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Verzögerung beim Schutz von Streuobstwiesen im Eifelkreis

Naturschutz während der Corona-Krise : Verzögerung beim Schutz von Streuobstwiesen

Streuobstwiesen müssen geschützt und gefördert werden. Holger Tülp vom Streuobstbüro in der Südeifel wollte Naturschützer  und Besitzer von Wiesen bei einem sogenannten Forum zusammenbringen. Das Treffen wurde nun in den Herbst verschoben.

Das Streuobst-Forum in der Kreisverwaltung Bitburg sollte der Startschuss zu einem Projekt sein, mit dem diese für die Natur wertvollen Kulturlandschaften gefördert werden sollen. Die Programmkarten waren gedruckt, mehr als 70 Einladungen lagen vor. Stattgefunden hat das Forum aber nicht, das Corona-Virus hat auch diese Veranstaltung verhindert.

Für Holger Tülp ist das bei aller Notwenigkeit dieser Entscheidung natürlich eine Enttäuschung. „Das wirft uns ein halbes Jahr zurück“, bedauert er.

Tülp leitet das Streuobstbüro der Naturparke Nordeifel und Südeifel im Gebäude der Verbandsgemeinde Südeifel in Irrel. Seit Anfang 2019 gibt es diese Anlaufstelle, die von einer Vollzeitkraft geleitet wird. Schon im Jahr 2013 wurde in der Südeifel die Intitiative „Rettet die Streuobstwiesen“ gestartet. Durch ein damaliges Projekt, das von 2013 bis 2015 lief, konnten durch fachgerechte Schnitttechnik Bäume in einen vitalen Zustand zurück versetzt werden.

Seit März des vergangenen Jahres ist Tülp für die Streuobstwiesen in der Südeifel zuständig. Der studierte Atmosphären-Chemiker macht diese Arbeit mit Überzeugung: „Gerade in der Südeifel prägen die Streuobstwiesen das Bild“, sagt er. Aber es sei notwendig sich um ihren Erhalt zu kümmern.

„Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Biotopen“, sagt Tülp. Und die Südeifel sei vom Klima her dafür ideal. Für Tülp sind Streuobstwiesen ein Bindeglied zwischen Natur und Kultur. Sie seien naturbelassen, aber dennoch vom Menschen gestaltet. Denn, damit ein Baum auf einer Streuobstwiese ein langes Leben hat und auch Ertrag bringt, müssen die Bäume gepflegt werden.

Tülp sieht auch in der sogenannten Unternutzung der Wiesen Vorteile, denn hier können Tiere weiden. Und für Imker sind die Flächen wegen ihrer Artenvielfalt ebenfalls interessant. Einen weiteren Vorteil bieten diese Areale für die Tourismus. „Sehnsuchtsziel Natur“, nennt Tülp diesen Aspekt.

Einen großen Vorteil der Streuobstwiesen, die mit reinen Obstplantagen nichts zu tun haben, sieht der Experte in der Vielfalt. Denn hier würden auch alte Sorten wachsen, die zum Beispiel für Menschen mit Unverträglichkeiten bekömmlich sind.

Doch trotz all dieser Vorteile von Streuobstwiesen sind diese in Gefahr. Gab es in den 1950er-Jahren noch etwa 500♦000 Bäume, sind es heute nur noch zwischen 150♦000 und 200♦000 Bäume im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Zum einen sei die Nutzung für Selbstversorger zurückgegangen. Die Wertschätzung für die Früchte habe aus Tülps Sicht abgenommen. „Früher waren Äpfel wie Pralinen“. Heute dagegen würden sie manchmal gar nicht vom Boden aufgehoben. Ein weiterer Grund dafür, dass Streuobstwiesen nicht mehr ausreichend gepflegt werden, sei häufig das höhere Alter der Eigentümer oder aber mangelnde Zeit durch Berufstätigkeit.

Eine weitere Gefahr für die Obstbäume sind Misteln. Dies seien Halbparasiten, die eigene Photosynthese betreiben, aber dem Baum die Kraft aussaugen. Früher habe es sogar Strafen gegeben, wenn man die Misteln nicht entfernt hat, heute würden sich viele die Mühe nicht mehr machen.

Die Bäume sind „Sensibelchen“, beschreibt Tülp die Notwendigkeit der Pflege. Und das macht den Erhalt der Streuobstwiesen nicht einfacher, denn es erfordert viel Wissen und Zeit, um die Obstbäume gut zu pflegen. Das fange schon mit der Pflanzung an, die recht anstrengend sein kann mit dem Buddeln der Löcher, Anbringen von Verbissschutz und anderen notwendigen Arbeiten.

Auch für die Veredelung braucht es viel Fachwissen.

Und dann ist da noch die Vermarktung der Früchte. Wie Tülp sagt, entsprechen beispielsweise die Äpfel von einer Streuobstwiese nicht den Anforderungen des Handels. „in einem Berliner Hippster-Viertel gäbe es vielleicht Kunden“, sagt Tülp lachend, aber in der Südeifel wären diese Produkte, auch die beispielsweise zu Schnaps verarbeitbaren Früchte nicht so begehrt.

Um trotzdem die Streuobstwiesen wieder interessant zu machen gibt es mehrere Ideen. Zum einen die Irreler Initiative „Hand in Hand“, die einen Naschgarten geschaffen hat.

Mit dem Streuobst-Forum wollte Tülp auch den Anstoß geben, eine Interessengemeinschaft zu gründen. So sei für ihn auch ein regelmäßiger Stammtisch denkbar, der vom Streuobstbüro unterstützt und koordiniert wird. Auch eine Onlineplattform sei denkbar, bei der sich beispielsweise Schäfer melden können, die Weideland auf einer Streuobstwiese suchen.

Streuobstwiesen gehören zum Landschaftsbild der Eifel, wie hier in Wilsecker in der Verbandsgemeinde Bitburger Land. Aktuell wächst dort noch nichts. Foto: Christian Altmayer Foto: TV/Christian Altmayer

Einiges lässt sich vielleicht auch jetzt schon um setzen. Den richtigen Anstoß wird es aber wohl erst geben, wenn das Streuobst-Forum, wie derzeit geplant im Herbst nachgeholt wird.