VG-Ratswahl in Arzfeld ohne Freie Wähler

Parteien : VG-Ratswahl in Arzfeld ohne Freie Wähler

Die FWG zieht ihre Kandidatenliste für den Rat der Verbandsgemeinde Arzfeld zurück. Der Grund: ein Formfehler. Der Hintergrund: ein Zwist mit einem Mitglied. Und eine Räuberpistole um die Wahl des Kreisvorstands.

Der Rat der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld: Fünf Parteien und Wählergruppen schickten bisher ihre Vertreter ins Gremium. Nach der Wahl am Sonntag, 26. Mai, wird eine von ihnen nicht mehr dabei sein: die Freie Wählergruppe (FWG).

„Die FWG hat bei uns ihre Liste zurückgezogen“, bestätigt VG-Bürgermeister Andreas Kruppert. Es sei um einen reinen Formfehler bei der Anmeldung der Kandidatenliste gegangen, der aber nicht mehr zum Stichtag habe korrigiert werden können.

Die Waldwildnis im Islek, hier bei Lützkampen. Dorthin will Reinhold Leufgen sie alle verjagen. Foto: Fritz-Peter Linden

Ja, man habe die Liste geknickt, sagt FWG-Schriftführer Horst Zils, der bisher zusammen mit Klaus Dingels die Fraktion bildete. Zils ist zugleich noch Ortsbürgereister in Üttfeld, wird aber nicht zur Wiederwahl antreten (stattdessen kandidiert seine Frau Jutta).

Und er arbeitet bei der Wehrtechnischen Dienststelle der Bundeswehr in Trier. Auch an dem Tag, als der Fehler auffiel und er die Korrektur noch hätte vornehmen können. Dafür aber hätte er nach Arzfeld fahren müssen. Zils tat das nicht: Seine Mutter ist schwer krank, just an jenem Tag hatte er vor, sie in einem Trierer Krankenhaus zu besuchen: „Da brauch ich nicht lange zu überlegen, wohin ich zuerst fahre.“ Und damit hatte sich für ihn die Sache mit der Liste erledigt.

„Das hat Andreas Kruppert auch direkt verstanden“, sagt Zils. Und auch in seiner Wählergruppe habe man Verständnis gezeigt. Allerdings nicht für den Auslöser der Kalamität: Der ist ebenfalls FWG-Mitglied und heißt Reinhold Leufgen. Der Landwirt, ebenfalls aus Üttfeld, hatte Wind von dem Formfehler bekommen und die Liste anzufechten gedroht. Warum? Zils will sich dazu nicht äußern, aber: „Ich verstehe ihn eigentlich nicht mehr.“ Vielleicht sei Wut im Spiel, eventuell sei der Auslöser ja die Sache in Bitburg gewesen.

Bitburg? Genau: Und damit ist der Zoff nicht mehr nur ein Fall der VG-FWG, sondern betrifft die Wählergruppe im gesamten Eifelkreis. Die hatte sich im Oktober im Hotel Eifelbräu getroffen, um dort den neuen Vorstand zu wählen und die Kandidaten für die Wahl des Kreistags zu bestimmen.

Dort war auch Reinhold Leufgen. Das heißt: nicht ganz. Die Versammlung begann um 19 Uhr, Leufgen aber kam zu spät, ebenso wie ein weiteres FWG-Mitglied, Manfred Colles aus Lascheid. Und was Leufgen dann zu Protokoll gibt (den Vermerk der Kreisverwaltung hat er dem TV überlassen), hat schon etwas sehr Räuberpistolenhaftes: Colles sei gegen 19.05 Uhr dort gewesen, Leufgen um 19.30 Uhr. Und als er eintraf, sei er „von einer Bedienung des Eifelbräu abgefangen und in einen falschen Raum geführt“ worden. Und zwar, wie Leufgen sagt, „bewusst“. Wegen der „Kameraüberwachung“ im Eingang. Die also, so suggeriert er, dazu gedient habe, ihn von der Versammlung fernzuhalten.

Und als die beiden dann doch in den Saal gelangten, war die Wahl vorbei. Und sei deshalb, sagt Leufgen, „rechtswidrig“. Was damit auch für die Kandidatenliste zum Kreistag gelte. Zu spät gekommen sei er übrigens, sagt Leufgen, weil ihn der Fraktionschef im VG-Rat, Klaus Dingels, nicht mitgenommen habe nach Bitburg. Und überhaupt: Die Liste der FWG in der Verbandsgemeinde habe er angefochten, weil sie eine Straftat darstelle: Da seien nämlich Kandidaten drauf, die nicht öffentlich gewählt worden seien. „Die wären alle straffällig geworden“, sagt Leufgen. „Das konnte ich doch nicht zulassen.“

Und fragt man ihn, warum er den ganzen Zinnober ausgelöst hat, wird es richtig heftig. Nein, das sei „nichts Persönliches“. Aber in der FWG seien lauter machtbesessene „linke Typen“, „Radfahrer“, die Vorgänge seien nichts als ein „Komplott“, „Machenschaften“, „Wählertäuschung“ und, jawohl: „Korruption.“ Und er, Reinhold Leufgen, sei „den Wählern und Mitgliedern schuldig, das richtigzustellen. Ich gebe der ehrlichen FWG die Ehre zurück. Ich kläre auf! Und die Radfahrer und Lenker muss man alle in die Wildnis schicken!“

Heftig, das alles. Die Reaktion der FWG-Spitze? „Völliger Blödsinn“, sagt Dirk Kleis, der Fraktionsvorsitzende im Kreistag. Die Wahlkommission des Kreises habe getagt, die Liste „ist anstandslos akzeptiert worden“. Und ja, man habe alles prüfen lassen: Kreiswahlleiter, Landeswahlleiter, Kommunalaufsicht, alle hätten die Korrektheit bestätigt.

Die Vorwürfe Leufgens „sind vollkommen an den Haaren herbeigezogen“, sagt Dirk Kleis. Und warum jemand am Versammlungsabend „im Nebenzimmer sitzt und sich nicht wundert, warum da keiner kommt, das kann ich nicht sagen“. Was ihn allerdings besonders stört: dass da einer die FWG in ein solch zweifelhaftes Licht zu rücken versuche.

„Da fällt dir eigentlich nichts mehr ein“, sagt auch Christine Kausen, seit Oktober Kreisvorsitzende der Wählergruppe. Die Versammlung sei gut, offen und demokratisch gewesen. „Und wenn alle im Raum sind, dann sehen wir ja nicht, wer da noch im Flur sitzt.“

Und davon abgesehen: „Das Hotel“, sagt Christine Kausen, „hat überhaupt keine Kamera im Eingang.“