Verdächtige Stoffe: Ein Großeinsatz hält Bleialf in Atem (Fotostrecke)

Verdächtige Stoffe: Ein Großeinsatz hält Bleialf in Atem (Fotostrecke)

Aus einem geparkten Gefahrstoff-LKW in Bleialf (Eifelkreis Bitburg-Prüm) ist am Samstag Flüssigkeit ausgetreten. Zeitweise waren 180 Kräfte im Dorf, am Abend erfolgte die Entwarnung.

Vier Liter: So viel Flüssigkeit, ausgetreten aus einem mit 21,8 Tonnen Industrieabfall beladenen Gefahrguttransporter, hat am Samstag in Bleialf einen Einsatz von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, DRK und Polizei ausgelöst. Am Abend konnte Entwarnung gegeben werden (volksfreund.de berichtete ).

Die ölige Flüssigkeit war am Mittag vom Betreiber des Bleialfer Campingplatzes bemerkt worden. Er alarmierte umgehend die Rettungsdienste, die sich schnell in den Schneifelort aufmachten, und zwar in die Straße "im Brühl": Denn dort hatte der in Bleialf wohnende Fahrer seinen Transporter am Freitag abgestellt, direkt gegenüber der Realschule plus, um am Montag die Reise zu einer Verbrennungsanlage in Oberhausen fortzusetzen.

Die Ladung des Sattelschleppers, abgeholt beim Entsorgungsunternehmen Remondis in Saarlouis: 21,8 Tonnen Umverpackungen, in denen industrielle Produkte ausgeliefert werden. Laut Ladepapieren hatte der LKW bis zu 150 unterschiedliche Stoffe auf dem Anhänger.

Die aufgefangene Menge der Flüssigkeit, sagte im Verlauf des Nachmittags Manfred Schuler von der Einsatzleitung, enthalte chlorierten Kohlenwasserstoff - und der könne unter Umständen das Atemgift Phosgen erzeugen.
Aus diesem Grund evakuierten die Einsatzkräfte das Gebiet rund um den Sattelzug in einem Radius von 100 Metern. Davon betroffen waren vor allem die Nutzer des Campingplatzes und des angrenzenden Jugendcamps. Sie wurden in der Turnhalle der Grundschule vom DRK verpflegt.

Die Einsatzkräfte riefen eine Spezialeinheit der Berufsfeuerwehr Köln nach Bleialf, die sogenannte Analytische Task Force: Deren Mitglieder sind ausgebildet in der Erkennung und Bekämpfung von biologischen, chemischen und radiologischen Gefahren. Und sie sind entsprechend technisch ausgerüstet: Die Eifeler Wehren können zwar mit ihren Mitteln den Gefahrstoff feststellen, nicht aber dessen Konzentration.

Auch Uwe Hoppe, Fachberater Chemie des Kreises, und Jürgen Larisch, der Kreisfeuerwehrinspekteur, waren im Schneifelort. Larisch rechtfertigte im Gespräch mit dem TV die umfangreichen Schutzvorkehrungen: Es könne zwar sein, dass sich am Ende alles als nicht so gravierend herausstelle, sagte er - "aber wir müssen in einer solchen Situation von der größtmöglichen Gefahrenlage ausgehen".

Am Ende konnten dann die Kölner Spezialisten Entwarnung geben: Der Stoff war in einer so geringen Konzentration in der Flüssigkeit enthalten, dass davon keine Gefahr für die Bürger ausging.

Das Leck an der Ladefläche des LKW wurde abgedichtet, der Transporter musste nach Angaben der Polizei Prüm zunächst zurück nach Saarlouis: Dort wurde alles wieder abgeladen und überprüft.

Wie der Leiter der Polizeiinspektion Prüm, Christoph Cremer, am späten Samstagabend auf TV-Nachfrage mitteilte, sei der Einsatz kurz vor 21 Uhr abgeschlossen worden. Und so, schreibt Cremer in seiner abschließenden Pressemitteilung, "fand dieser nichtalltägliche Einsatz für alle ein gutes Ende".

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