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Verbotene Motocrossfahrten in Oberweiler: Der Spaß kann ins Auge gehen

Motocross : Verbotene Motocrossfahrten in Oberweiler: Der Spaß kann ins Auge gehen

Im Wald bei Oberweiler konnte ein Jäger gerade noch rechtzeitig zur Seite springen, um einem Motocrossfahrer auszuweichen. Solche Beschwerden häufen sich in der Eifel.

Es ist verboten. Aber das scheint die Fahrer nicht zu kümmern. Sie sind meist ohne Nummernschild unterwegs, schlammbefleckt, kaum zu erkennen. Sie sind schnell. Vor allem aber sind sie laut. Ob Wild oder Wanderer: Der Lärm von Motocross-Maschinen ist nicht das, was man im Wald erwartet. Da ist dann Schluss mit der Waldesruh’.

Die Maschinen röhren überall in den Eifelwäldern. Ob im Irsental in der Verbandsgemeinde Arzfeld, wo Motocrossfahrer vergangenes Jahr ein Naturschutzgebiet für sich entdeckt haben. „Das ist ein ganz heißes Thema“, sagt Kreisjagdmeister Gerd Grebener. Ob ´bei Schleid und Fließem im Bitburger Land oder in Nusbaum und Bollendorf in der Südeifel: „Uns erreichen Beschwerden aus vielen Orten.“

Durch die Wälder zu rasen ist zwar verboten, aber die Strafe bleibt in den meisten Fällen gering: „Ein Bußgeld ist ja nicht gerade abschreckend“, sagt Grebener.

Tatsächlich, so bestätigt Wolfgang Zenner von der Polizei Bitburg, würde die Höhe der Bußgelder von 30 bis zu mehreren hundert Euro variieren. „Das kommt immer darauf an, was man sich zu Schulden hat kommen lassen.“ Wer verbotener Weise im Wald fährt, kommt vielleicht mit 20 Euro davon, für den, der dabei auch Schranken oder Futterstellen zerstört, wird es schon deutlich teurer. „Und wenn ein Passant durch einen Sturz verletzt wird und nachgewiesen werden kann, dass er gestürzt ist, weil er durch einen Motocrossfahrer erschreckt wurde, wird’s richtig teuer“, sagt Zenner.

Wie häufig bei der Polizei Bitburg Motocross-Fahrer angezeigt werden, kann Zenner nicht sagen. Die Anzeigen werden, je nach Sachlage, unter verschiedenen Rubriken wie „Ordnungswidrigkeit“, „Sachbeschädigung“ oder „Unfall“ gebucht. Auch Zenner bestätigt, dass es diese Beschwerden „quer durch die ganze Eifel“ gibt.

Kreisjagdmeister Grebener hat bereits einen ganzen Ordner zum Thema Motocross im Eifelwald. Für seine Begriffe ist das „eine Riesen-Sauerei“ – nicht nur, weil Vorschriften und Gesetze missachtet werden, sondern vor allem, weil „die ohne Rücksicht auf Verluste überall durchfahren“. Eine Erfahrung, die am Wochenende auch Johannes Osterwind machen musste. Er ist Jäger und war zu Gast auf einer Drückjagd in der Eifel im Geweberwald bei Oberweiler. Und da war er für einen Moment richtig geschockt.

Von Weitem sei die Maschine schon zu hören gewesen. „Erst dachte ich, da fährt jemand irgendwo in der Nähe auf der Landstraße“, sagt Osterwind. Dass das im Wald sei, habe er sich gar nicht vorstellen können. Das Geräusch sei „wahnsinnig laut“ gewesen. Dann, auf einer Schneise im Wald, über die die Forstarbeiter die Baumstämme bei der Ernte bis zum nächsten Lager ziehen, ein so genannter Holzrücke-Weg, habe er gestanden und auf einmal gesehen, wie ein Motocrossfahrer quer durchs Geäst nahte.

