Viel Arbeit, aber wenig Zeit: So läuft Schulsozialarbeit im Eifelkreis ab

Kostenpflichtiger Inhalt: Mehr Stellen im Jahr 2020 : Viel Arbeit, aber wenig Zeit - So läuft Schulsozialarbeit im Eifelkreis

Seit Januar 2018 gibt es Sozialarbeit an den Eifeler Grundschulen. Doch die Stundenzahl der Pädagogen ist knapp bemessen. Der Kreis plant deshalb, die Stellen aufzustocken.

Luca und Finn werden gemobbt. Sie ziehen sich von ihren Klassenkameraden zurück. Nele verteilt Bonbons auf der Toilette. Denn Momo, eine Gruselfigur aus dem WhatsApp-Chat hat ihr das befohlen. Leon und Ben geraten immer wieder in Streit und prügeln sich.

Mit solchen und ähnlichen Situationen sind Schulsozialarbeiter täglich an den 33 Grundschulen im Eifelkreis konfrontiert. Seit Januar 2018 greifen Pädagogen überforderten Lehrern und Eltern unter die Arme, unterstützen Kinder, beraten, schlichten und vermitteln. Dafür geben Kreis und Verbandsgemeinden jährlich rund 222 730 Euro aus. Der Anteil der Schulträger liegt bei etwa 99 000 Euro. Die Kommune zahlt also etwas mehr.

Gut angelegtes Geld, findet Doris Rücker, Bereichsleiterin für Kinder, Jugend und Familie beim Deutschen Roten Kreuz (DRK): „Wir haben eine Menge geleistet in diesen eineinhalb Jahren.“ Die Nachfrage an den Grundschulen sei gewaltig und reiße nicht ab: „Als wir mit der Arbeit anfingen, wurden wir überrannt.“

Die Zahlen, die sie dem Jugendhilfeausschuss vorstellt, belegen das. Seit 2018 haben Sozialarbeiter 2138 Beratungsgespräche mit Schülern geführt. Das sind fast sechs am Tag. Zudem gab es 925 Gruppensitzungen und 936 Besprechungen mit Eltern.

Die Themen der Gespräche seien verschieden. Das reiche von Gewalt in den Familien bis zur „Mutter, die nur hören muss, dass sie sich keine Sorgen machen muss“, erklärt Rücker. Unter den Verbandsgemeinden gibt es bei den Problemlagen aber Unterschiede. So bereite etwa die kleine VG Speicher besonders viel Arbeit, sagt Rücker: „Es hat sich herausgestellt, dass die Grundschule Speicher eine Brennpunktschule ist.“ Es gebe dort einige Eltern, die mit den Kindern überfordert sind, diese vernachlässigten oder schlagen. An den Schülern gehe das nicht spurlos vorbei. „Manche schlüpfen in die Rolle kleiner Erwachsener“, sagt Rücker, „andere werden aggressiv oder verhalten sich sonstwie auffällig.“

Ähnliche Probleme gebe es in Bitburg, sagt Rücker: „An den Grundschulen Nord und Süd ploppen die verschiedensten Themen auf, die Sozialarbeiter enorm fordern.“ In den Verbandsgemeinden Südeifel und Arzfeld habe man viel „mit sogenannten Landflüchtern zu tun“, sagt Rücker. Mit Menschen also, die aus dem teuren Lxuemburg in die günstige Eifel abwandern. Im Gepäck hätten die Eltern häufig „Problemlagen“, sagt Rücker.

Wer all diesen Familien helfen möchte, braucht Zeit. Zeit, die Sozialarbeiter häufig nicht haben. Nur in Bitburg und im Bitburger Land gibt es derzeit eine 100 Prozent Stelle. Das entspricht einer 19,5 Stunden-Woche. In der VG Prüm sind es 80 Prozent. Die Südeifel, Arzfeld und Speicher müssen mit einer Drittelstelle auskommen. Was hinzukommt: Eigene Büros für die Fachkräfte gibt es fast nirgendwo. Die Pädagogen müssen meist auf leere Klassenzimmer ausweichen. Und auch diese Raumsuche kostet Zeit.

All das erschwere die Arbeit der Kollegen, sagt Rücker, zwinge sie, „jeden Tag Prioritäten zu setzen.“ Die Fachbereichsleiterin würde sich daher wünschen, dass das Angebot „auf- und ausgebaut“ wird.

Das hält auch Michael Billen für notwendig. „Wir müssen an die Familien rankommen, bevor der Baum brennt“, sagt der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses: „Doch mit dem engen Zeitrahmen geht das nicht.“ In der nächsten Sitzung des Ausschusses am 25. November will der CDU-Mann daher vorschlagen, die Stellen aufzustocken: „Und zwar nicht um fünf Prozent, sondern ordentlich.“

Vorher müssen aber Kreis und Verbandsgemeinden zustimmen. Immerhin wird die Sozialarbeit teurer werden. Billen ist sich aber sicher, dass sich das lohnt: „Jeden Euro, den wir für die Kinder ausgeben, werden wir später bei den Sozialausgaben sparen.“

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