeiten zu leisten, sagt Becker. So hat die Kommune wohl ebenfalls noch nicht alle nötigen Grundstücke rund um den fünf Kilometer langen Stegbach erworben. Was seinerzeit schon bei der Renaturierung des Spanger Bachs sehr zeitaufwändig war.

Daher sei derzeit nicht absehbar, wann es losgehen kann mit den Bauarbeiten. Voraussichtlich, macht Becker Hoffnung, werde es aber dieses Jahr klappen. Ob es bei den geschätzten Kosten von rund 483 140 Euro bleibt, steht ebenfalls in den Sternen. Immerhin: Das Land hat sich bereit erklärt, 90 Prozent der Summe zu übernehmen.

 Durchaus idyllisch ist das Fleckchen am Stegbach hinter dem Herforster Gewerbegebiet. Wer dem Lauf ein Stückchen folgt, sieht aber auch, was hier im Argen liegt.
Durchaus idyllisch ist das Fleckchen am Stegbach hinter dem Herforster Gewerbegebiet. Wer dem Lauf ein Stückchen folgt, sieht aber auch, was hier im Argen liegt. Foto: TV/Christian Altmayer
 Durchaus idyllisch ist das Fleckchen am Stegbach hinter dem Herforster Gewerbegebiet. Wer dem Lauf ein Stückchen folgt, sieht aber auch, was hier im Argen liegt.
Durchaus idyllisch ist das Fleckchen am Stegbach hinter dem Herforster Gewerbegebiet. Wer dem Lauf ein Stückchen folgt, sieht aber auch, was hier im Argen liegt. Foto: TV/Christian Altmayer
 Durchaus idyllisch ist das Fleckchen am Stegbach hinter dem Herforster Gewerbegebiet. Wer dem Lauf ein Stückchen folgt, sieht aber auch, was hier im Argen liegt.
Durchaus idyllisch ist das Fleckchen am Stegbach hinter dem Herforster Gewerbegebiet. Wer dem Lauf ein Stückchen folgt, sieht aber auch, was hier im Argen liegt. Foto: TV/Christian Altmayer

Was mit dem Geld passieren wird, steht hingegen schon fest. Die Experten eines von der VG beauftragten Fachbüros schlagen vor, dass die Fichten am Ufer gefällt und durch andere Bepflanzung ersetzt werden sollen. Zudem müssen der Beton, die nutzlosen Rohre und die Rasengittersteine weg, um Platz zu schaffen für eine vernünftige Aue. „Durch die Renaturierung soll also“, fasst Bauamtsleiterin Annette Becker zusammen, „eine erhebliche Verbesserung der Strukturgüte des Stegbach erreicht werden.“