„Ich signalisierte mit Handzeichen, das er stoppen soll“, sagt Osterwind. Der Fahrer habe auch abgebremst, sei fünf sechs Meter von ihm entfernt fast zum Stillstand gekommen. Ein Einsehen? Weit gefehlt: „Dann gibt der auf ein Mal Vollgas und rast direkt auf mich zu“, sagt Osterwind. Er sei zur Seite gesprungen: „Sonst hätte der mich umgefahren.“ So ist der Jäger mit einem Schreck davon gekommen.

Der Motocrossfahrer war, so schildert es der Jäger, ohne Nummernschild, dafür aber mit Kamera unterwegs, die auf den Helm montiert war. Filme, die bei solchen Fahrten entstehen, finden sich zuhauf im Internet. Die Eifelwälder sind dafür ein offenbar beliebtes „Ausflugsziel“.

Für Kreisjagdmeister Grebener mehr als ein Ärgernis: „Da meint offenbar jeder, er könne machen, was er wolle, wenn er nur aggressiv genug auftritt.“ Ein Teil des Problems ist für ihn auch, dass die Crossfahrer meist in Gruppen von drei, vier Fahrern unterwegs sind: „Die maulen ordentlich zurück, wenn jemand wagt, ihnen was zu sagen und sind dann schnell weg.“ So, wie im Wald bei Fließem, es wohl einen Zusammenstoß mit Reitern gab und die Crossfahrer laut Grebener gesagt haben sollen: „Ihr reitet ja auch hier. Und wir fahren hier. Jeder kümmert sich um seinen Scheiß.“ Ende der Debatte.

Der Hegeringleiter von Oberweiler bringt sogar grundsätzlich ein gewisses Maß an Verständnis für die Crossfahrer mit. „Die sollen auch ihre Räume haben, wo sie ihren Sport ausüben können. So wie es für Fußballspieler auch Plätze gibt“, sagt Paul Schwarz. Nur der Wald, das sei einfach nicht der Ort für Motocross.

Sein Anliegen ist es, die Eltern der meist jungen Fahrer zu sensibilisieren: „Die sollen auf ihre Kinder einwirken, damit die diesen gefährlichen Blödsinn lassen“, sagt Schwarz und meint nicht den Sport als solches, sondern dessen Ausübung im Wald. Gerade der Vorfall vom Wochenende müsse deutlich machen, dass der Spaß an dieser Stelle aufhört: „Ein solches Verhalten kann das Leben des Fahrers und das des Jägers, Spaziergängers, Joggers oder Reiters auf einen Schlag zerstören. Es kann ein Leben im Rollstuhl zur Folge haben, im schlimmsten Fall den Tod.“ Und dann hilft dann auch kein abmontiertes Nummernschild mehr.

Wer Motocross- oder Quadfahrer im Wald sieht, wende sich an die Polizei. Da die Fahrer meist aus umliegenden Orten sind, besteht die Chance, sie zu ermitteln.

Kommentar
Schluss mit lustig

Nicht alles, was Spaß macht, ist erlaubt. Und gerade dann macht es am meisten Spaß. Vor allem, wenn man jung ist. Beim Thema Motocross im Wald geht es nicht darum, dass Jäger, Wanderer oder Förster dafür kein Verständnis hätten. Motocrossfahrten im Wald, über Stock und Stein, Steilhänge rauf und runter ist gefährlich. Gefährlich für die Fahrer, die verletzt nach einem Sturz, lange auf Hilfe warten müssten, bis sie gefunden werden. Und natürlich auch gefährlich für alle anderen, die im Wald arbeiten oder ihn als Erholungsgebiet nutzen. Und nicht zu vergessen die Tier- und Pflanzenwelt, die von den Fahrern gestört und zerstört wird. Hier hört der Spaß eben auf. Und wer das nicht kapiert, muss es sich dann halt von der Polizei erklären lassen. Schade daran: Einzelne Rowdys bringen eine ganze Sportart in Verruf.

d.schommer@volksfreund.de