Viel Kontakt und auch ein Kriminalfall

Jubiläum in Harspelt : Viel Kontakt und auch ein Kriminalfall

Nikolaus Arens war 50 Jahre lang Bürgermeister von Harspelt und ist damit der dienstälteste Orts-Chef des Eifelkreises Bitburg-Prüm. Nun gibt er sein Amt in jüngere Hände. Ohne die Mithilfe der Bürger geht es nicht.

 „Mit 28 Jahren wurde ich in den Gemeinderat gewählt und war der Jüngste von allen. Da haben die anderen gesagt: Du machst das jetzt. Und da war ich Bürgermeister“, sagt Nikolaus Arens. 50 Jahre ist das jetzt her, und Bürgermeister ist er immer noch – aber nicht mehr lange. Bei der nächsten konstituierenden Sitzung des Gemeinderats will er sein Amt abgeben. Einen Nachfolger gibt es schon.

78 Jahre ist Nikolaus Arens jetzt alt. Belastet hat den Landwirt sein Amt nicht, im Gegenteil: „Es hat mir Spaß gemacht. Man kommt in Kontakt mit vielen Menschen.“ Das habe sein Leben bereichert. Wäre er nur Landwirt gewesen, hätte er nicht so viele verschiedene Begegnungen gehabt, glaubt er.

„Mit der Zeit bekommt man Interesse an der Sache“, sagt Arens, der auch für den Verbandsgemeinderat Arzfeld kandidierte. 20 Jahre saß er für die CDU im Rat. „Ich war meistens im Haupt- und Finanzausschuss und Abwasser“, sagt er. Wenn es bei den Sitzungen später wurde, sagte Karl-Heinz Baumann, damals Bürgermeister der VG Arzfeld, oft: „Und, was fangen wir mit dem angebrochenen Vormittag jetzt an?“  Das sei dann so gewesen wie die dritte Halbzeit beim Fußball, sagt Arens und lächelt.

Rund 78 Einwohner leben in Harspelt – mal mehr, mal weniger. „Die Nähe zu Luxemburg kommt uns zu Gute“, sagt der Ortsbürgermeister. Die Grenze ist nur zwei Kilometer entfernt. So erfreut sich Harspelt zunehmend neuer junger Bürger, die in der Eifelgemeinde leben und in Luxemburg arbeiten, während die „Ureinwohner“, wie Arens sie nennt, schon eher älter sind.

Ein Landwirt hatte vor Jahren einen Teil des Stalls für altersgerechtes Wohnen ausgebaut. Sogar eine Rampe für einen Rollstuhl habe es gegeben, sagt Arens. Doch statt Senioren wohnen nun ausschließlich junge Leute dort. Wohnungen erfreuen sich  in Harspelt zunehmender Beliebtheit.

Zu knabbern hat die Gemeinde an  ihren Schulden. „Wir machen jedes Jahr zwischen 5000 bis 7000 Euro minus, ohne dass wir in was investieren“, sagt Arens. Das ist die Schattenseite des Ehrenamts. Ohne Eigenleistung geht oft nichts mehr in den kleinen Dörfern. Auch in Harspelt ist das nicht anders. So hat die Gemeinde vor Jahren einen Aussiedlerhof gekauft und diesen Stück für Stück zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut.

Dank der Spenden eines Energiekonzerns konnte so mit viel Eigenleistung das Gebäude hergerichtet werden. Außerdem gab es Ruhebänke für die Wanderwege und einen Raum für die Jagdgenossenschaft. Und wo anderswo der Gemeindearbeiter die Bäume stutzt oder die Beete pflegt, machen es die Harspelter zum Teil selbst, wie zum Beispiel die Hecke ihres Friedhofs.

Von einer Fusion mit einer umliegenden Gemeinde hält Arens deswegen nicht viel: „Da würde die Mithilfe der Bürger schwer drunter leiden“, ist er sich sicher. Gemeinsamen Aktivitäten steht er dagegen aufgeschlossen gegenüber. Mit Sevenig zusammen wird im August ein Seniorenausflug organisiert. Außerdem sind einige Harspelter Mitglied im Musik- und im Sportverein Lützkampen.

In Harspelt selbst gibt es eine freiwillige Feuerwehr. Eine Gaststätte mit Ferienwohnungen habe es mal gegeben. Die sind nun zu Mietwohnungen umgebaut worden. Auch dort wohnen nun vorwiegend junge Leute, sagt der Bürgermeister.

Im Dorf geht das Leben gemächlich seinen Gang. Nur einmal habe es doch ein bisschen Aufregung gegeben, erinnert sich Arens. In den 1970er Jahren habe ein Mann aus dem Raum Düsseldorf ein Wohn- und Stallgebäude in Harspelt gekauft. Kurze Zeit später sei dieser in den Entführungsfall des deutschen Springreiters Hendrik Snoek verwickelt gewesen, sagt er.

Snoek wurde im November 1976 von zwei Kidnappern aus seiner Wohnung in Münster entführt. Fünf Millionen Mark (rund 2,5 Millionen Euro) wurden damals verlangt. Laut Spiegel ließ sich ein Teil des Lösegelds bis zur Volksbank in Prüm zurückverfolgen. Einer der beiden mutmaßlichen Entführer hat sich später in seiner Zelle erhängt. Der Hof in Harspelt, den er bewohnt hatte, sei abgebrannt, erinnert sich der Bürgermeister. Der andere Entführer wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt.

Angst vor Langeweile hat Arens nicht. Der rüstige Rentner will zukünftig seinem Schwiegersohn weiter bei der Landwirtschaft helfen. Und in den Wald geht er auch noch gerne. Im Winter wird das Haus mit Holz beheizt. „Und wenn ich mal einen Tag keine Lust habe, muss ich ja auch nichts machen. Das ist ja das Schöne“, sagt er.

War 50 Jahre lang Bürgermeister von Harspelt: Nikolaus Arens. Seinem Schwiegersohn will er zukünftig noch bei der Landwirtschaft unter die Arme greifen. Foto: TV/Stefanie Glandien

Was ihm an Harspelt besonders gut gefalle? „Die dörfliche Gemeinschaft. Die funktioniert gut, wir kommen alle gut miteinander aus.“

Mehr von Volksfreund