"Viele Schutzengel"

WAXWEILER/TRIER. (fpl) Nach dem Brand im "Südeifeldom" von Waxweiler hat sich das Bistum in die Untersuchungen zur Ursache und der Schäden eingeschaltet.

Am Donnerstag voriger Woche geriet der Turm der Kirche "St. Johannes der Täufer" bei Sanierungsarbeiten in Brand. Dachstuhl und Turmspitze stürzten ein und richteten große Schäden an (der TV berichtete). Der Leiter der Bauabteilung des Bistums Trier, Christoph Freitag, rechnet damit, dass die Sanierungsarbeiten "mindestens ein dreiviertel Jahr" dauern werden. Die Schadenssumme lasse sich noch nicht genau angeben. "Sie liegt aber sicher eher bei einer als bei einer halben Million."Vier Gutachter in Waxweiler

Neben den Sicherungsarbeiten seien bereits Analysen veranlasst worden, um die Schäden und deren Höhe zu ermitteln. Freitag: "Ein Chemiker, ein Statiker, ein Orgel-Sachverständiger und ein Brandschadens-Gutachter der Versicherungen sind im Einsatz." Es gelte nun vor allem festzustellen, welche Schäden durch Löschwasser und Rauchgase entstanden seien. Bereits am Wochenende wurde eine Notabdeckung auf das Dach und den Turmstumpf angebracht. Die Außen-Sanierung könne aber wegen des Wetters "frühestens im Februar oder März" beginnen. "Trotz der erheblichen Schäden hatten wir viele Schutzengel", sagt Christoph Freitag. Denn nur kurz vor dem Unglück hätten sich noch Ehrenamtliche zur Reinigung des Gotteshauses in der Kirche aufgehalten. Glück im Unglück sei es auch gewesen, dass der Turm nicht auf die Straße oder in die umliegenden Häuser gestürzt sei. Dann "hätte es sicher auch Personenschäden gegeben", sagt Freitag. Er dankt den Rettungskräften für ihren schnellen und engagierten Einsatz, der größere Schäden verhindert habe - und den Angehörigen der Pfarrgemeinde für ihr großes Engagement nach der Katastrophe. Die Kirche "St. Johannes der Täufer" (Volksmund: Südeifeldom) steht seit 1991 unter Denkmalschutz. Der Legende nach hat ihr Schutzpatron, der heilige Willibrord, an gleicher Stelle im Jahr 728 eine Predigt gehalten und sich dabei über die vor dem Gotteshaus feiernden Menschen geärgert. Zur Strafe ließ er sie immer weiter tanzen und hüpfen - heißt es. Eine andere Legende besagt eher das Gegenteil: dass er nämlich die Menschen vom Veitstanz heilte. Und deshalb pilgern an Pfingsten tausende beim "Gebet mit den Füßen" - der Springprozession - nach Echternach, wo Willibrords Gebeine ruhen. Im Jahr 943 wird die Kirche erstmals urkundlich erwähnt. Der heutige Bau im fränkischen Barockstil stammt von 1771. Eine Erweiterung des Gebäudes erfolgte 1922, die erste Renovierung 1971. Im Jahr 2003 wurden Dach und Außenanstrich erneuert.