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Verein plant den ersten Speicherer „Kultursommer“ im Töpferort.

Kultur : Freiräume für Künstler

Ein Verein plant den ersten Speicherer „Kultursommer“. Was sich dahinter verbirgt und was die Besucher ab dem 2. Juni erwartet.

Marie Senftleben-Gudrich hat eine Vision. Und die ist, Speicher in ein Künstlerzentrum zu verwandeln. Aussteigern wolle sie kreativen Freiraum bieten, in einer Welt, die davon so wenig lasse, sagt sie. Und das soll ausgerechnet im beschaulichen Eifelstädtchen funktionieren? „Wir glauben an den ländlichen Raum“, sagt sie. Und mit „wir“ meint Senftleben-Gudrich sich und die anderen Mitglieder ihres Vereins „again Speicher“.

„Again“ ist  ein englisches Wort und bedeutet auf Deutsch: wieder. Und wiederbeleben wollen die Künstler in Speicher die Töpfertradition und das Kulturschaffen an sich. Das sei nach Ansicht der Organisatoren „etwas ins Hintertreffen geraten“: „Deshalb haben uns viele gesagt, dass das nicht zu schaffen ist.“ Diesen Kritikern konnte die Initiative im vergangenen Jahr das „again Speicher“ Festival entgegensetzen. An einigen Tagen im August konnten Besucher Konzerten lauschen und Künstlern bei der Arbeit zusehen. Nun soll es ein ganzer Sommer werden.

Drei Monate lang, von Juni bis August, wird es in und rund um das Plein-Wagner-Haus jede Menge zu sehen geben. Was genau, das steht noch nicht so ganz fest, sagt Senftleben-Gudrich. Einige Programmpunkte, wie ein Gitarrenkonzert am Samstag, 9. Juni, und diverse Kurse und Ausstellungen – auch zum Thema Töpferei – gebe es zwar schon. Aber der Rest werde sich im Laufe der Zeit ergeben. Dabei setzt die Organisatorin auf kreativen Köpfe. Vergangenes Jahr konnten die Organisatoren  die namhafte Fotografin Johanna Schrot gewinnen. Ihr Bild von David Bowie war auf dem Platten-Cover der Rolling Stones zu sehen. Aber auch andere Künstler und Handwerker aus der ganzen Welt sind eingeladen, in Speicher zu arbeiten, ihre Werke zu präsentieren und zu leben.

Im Obergeschoss des Komplexes im Merscheider Weg gibt  es Stockbetten, eine kleine Küche, einen Speiseraum und Ateliers. Was es nicht gibt ist eine Heizung. Und deshalb sind die Räume, die der Verein mit viel Eigenleistung renoviert hat, auch nur in den drei Sommermonaten bewohnbar. Die Freigeister sollen sich hier  inspirieren und   in Ruhe arbeiten können.

Was dabei herauskommt, können Gäste dann in den Ausstellungsräumen im Untergeschoss bestaunen. Schon jetzt, vor der offiziellen Eröffnung am 2. Juni, gibt es dort einiges zu sehen. Hier springen Pferdeskulpturen um die Wette, dort lachen den Besucher Masken an. An den Wänden hängen Gemälde verschiedener Künstler – einige skizzenhaft und monochrom, andere bunt, abstrakt, geometrisch. Und die Ausstellungen sind nur ein Teil des Kultursommers. Ein Festival, vergleichbar mit dem im vergangenen Jahr, wird es auch diesen August geben.

„Ein besonderes Event“, findet auch Manfred Rodens, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher. Deswegen will sich die VG mit rund 18 000 Euro an den Kosten des Kultursommers zu beteiligen. Mehr als 70 Prozent des Geldes stammen aus der Leaderförderung der EU. Daher sieht Rodens darin nur eine „geringe Investition“. Für die Organisatoren ist die Unterstützung trotzdem fast die halbe Miete. Senftleben-Gudrich rechnet mit jährlichen Ausgaben von 45 000 Euro. Die Kosten für den Umbau des Fabrikgeländes, der ja noch weitergehen soll, nicht eingerechnet.

Plein-Wagner Haus Speicher Foto: TV/Christian Altmayer
Plein-Wagner Haus Speicher Foto: TV/Christian Altmayer
Plein-Wagner Haus Speicher Foto: TV/Christian Altmayer
Plein-Wagner Haus Speicher Foto: TV/Christian Altmayer

Das meiste davon trägt der Verein selbst. „Uns ist klar, dass das Risiko hoch ist“, sagt sie: „Aber wir sind eben begeistert von der Idee.“ Vorgenommen haben die Initiatoren sich, das Projekt weitere drei Jahre fortzuführen. Denn solange läuft die Förderung aus EU-Mitteln. Wenn es weiterhin Gelder gebe oder die Aktion sich stark etabliere, könne es auch danach weitergehen, meint Senftleben-Gudrich. Nun hofft sie nur noch auf ebenso viele Gäste wie beim Festival 2017: „Das wurde so gut angenommen. Damit hätten wir selbst nicht gerechnet.“ Auch Schirmherr Rodens glaubt an die Veranstaltung: „Keine andere Region  im Eifelkreis hat ein vergleichbares Potential an Töpfer- und Keramiktradition.“ Ihm geht es vor allem darum, der Öffentlichkeit das Projekt „Töpfererlebniswelt Speicher“ nahezubringen. Für Senftleben-Gudrich aber ist der Kultursommer weit mehr als das. Schließlich hat sie eine Vision.