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"Viele Leute haben Angst um ihr Leben"

 Das „Nadelöhr“: Im Bereich der Bahnunterführung wird's oft sehr eng – vor allem, wenn schwere Lastwagen diese passieren. Foto: Manfred Hilgers
Das „Nadelöhr“: Im Bereich der Bahnunterführung wird's oft sehr eng – vor allem, wenn schwere Lastwagen diese passieren. Foto: Manfred Hilgers
Dahlem-Schmidtheim. 170 Lastwagen quetschen sich täglich durch die enge Bahnüberführung in Schmidtheim. Zu viel, sagt die Bürgerinitiative "Vorfahrt für Sicherheit". Sie setzt sich seit mehr als 20 Jahren für ein LKW-Verbot auf der Ortsdurchfahrt ein. Klaus Pesch

Dahlem-Schmidtheim. "Seit 22 Jahren versuchen wir, die Ortsdurchfahrt von Schmidtheim für den LKW-Verkehr sperren zu lassen - bislang vergeblich", resümiert Elmar Spicker von der Bürgerinitiative "Vorfahrt für Sicherheit". Nun übernimmt die BI erneut einen Anlauf. Denn im Zuge der Dorfentwicklung wurde einiges angefasst; diesen Zielsetzungen läuft der LKW-Verkehr auf der L 204 aber zuwider.
170 Lastwagen, darunter auch schwere Holzlaster, kurven nach einer Zählung aus dem Jahr 2011 durch den Ort. Das Problem: In Schmidtheim gibt es einen gefährlichen Engpass: "Die Bahnüberführung mitten im Ort ist für viele Leute fast schon traumatisch", sagt Spicker. "Viele Leute gehen da nicht durch, weil sie Angst um ihr Leben haben." Lediglich 80 Zentimeter breit sei der Bürgersteig dort, davor und dahinter stehen nur 50 bis 70 Zentimeter zur Verfügung.
Unterstützung durch die Politik


Mütter mit Kinderwagen sowie alte und gebrechliche Personen hätten schlichtweg Angst, auf dem engen Bürgersteig einem Lastwagen zu begegnen, gibt Spicker zu bedenken. Ein zentrales Hindernis, der drohenden Entvölkerung des Ortes entgegenzuwirken, sei die vom LKW-Verkehr gebeutelte Hauptstraße. "Wer kauft sich denn da noch ein Haus?", fragt Spicker.
Am Mittwoch, 27. März, wird das Thema im Planungsausschuss der Gemeinde Dahlem und am 11. April im Rat behandelt. Spicker kann dabei offenbar mit Unterstützung der Bevölkerung und der Politik rechnen. Kämmerer Helmut Etten: "In der Vergangenheit hat die Politik immer mit großer Mehrheit für eine Sperrung votiert."
Im Ort, der rund 1500 Einwohner hat, wurden innerhalb kurzer Zeit 300 Unterschriften gesammelt, mit denen für eine Sperrung der L 204 für LKW über 7,5 Tonnen votiert wird. Und die Verwaltung empfiehlt der Politik, das Anliegen der Bürgerinitiative auch diesmal zu unterstützen.
Man gibt zu bedenken, dass im Bereich der Bahnüberführung "das allgemeine Risiko der Teilnahme am Straßenverkehr ... unter Beeinträchtigung von Gesundheit und Leben erheblich überschritten" werde. Verwiesen wird außerdem darauf, dass der LKW-Verkehr lediglich einen Umweg von drei Kilometern über die gut ausgebaute B 51 und die B 258 nach Milzenhäuschen nehmen müsse, um das Nadelöhr Schmidtheim zu umfahren. Sollte es zu einem Unfall auf der B 51 kommen, könne die L 204 ja weiterhin als Ausweichstrecke genutzt werden. Denn natürlich möchte die Gemeinde vermeiden, dass die Straße herabgestuft würde, denn dann müsste sie möglicherweise selbst für den Unterhalt aufkommen.
Noch vor einem Jahr hatte der Landesbetrieb Straßen NRW eine Sperrung für LKW abgelehnt, weil die L 204 für den überörtlichen Verkehr bestimmt sei. Bislang habe es dort auch keine Unfälle durch Lastwagen gegeben. Spicker schrieb Anfang Februar an die nordrhein-westfälische Staatskanzlei, um das Dahlemer Problem höheren Orts vorzutragen. Diese habe die Anfrage ans Verkehrsministerium weitergeleitet. Es sei nicht damit getan, dass sich andere Ressorts damit befassten, sagte Billig. Er werde deshalb nach erfolgter Beratung durch den Dahlemer Gemeinderat dort noch einmal nachfassen.