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Versteckte Armut vor der Haustür

Versteckte Armut vor der Haustür

Erschreckende Zahlen: Jedes sechste Kind ist in Deutschland auf Sozialhilfe angewiesen, und Privatinsolvenzen haben mit 110 000 Fällen bundesweit ein trauriges Rekord-Niveau erreicht. Auch im Eifelkreis kommen mehr als 2300 Menschen nicht ohne staatliche Unterstützung aus - darunter mehr als 700 Kinder unter 15 Jahren. Kinder, deren Wünsche so bescheiden sind, dass die Bitburger Weihnachtsbaum-Aktion helfen will, damit sie zum Fest der Freude nicht leer ausgehen.

Bitburg. Ein allein erziehender Vater, der schon seit längerem arbeitslos ist, befindet sich seit dem Tod seiner Frau in einer schwierigen Lebenssituation. Sein zehnjähriger Sohn wünscht sich vom Christkind Winterschuhe und einen Schwimmkurs, doch ohne die Weihnachtsbaum-Aktion wird das Christkind seinen Wunsch wohl nicht erhören können. Denn die Armut wächst - nicht nur bundesweit, sondern auch im Eifelkreis, wo im November 2007 rund 2300 Menschen Hartz IV oder Arbeitslosengeld II bezogen haben - darunter mehr als 700 Kinder unter 15 Jahren. Auch eine weitere Zahl macht die Not deutlich: Rund 460 Eifeler Kinder leben in Haushalten, die ihre Lebensmittel von der "Bitburger Tafel" beziehen. Das Schlimme daran: Die wachsende Armut vor der eigenen Haustür gerät angesichts des vielen Leids auf der Welt leicht aus dem Blickwinkel. Hierzulande schämen sich die von Armut Betroffenen und mühen sich, ihre Not so gut es geht zu verbergen.Wenn es noch nicht mal für den Schwimm-Kurs reicht

Doch die Lage ist ernst. So berichtet der Caritasverband Westeifel, dass allein im November 35 Menschen sich wegen existentieller Notsituationen an die Familienhilfe gewandt haben. Oft sind es Trennungen und Scheidungen, Arbeitslosigkeit, Krankheit und eine wachsende Verschuldung, die die Ratsuchenden in die Armut treibt. Fortan müssen die Väter und Mütter ihren Kindern nur allzu oft erklären, dass die Klassenfahrt oder die Winterschuhe einfach nicht drin sind. Damit diese Kinder wenigstens an Weihnachten nicht leer ausgehen, hat Karin Bujara-Becker vor 13 Jahren in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband die Weihnachtsbaum-Aktion (siehe Extra) initiiert. "Durch meine eigenen Kinder entstand damals der Wunsch, auch etwas für jene Kinder zu tun, die am Rand unserer Gesellschaft leben", sagt die engagierte Bitburgerin. Ging es anfangs vor allem um Kleidung und Spielzeug, fiel der Organisatorin auf, dass über die Jahre zunehmend auch Lebensmittel-Pakete gewünscht werden - ein Zeichen der wachsenden Not. Hinzu kommt: Da arme Kinder in vielen Bereichen gesellschaftlichen Lebens ausgegrenzt sind, werden auch Patenschaften für Schwimmkurse, Musikunterricht, Klassenfahrten, Mitgliedschaften in Sportvereinen, Taschengeld oder Zeitschriften-Abos vermittelt.Winterschuhe Größe 32/33, neue Strümpfe, ein Pullover: Die Kinderwünsche sind mehr als bescheiden. Bujara-Becker: "Vielen, die die Zettel am Weihnachtsbaum lesen, treibt es die Tränen in die Augen. Viele können sich nicht vorstellen, wie schlecht es manchen Familien geht." Hintergrund Das Konzept: Die Not leidenden Kinder bekommt Karin Bujara-Becker anonym vom Caritasverband Westeifel vermittelt. Dann fertigt die Bitburgerin Geschenkezettel, auf die sie die Wünsche der Kinder schreibt, die dann von Spendern erfüllt werden. Zusammen mit den Geschenkezetteln gehen die Artikel zurück an die Caritas, die die Gaben den entsprechenden Familien zukommen lässt. Wer einen der Weihnachtswünsche erfüllen möchte, wählt bei Reifen Becker (Saarstraße) oder im Autohaus Schaal (Auf Merlick) einen der Geschenkezettel aus, übernimmt eine Patenschaft für Schwimmkurse oder ähnliches oder spendet auf folgendes Konto bei der Volksbank Bitburg (BLZ: 58660101): Weihnachtsbaum-Aktion, Kontonummer 202056446. (scho)