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Verlässlicher Partner in schwieriger Phase

Verlässlicher Partner in schwieriger Phase

Der Wechsel von der Schule in die Berufsausbildung ist für Jugendliche ein großer Schritt - und für manche ein scheinbar unüberwindbares Hindernis, sei es aus schulischen, familiären oder persönlichen Gründen. Die ehrenamtlichen Ausbildungspaten des Caritasverbands Westeifel helfen.

Bitburg. Eltern wissen es und Lehrer erst recht: Die Pubertät ist in der Regel anstrengend - für die Jugendlichen wie auch ihr Umfeld. Das Gehirn gleicht einer Großbaustelle, auf der alte Nervenverbindungen gekappt und neue geschaffen werden, während der Verstand dabei zeitweise zugeschüttet wird. Begraben unter einem Haufen wilder Emotionen und unerklärlicher Reaktionen. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, fällt dieser Ausnahmezustand ausgerechnet auch noch in den Lebensabschnitt, in dem junge Menschen entscheiden müssen, wie es für sie schulisch oder beruflich weitergehen soll. Eine wirklich wichtige Entscheidung.Damit nicht so viele scheitern


Carmen Basten kennt diesen Zustand nur zu gut. Bevor sie selbst Mutter wurde, war sie Schulsozialarbeiterin an einer weiterführenden Schule, hat also viele Jugendliche in dieser schwierigen Phase erlebt und betreut. Heute arbeitet sie beim Caritasverband Westeifel und ist dort unter anderem für die Betreuung der Ausbildungspatenschaften zuständig. Im Rahmen dieses Projekts werden Jugendliche von ehrenamtlichen Paten auf dem Weg von der Schule in den Beruf begleitetet. Hier gibt es Hilfe und Unterstützung für junge Menschen, die aufgrund ihrer schulischen Leistungen oder sonstiger Probleme und Defizite ohne die Ausbildungspaten möglicherweise auf der Strecke blieben.
"Es ist so, dass viele Jugendliche in der bestimmten Phase ihres Lebens einen neutralen Partner brauchen", erklärt Basten. Menschen von außerhalb hätten in dieser Phase oft einen besseren Zugang zu den jungen Leuten als Eltern oder Lehrer.
"Es hat mir immer wehgetan, wenn wir Auszubildende gehabt haben, die an einer ganz kleinen Hürde gescheitert sind", berichtet Michael Ewerhart, Mitarbeiter eines großen Unternehmens. Er ist einer der inzwischen 20 Ausbildungspaten, von denen derzeit neun einen jungen Menschen begleiten. "Das Leben der Jugendlichen von jetzt auf gleich gerade zu richten, schaffen wir nicht", betont Ewerhart. "Wir haben gelernt, mit Niederlagen zu leben", sagt er, "aber manchmal gibt uns der Erfolg auch recht."
Diese Erfahrung hat auch Ulrike Altringer gemacht. Ihr Patenkind ist 16 Jahre alt und hatte anfangs, wie sie sagt, große Schwierigkeiten mit Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit - ein Problem, das auch andere Ausbildungspaten von ihren Schützlingen gut kennen.
"Inzwischen ist es aber so, dass ich mich zu 95 Prozent darauf verlassen kann", sagt Altringer. Ihr Patenkind habe sich so gut gemacht, dass es sich für die mittlere Reife qualifiziert habe.
Auch Winfried Reis kann von erfreulichen Veränderungen berichten. Er war einer der ersten Ausbildungspaten im Dekanat Bitburg und betreut derzeit seinen vierten Schüler. Ein polnischer Jugendlicher mit großen Deutschdefiziten, wie er erklärt. Doch Reis ist zuversichtlich: "Es läuft ganz gut", sagt er. "Und bei den anderen drei hat es ja schließlich auch geklappt."Vertrag für ein Schuljahr


Die Ausbildungspaten dienen den Jugendlichen als verlässliche Bezugsperson. Als jemand, der ihre Sorgen und Probleme ernst nimmt. Sie unterstützen die Schüler beispielsweise bei der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsberuf, vermitteln Kontakte oder helfen bei der Bewerbung beziehungsweise Vorbereitung für das Bewerbungsgespräch. Die Patenschaft wird mit einem Vertrag besiegelt und dauert in der Regel ein Schuljahr. Wobei Kontakt und Unterstützung in einigen Fällen auch länger bestehen. Meistens treffen sich Pate und Patenkind einmal pro Woche - entweder zu Hause, in der Schule oder in einem Café. Das ist jedem Team selbst überlassen. Zudem kommunizieren viele auch über das Internet miteinander.
Um auf das Angebot aufmerksam zu machen, besucht Carmen Basten mit Paten regelmäßig die Schulen. Eine andere Möglichkeit, das Programm vorzustellen, sind die Orientierungs- oder Abschlusstage der Schulen, bei denen auch Dyrck Meyer anwesend ist. Der Bitburger Dekanatsreferent gehört ebenfalls zu den Ansprechpartnern des Projekts. Als solcher kennt Meyer die Chancen und Möglichkeiten, die sich durch die Ausbildungspatenschaft ergeben, aber eben auch die Grenzen. Schließlich führt nicht jede Patenschaft zwangsläufig zum Erfolg. "Es gibt Situationen, die so komplex sind, dass es auch der Ehrenamtliche nicht mehr reißen kann", sagt Meyer. Das weiß man aber auch erst, wenn man es versucht hat.
Weitere Infos gibt es bei: Carmen Basten, Telefon 06561/96710, 0170/9223680, oder Mail an c.basten@caritas-westeifel.de ; Dekanatsreferent Dyrck Meyer, Telefon 06561/6942911; 0151 53830861; Mail: Dyrck.
meyer@bgv-trier.deMeinung

Eine starke Unterstützung
Schule, Ausbildungsbetrieb und Elternhaus: Zwischen diesen Eckpfeilern bleiben manche Jugendliche bei ihrer Entwicklung auf der Strecke. Denn nicht alle junge Menschen sind von Haus aus mit einer intakten Familie, die sie fördert und ihnen berufliche Chancen eröffnen kann, gesegnet. Deshalb ist es gut, dass Kinder, die von ihren Eltern nur wenig Hilfe erhalten, von Ausbildungspaten unterstützt werden. Denn mit den Ausbildern und Lehrern, mit denen man in einem Ausbildungsverhältnis steht, über Probleme zu sprechen, davor scheuen viele Jugendliche. Deshalb sind unparteiische Helfer mit einer dritten Meinung eine wichtige Hilfe. c.moeris@volksfreund.de