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Verschenkt, verschrottet, verloren

Verschenkt, verschrottet, verloren

BITBURG. Der Streit um die abhanden gekommene Druckerpresse im Kreismuseum ist beendet. Das Landgericht Trier hat die Schadenersatzklage von Erich Weiler abgewiesen, der die Presse dem Museum geschenkt hatte.

Den schweren Bombenangriff auf Bitburg am 1. Weihnachtstag 1944 überlebte sie nahezu unbeschädigt, bis in die 90er Jahre tat sie ihren Dienst, und von den Verantwortlichen des Kreismuseums wurde sie an einen Schrotthändler verschenkt. Das ist die Geschichte einer 1,2 Tonnen schweren Presse vom Typ "Heidelberger Tiegel" aus dem Jahr 1938, deren unrühmliches Ende das Landgericht Trier beschäftigte (der TV berichtete). Am Ende ärgerte sich Schenker Erich Weiler gleich doppelt: Die Drucker-Presse ist weg und das Landgericht wies seine Klage ab. Erich Weiler, Besitzer einer Druckerei in Bitburg, hatte den "Heidelberger Tiegel" 1995 dem Kreismuseum Bitburg-Prüm zur Verfügung gestellt. Laut Weiler war die Schenkung an die Bedingung geknüpft, dass die Presse ausgestellt wird. Bis zum Umzug des Museums ins alte Gymnasium an der Trierer Straße 1998 war die Presse zusammen mit dem dazu gehörenden Tisch und einem Setzpult im Flur der Villa Limbourg zu sehen."Heidelberger Tiegel" muss älterem Modell weichen

Das änderte sich nach dem Umzug: Die Presse wanderte Anfang 1999 ins Magazin. Einer älteren Druckerpresse wurde am neuen Museumsstandort der Vorzug gegeben. Im Jahr 2001 begannen dann die Auseinandersetzungen, die durch den jetzigen Richterspruch beendet wurden. Damals besuchte Erich Weiler zusammen mit Kollegen von der Drucker-Innung das damals neu eröffnete Druckerei-Museum in Junglinster (Luxemburg). Dabei erfuhr Weiler vom Museumsleiter, dass eine "Heidelberger Tiegel" gut in die Ausstellung passen würde. Zurück in Bitburg wollte Weiler das eingemottete Geschenk aus dem Lager des Bitburger Museums holen und dem Fachmuseum im Ländchen übergeben. Dann erfuhr er die böse Überraschung: Die Druckmaschine war nicht nur nicht ausgestellt, sondern ganz aus dem Bestand verschwunden. Museumsleiter Burkhard Kaufmann erklärte Weiler später, dass die Maschine verkauft worden sei. Weiler wandte sich daraufhin in einem Brief an Landrat Roger Graef. Falls die Presse trotz nachweislicher Bemühungen nicht wieder beschafft werden könne, sollte der Kreis ihm wenigstens den Erlös aus dem Verkauf auszahlen, forderte der Bitburger. "Die Herstellerfirma zahlt bis zu 5000 Euro für solch eine Drucker-Presse, wie ich sie dem Kreismuseum gegeben habe", sagt Erich Weiler. Eine eventuelle Entschädigung sollte an eine Einrichtung, "die garantiert nichts mit dem Kreis zu tun hat" gehen, sagte Weiler im Mai 2002.Weiler kritisiert Museumsleiter

Zwei Jahre später meldet Kreis-Pressesprecher Rudolf Müller, dass der Rechtsstreit um die Druckerpresse Weiler nun endgültig zu Gunsten des Kreises entschieden ist. "Nachdem die Kreisverwaltung Bitburg-Prüm jeglichen Schadensersatz- beziehungsweise Wiedergutmachungsanspruch mangels Vorliegen einer materiellen Rechtsgrundlage ablehnte, erhob Herr Weiler Klage beim Landgericht Trier", berichtet Müller. Diese Schadensersatzklage hat die elfte Zivilkammer des Landgerichts Trier mit Urteil vom 22. Dezember 2003 abgewiesen und die Kosten des Rechtsstreits dem Kläger auferlegt. Das Urteil habe zwischenzeitlich Rechtskraft erlangt, teilt der Pressesprecher mit. Für Kreisverwaltung und das Kreismuseum ist damit die Affäre um den "Heidelberger Tiegel" beendet. Presse-Schenker Erich Weiler hat seine Lehren aus der Geschichte gezogen. "Ich halte nichts von einem Museumsleiter, der so mit den Sachen umgeht", kritisiert er Burkhard Kaufmann. Weiler legt sogar nach. "Es sollen auch andere Sachen weggekommen sein", berichtet der Drucker-Meister. Die sich im weilerschen Besitz befindliche Drucker-Presse - ebenfalls ein "Heidelberger Tiegel" - wird er sicher nicht mehr an das Kreismuseum geben.