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Vereinsleben im Eifelkreis findet nicht mehr statt

Vereinssport : Trainingsvideo statt Trainingsgruppe

Die Corona-Pandemie hat dem Breitensport den Garaus gemacht. Seit Wochen herrscht große Stille in Turnhallen und Stadien. Die Vereine hoffen auf Lockerung.

So ein schönes, sattes Grün hatten die Rasenfußball-Felder selten. Selbst der Torraum hat keine braunen Stellen. Manch einem Kicker muss das Herz bluten, wenn er die gepflegten Plätze sieht. Auch in den Turnhallen herrscht Totenstille. Schon seit Wochen wird doch nicht mehr trainiert.

„Bei uns liegt derzeit alles auf Eis“, sagt Michael Wielvers, Geschäftsführer des Ski-Klubs Prüm. Mit seinen rund 1300 Mitgliedern ist der Ski-Klub der größte Sportverein in Prüm. Badminton, Handball, Herzsport, Inline-Skating, Lauftreff, Leichtathletik, Volleyball, Aerobic und natürlich Wintersport werden unter anderem angeboten. Doch zurzeit läuft nichts.

In Rheinland-Pfalz ist Individualsport nur im Freien, allein oder mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person und im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands erlaubt. Wielvers rechnet nicht damit, dass es vor Juni/Juli wieder mit dem Mannschaftstraining losgeht. In der Leichtathletik seien etliche Meisterschaften und Wettkämpfe abgesagt worden. Auch für die Prümer Handballer, die in der Rheinlandliga spielen, sind das schlechte Voraussetzungen für den Start in die neue Saison. „Das ist eine seltsame Situation für uns alle“, sagt Wielvers, der aktiver Handballer ist. „Wir haben von verschiedenen Verbänden Trainingspläne bekommen, die wir an die einzelnen Gruppen weitergeleitet haben“, sagt er. Zum Teil hätten Übungsleiter auch selbst Videos innerhalb ihrer Gruppen versandt.

Doch die Saisonplanung liegt brach. So geht die Handballsaison normalerweise von September bis Mitte April. Im Mai mache man Pause. Normalerweise sei das jetzt die Zeit, um die Mannschaft für die nächste Saison aufzubauen, sagt der Geschäftsführer.

Er selbst hält sich mit Laufen und Inliner fahren fit. Ab und zu mache er auch Kräftigungsübungen per Trainingsvideo. „Ich bin es gewohnt, mit 15 Leuten zu trainieren, das fehlt mir jetzt komplett.“

Ein Fokus liegt auch auf der Herzsportgruppe. „Auf die müssen wir besonders aufpassen“, sagt er. Die Mitglieder stünden aber mit ihren Trainern im Kontakt.

Froh ist er darüber, dass bisher kein Mitglied sich wegen einer Beitragsrückzahlung gemeldet habe. Die Beiträge werden halbjährlich, beziehungsweise jährlich abgebucht. Die meisten seien im Januar eingezogen worden. Auch die Sponsoren hätten bislang noch keine Rückforderungen gestellt. „Inwiefern wir Mitgliedsbeiträge zurückzahlen oder Übungsleiter entschädigen müssen wir im Vorstand noch klären. Es bringt jetzt auch nichts, etwas auszurufen, wenn wir noch gar nicht wissen, wie lange wir pausieren müssen“, sagt der Geschäftsführer.

Bedauern würde er aber auch noch etwas anderes. So hatte sich der Ski-Klub beim Sportbund Rheinland-Pfalz für das Projekt „digitale Vereinsberatung“ beworben und ist aus 50 Bewerbern auch ausgewählt worden. „Wir wollten damit unsere Organisation modernisieren und verbessern“, sagt Wielvers. Die Fragebögen seien bereits an alle Trainer rausgegangen, doch die Ergebnisanalyse läge wegen der Corona-Krise jetzt brach, sagt er.

Der Fußballrasen kann also noch ein bisschen wachsen. Die Sportler müssen sich weiterhin per Video-Clip fit halten. Oder einen Personal-Trainer auftreiben.