Verbandsgemeinderat Prüm: Ein Bürger stellt sie auf die Probe

Kommunen : Verbandsgemeinderat Prüm – Ein Bürger stellt sie auf die Probe

Die Fraktionen im Rat der Verbandsgemeinde haben sich am Dienstag vor allem mit den Berichten aus dem Haus der Jugend und der Volkshochschule befasst. Und mit einem Bürger, der viel wissen wollte.

Die Einwohnerfragestunde: In jeder Ratssitzung steht sie auf der Tagesordnung, und selten, sehr selten, stellt wirklich jemand dann auch eine Frage.

 Am Dienstag, in der Ratszusammenkunft der Verbandsgemeinde (VG) Prüm, ist das anders. Ein Bürger aus Großlangenfeld ist da, und er hat einen ganzen Katalog samt ausführlicher Einleitungen vorbereitet. Dabei bezieht er sich auf den TV-Artikel über die Sitzung Ende Februar, in der Bürgermeister Aloysius Söhngen den Fraktionen mitgeteilt hatte, bei Großlangenfeld sei ein Rotmilan in einem Horst nahe der dort geplanten Windräder gesichtet worden. Und deshalb könne dort keine Anlage aufgestellt werden.

Es sind meist Fragen, bei denen die Beantwortung nicht leicht fällt. Bei denen sich aber nach und nach abzeichnet, dass dieser Bürger mit der Entscheidung gegen die Anlagen nicht einverstanden ist. Ob die VG, will er unter anderem wissen, auf jährliche Schadensersatzklagen in Millionenhöhe vorbereitet sei, wenn die Windräder nicht gebaut werden (Söhngen: „Wir sind auf alles vorbereitet.“). Wer den Milan überhaupt gesichtet habe. Ob Bürgermeister Söhngen die Mitarbeiter bei der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung überhaupt für qualifiziert halte, einen abschlägigen Bescheid zu erteilen. Was den VG-Rat dazu bewogen habe, „die Nähe zu Rotmilanhorsten als Ausschlusskriterium festzulegen“.

Immerhin da ist die Antwort einfach: Die VG hat das nicht zu bestimmen. „Gucken Sie in die Richtlinien“, sagt Söhngen. „Die haben wir zu berücksichtigen, sonst bekämen wir das nicht genehmigt.“

So geht es dann noch eine Zeit lang weiter, wird unübersichtlich, verwirrend, am Ende bittet Söhngen den Bürger um die Einreichung aller seiner Fragen: „Sie bekommen das dann schriftlich beantwortet.“

Durchatmen: Das hat dann doch bald eine halbe Stunde gedauert, in der immer offensichtlicher die Geduld der Ratsmitglieder an ihre Grenzen gelangte.

Und dann sitzt Hedwig Serwas vorne, die pädagogische Leiterin der Volkshochschule, und berichtet über das abgelaufene Geschäftsjahr. Das, so sagt sie, „ein gutes“ war, mit mehr als 3000 Teilnehmern und 5655 Kursstunden. Fast die Hälfte davon Sprachkurse, nach wie vor das meistgenutzte Angebot: Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Polnisch, Russisch – und sogar erstmals wieder Chinesisch.

Super, finden alle, aber Monika Rolef (FWG) hakt ein: „Könnt ihr nicht auch mal einen Kurs in Eifeler Platt anbieten? Dat wär et doch.“ Ja, das würden sie gern, sagt Hedwig Serwas, das Problem sei nur, dass man einen Dozenten dafür finden müsse. „Wenn Sie da jemanden wissen: gern melden.“

Arnold Gierten (CDU, Bertrada-Grundschulleiter), kommentiert die VHS-Arbeit ganz im Sinn von Monika Rolef mit einem „decken Merci“, nur „welches Eifeler Platt nehmen wir denn“? Eine Frage, die Bernd Weinbrenner (SPD) zwar nicht beantworten kann, dafür aber merkt er in seiner vermutlich letzten Sitzung als Ratsmitglied an, dass die VHS ein Defizit in Höhe von 48 000 Euro gemacht habe: „So kann’s nicht weitergehen.“ Söhngen: „Doch, so muss das weitergehen. Das ist der Auftrag, den wir haben.“

Den Auftrag, sich um die Heranwachsenden zu kümmern, hat Jochen Pauls, Chef im Haus der Jugend (HdJ). Und der zeigt in seinem Jahresbericht, wie sehr sich die Arbeit in der Einrichtung mittlerweile verändert hat. Fort vom klassischen „offenen Treff“ und hin zu zielgenauen Angeboten für eine Jugend, die heute vor allem eines ist: digitalisiert. Entsprechend würden die Computerplätze stark in Anspruch genommen. Oder auch einfach nur an Spielekonsolen gedaddelt.

Die Verantwortlichen im HdJ nutzten diese Entwicklung. Denn im Repair-Café (handwerklich versierte Bürger nehmen sich kaputter Geräte an) habe man festgestellt, dass es da die Älteren seien, die die nötigen Fähigkeiten besäßen. Beim Digitalen aber sei es die Jugend. Die Idee: genau das zusammenzubringen. Und so entwickelte man mit Pastoralreferentin Petra Schweisthal und dem Institut für Medien und Pädagogik in Mainz das Konzept für das „DIA-Mediencafé“: DIA steht für „digital im Alter“ – Motto: Schüler helfen als „Medienscouts“ den älteren Semstern digital auf die Sprünge. Und es läuft: Großer Zuspruch, eine Teilnehmerin sei mehr als 90 Jahre alt und bleibe jetzt per iPhone in Kontakt mit ihren Enkeln. Gesamtergebnis: „Die Schüler finden’s total positiv, die Senioren sind dankbar“, sagt Pauls. „Und von der Atmosphäre her ist das einfach klasse.“

Eine tolle, die Generationen verbindende Arbeit, finden alle, weiter so. Zuspruch erhält auch Christine Kohl (Bündnis 90/Die Grünen) für ihren Antrag, die Jahrespauschale der VG an den Naturpark Nordeifel von einem auf zwei Euro pro Bürger zu erhöhen. Allerdings werden sie es nicht so machen: Stattdessen greift der Rat den Vorschlag von Mathilde Weinandy (CDU) auf, projektbezogen mehr Geld zu geben – der Naturpark soll dann jeweils einen Antrag stellen. Das geht so durch, Christine Kohl freut sich, auch wenn es anders kam, als sie gewünscht hatte: „Das Ziel ist erreicht.“

Windrad in der Eifel. Der Vogel links verhindert neue in Großlangenfeld. Foto: Fritz-Peter Linden
Er nun wieder: der Rotmilan. Um ihn drehten sich die Einwohnerfragen. Foto: Fritz-Peter Linden

Eben. Und Finale: Bernd Weinbrenner kandidiert nicht mehr für den Rat, ist soeben 70 geworden – und lädt deshalb alle im Anschluss zu Getränken und Häppchen ein. So kann man aufhören.

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