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Viel zu sanieren mit wenig Geld: Speicher hofft auf Fördermittel

Viel zu sanieren mit wenig Geld: Speicher hofft auf Fördermittel

Was tun, wenn die Infrastruktur marode und die Kasse leer ist? Der Stadtrat von Speicher hofft auf Fördermittel des Landes. Zumindest die Friedhofsmauer wird wohl bald saniert. Aber was wird aus den anderen Projekten?

Die Speicherer sind Überlebenskünstler. Seit Jahren kämpfen sie trotz Geldnot gegen den Sanierungsstau. Doch woher das Geld nehmen, um das Verkehrsnetz instandzuhalten? Der Speicherer Stadtrat will wieder mal auf den Investitionsstock des Landes zurückgreifen. Die Fördermittel sollen vor allem strukturschwachen Kommunen - wie Speicher - zugutekommen. Allerdings werden nicht alle Projekte gefördert. Der Rat muss sich entscheiden. Keine leichte Aufgabe bei so vielen Baustellen, die noch gar keine sind.

Zwei Straßen hätten es besonders nötig. Seit Jahren wird ihre Sanierung aufgeschoben: die Wieschenstraße und der Hühnergarten. Letzterer hat defintiv schon bessere Zeiten gesehen: Es muss Jahrzehnte her sein, als in dem Kino am Hühnergarten noch Filme über die Leinwand flimmerten. Jetzt verfällt das Gebäude. Und der Asphalt auf dem engen Verbindungsweg zwischen Marktplatz und Kapellenstraße sieht nicht besser aus: Tiefe Schlaglöcher durchsetzen die Fahrbahn, der Gehweg: eine Schotterpiste.

Dennoch sei der Hühnergarten längst nicht so schlimm dran wie die Wieschenstraße, da sind sich alle Ratsmitglieder einig. Gerade deshalb stimmen 12 von 18 Politikern dafür, Fördergeld für die bessere Straße zu beantragen. Ein Widerspruch? Keinesfalls, sagt Stadtbürgermeister Erhard Hirschberg (CDU). Er erklärt die Entscheidung des Gremiums so: "Weniger Planungsaufwand, weniger Kosten." Denn wenn das Geld aus dem Investitionsstock nicht kommt, wäre ja ohnehin alles umsonst. Offenbar setzen die Speicherer keine allzu großen Hoffnungen in die Finanzspritze aus Mainz.

Schließlich haben die Speicherer bereits ihre Erfahrungen mit der Förderung des Landes gemacht:
Unkraut schießt aus den Lücken in der Friedhofsmauer. Die Wand wirkt, als würde sie einstürzen, wenn man nur einen der Steine herauszöge. Während direkt gegenüber in der Kapellenstraße neue Supermärkte hochgezogen werden (der TV berichtete), bröckelt die Einfriedung weiter. Und das lange Zeit, ohne dass die Speicherer etwas anderes hätten tun können, als ihr dabei zuzusehen.

Dabei hatte der Rat schon vor drei Jahren entschieden, die Sandsteinmauer für rund 63 000 Euro zu sanieren (der TV berichtete). Doch schon damals fehlte das Geld. Die Speicherer mussten bis April diesen Jahres auf eine Zuwendung aus dem Investitionsstock warten. Nun, da der Bescheid aus Mainz da ist, kann es endlich losgehen. Den Auftrag hat die Firma Kylltaler Sandstein für 63 500 Euro bekommen. Das Unternehmen aus Bitburg-Matzen war das einzige, das ein Angebot geschickt hat.

Für ein weiteres Projekt wollen die Speicherer Fördergelder beantragen: die neue Buswarteim Grünecken. Rund 2000 Euro könnte die Stadt, so hofft die Verwaltung, aus dem Landesverkehrsfördergesetz bekommen. Der "desolate Zustand" der Wartehalle, von dem in den Sitzungsunterlagen die Rede ist, zeigt sich auch vor Ort: die Metallstangen sind abgewetzt. Die Hälfte der hinteren und der rechten Glaswand sind herausgebrochen, ebenso wie Teile des Daches. Wer im Regen auf den Bus wartet, wird nass. Das soll sich noch 2017 ändern: Die Verwaltung soll eine neue Buswarte bestellen. So hat es der Stadtrat entschieden. Und wie soll die aussehen?
Die Speicherer haben aus acht Modellen die zweitgünstigste Variante ausgesucht: ein einfaches, graues Spitzhäuschen für rund 4000 Euro. Ein weiteres Projekt wird für die Stadt etwa 20 Mal so teuer:

Auch innerorts gibt es kaputte Straßen - vor allem in der ehemaligen amerikanischen Siedlung und im Wohngebiet rund um den Weilerweg. Der Stadtrat hat jetzt beschlossen, dass sie für rund 80 000 Euro saniert werden sollen. Geschehen soll das im sogenannten DKS-System. Die Abkürzung DKS steht für Dünne Asphaltdeckschichten in Kaltbauweise. Es ist die günstigste und schnellste Art, Rillen und Löcher im Asphalt auszubessern. Allerdings hat die dünne Schicht keine besonders lange Haltbarkeit.
Extra: KITA WIRD TEURER ALS GEPLANT

Viel zu sanieren mit wenig Geld: Speicher hofft auf Fördermittel
Foto: (e_eifel )
 Nein, diese Friedhofsmauer stammt nicht aus der Römerzeit (links) – auch wenn sie so aussieht. Jetzt soll sie endlich saniert werden. Beim Hühnergarten (Mitte) wird es noch eine Weile dauern. Die Buswarte im Grünecken (rechts) wird komplett abgerissen. Ein neues Häuschen ist schon bestellt. TV-Fotos (3): Christian Altmayer
Nein, diese Friedhofsmauer stammt nicht aus der Römerzeit (links) – auch wenn sie so aussieht. Jetzt soll sie endlich saniert werden. Beim Hühnergarten (Mitte) wird es noch eine Weile dauern. Die Buswarte im Grünecken (rechts) wird komplett abgerissen. Ein neues Häuschen ist schon bestellt. TV-Fotos (3): Christian Altmayer Foto: (e_eifel )


Was kann eine Stadt am wenigsten gebrauchen, wenn sie kein Geld hat? Wenn plötzlich Mehrkosten für ein Projekt auftauchen, das schon durchgerechnet ist. Genau das ist in diesem Fall passiert. Nach einer Prüfung der Pläne für den Neubau der Speicherer Kindertagesstätte wird die Einrichtung rund 412 000 Euro teurer als geplant. Mehrkosten entstehen durch die Belüftung, die Heizung, eine Vergrößerung der Küche und zusätzliche Elektroanschlüsse. Insgesamt steigt das Investitionsvolumen von 4,4 Millionen auf 4,85 Millionen Euro.