Verkehrte Welt an der Enz

Wer vor eineinhalb Jahren einen solchen Verlauf der VG-Ratssitzung vorhergesagt hätte, wäre nur müde belächelt worden. Doch die Kommunalwahl brachte entscheidende Veränderungen. Damals stellten die Wähler die Mehrheitsverhältnisse auf den Kopf.

CDU und FDP verfügen seitdem über die absolute Mehrheit. Statt jedoch mit dieser Macht alles durcheinander zu wirbeln, entwickelte sich die CDU zu einer staats-, sprich verwaltungstragenden Fraktion. Bürgermeister Norbert Schneider, der zuvor harte Auseinandersetzungen mit den Schwarzen führen musste, kann sich in der Regel ihrer Unterstützung gewiss sein. Umgekehrt schlüpft die auf vier Sitze zurechtgestutzte UBV, deren Kandidat der parteilose Schneider einst war, zum Teil in die Rolle einer kritischen Opposition. Noch beschränkt sich das auf kleine Nadelstiche, könnte sich aber ausweiten. Die SPD scheint sich für die innere Emigration entschieden zu haben. Nach zurückhaltenden Wortbeiträgen bei der Haushaltsberatung stand am Ende die Enthaltung: nicht Fisch, nicht Fleisch. Unter dem Strich hat sich die Zusammenarbeit der Fraktionen im Vergleich zur vergangenen Wahlperiode verbessert. Das zeigt nicht nur die Wortwahl im Rat. Handfester Beweis ist die gemeinsame Ausarbeitung eines neuen Gebührensystems. Gerade das Thema Abwasser hatte jahrelang Streit heraufbeschworen. Die UBV (vormals Interessengemeinschaft Abwasser) war mit ihrer Idee einer Grundgebühr erfolgreich. Das ist auch ein Hinweis darauf, dass im Rat Vorschläge nicht grundsätzlich blockiert werden, nur weil sie nicht aus dem eigenen Lager stammen. m.hormes@volksfreund.de