Verbotene Verbotene Blicke im Bitburger Schwimmbad: Frau fühlt sich von Spanner belästigt

Schwimmbad-Betreiber und Polizei sehen kein Problem : Verbotene Blicke im Bitburger Schwimmbad: Frau fühlt sich von Spanner belästigt

Ein Spanner hat im Bitburger Cascade-Bad eine Frau in der Umkleide beobachtet. Immer wieder kommt es auch in anderen Schwimmbädern in der Region zu solchen Vorfällen. Wird dagegen genug getan?

Nathalie Pier bemerkt den Mann nicht. Doch er sieht die Luxemburgerin genau. Ein Spanner lugt unter der Kabinenwand hindurch, während sie sich umzieht. Nur im BH bekleidet, entdeckt sie zuerst eine Hand, dann einen Mund und eine Nase, die sich durch den Spalt drückt. Sie schreit. Mund und Nase verschwinden wieder. Dann hört sie Fußgetrappel. Und der Mann ist weg.

Dutzende Fragen schießen ihr durch den Kopf: Wie lange hat er zugeschaut? Hat er ihre sechsjährige Tochter begaffen können, bevor sie mit dem Vater zum Fönen aus der Umkleide ging? Hat er mit dem Handy Videos gedreht?

Auch eine Woche nach dem Vorfall bekomme sie die Szenen nicht aus dem Kopf, sagt sie. Dabei sei es  zuvor ein schöner Tag im Bitburger Schwimmbad Cascade gewesen. Wie viele junge Familien haben Pier, ihr Ehemann und ihre Tochter den Sonntag im Wasser verbracht. Bis sich der Ausflug in einen Alptraum verwandelte.

Auch das Schwimmbadpersonal habe sie am 2. Juni nicht beruhigen können. Die Angestellten am Infostand hätten zwar Verständnis gezeigt, sie aber letztlich nur mit drei Gutscheinen für den nächsten Besuch abspeisen wollen. „Damit kann man so einen Vorfall nicht vergessen machen“, findet die Frau, die aus der Nähe von Junglinster stammt.

Im Gespräch mit den Mitarbeitern habe sie außerdem den Eindruck gewonnen, dass nicht zum ersten Mal ein Spanner im Cascade unterwegs war.

Tatsächlich hat der TV im September 2007 über einen 48-jährigen Mann berichtet, der im Freizeitbad „auf allen vieren durch den Gang kroch, um unter die Kabinen zu schauen.“ Auch in anderen Schwimmbädern der Region gab es Probleme. So wurde 2008 ein Spanner in Wittlich erwischt. Wellen schlug auch ein Vorfall im Juni 2017, als eine Frau in Schweich von einem Unbekannten beim Umziehen gefilmt wurde. Die Polizei wurde damals allerdings nicht hinzugezogen.

Auch das Personal des Cascade habe die Beamten erst auf Piers Drängen gerufen, sagt die Betroffene. Die Polizisten seien dann innerhalb von fünf Minuten vor Ort gewesen und hätten ihre Angaben für eine Anzeige aufgenommen. Weil Pier nur Hand, Mund und Nase des Spanners gesehen hatte, konnte sie den Täter aber nicht genau beschreiben. Der Voyeur sei wohl mittleren Alters und recht kräftig, sagt sie dem TV – eine Beschreibung, die an diesem und jedem anderen Sonntag auf etliche Besucher  zutrifft.

Große Hoffnungen, den Mann zu fassen, macht sich der Bitburger Dienststellenleiter Christian Hamm deshalb nicht: „Die Chancen, ihn zu schnappen, tendieren gegen null. Uns gegenüber hat die Frau gesagt, sie würde den Mann nicht wiedererkennen.“ Auch die Auswertung des Videomaterials im Cascade hätte „keine Ermittlungsansätze“ ergeben. Dass es im Bitburger Bad häufiger zu solchen Fällen kommt, kann der Polizeichef nicht bestätigen: „Das passiert ganz selten, vielleicht einmal im Quartal.“

„Das kommt nicht oft vor“, bekräftigt dies Elfriede Grewe, Geschäftsführerin des Cascade. Und sobald Angestellten oder Besuchern etwas auffalle, werde die Polizei verständigt. „Wenn wir jemanden sehen, der andere Leute filmt oder fotografiert, sprechen wir ihn an“, sagt Grewe. Denn dies sei laut Haus- und Badeordnung verboten. Meist hätten die Menschen gar nichts Böses im Sinn: „Die denken einfach nicht nach.“ Bei echten Spannern greife das Personal aber durch.

Auch wer im Hallenbad des Kurcenters Prüm spannt, bekommt Hausverbot. Das stellt Anton Karp von der Verbandsgemeinde klar. Die Polizei ziehe man in der Regel nicht hinzu. Denn meist seien die Täter Heranwachsende, die strafrechtlich nicht belangt werden können, sagt Karp. Im Schnitt habe es das Personal mit ein bis zwei solcher Vorfälle im Jahr zu tun. Da es noch nie zu sexuellen Übergriffen gekommen sei, reiche es aus, vom Hausrecht Gebrauch zu machen. Im Freibad Bollendorf gebe es kein Problem mit Spannern, sagt Mitarbeiter Daniel Schmitt: „Ich bin seit vier Jahren hier beschäftigt. Seitdem gab es keinen einzigen Fall.“

Nathalie Pier fühlt sich in den Eifeler Schwimmbädern trotzdem nicht mehr sicher. Sie wünscht sich mehr Schutz, „damit solche Vorfälle anderen Frauen erspart bleiben“. Einige Bäder in Luxemburg hätten die Videoüberwachung ausgeweitet oder ein Handyverbot verhängt. Für Grewe kommen solche Maßnahmen allerdings nicht in Frage. Eine Handyregel sei nicht durchsetzbar, tausende Besucher täglich nach Telefonen zu durchsuchen: zu aufwändig. Kameras gebe es bereits „an allen erlaubten Stellen“. Die Kabinen zu filmen, sei rechtlich nicht zulässig. Für Pier steht deshalb fest: „Ich gehe da nie wieder hin.“

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