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Viele Spürnasen auf einer Fährte

Viele Spürnasen auf einer Fährte

Seit 1994 hat der mittlerweile verstorbene Leiter der Finanzabteilung der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll Geld veruntreut. Weder intern noch extern ist der Kämmerer aufgefallen. Erst Geldwäsche-Analysten der Citibank deckten im Frühjahr 2007 die kriminellen Machenschaften auf.

Prüm/Daun. "Das Frühwarnsystem der Banken hat nicht funktioniert", sagt Werner Arenz, Bürgermeister der VG Obere Kyll. Hätte es das, wäre die Verwaltung schon viel früher auf die Machenschaften ihres Kämmerers aufmerksam geworden. Fast eineinhalb Jahrzehnte wurde die VG von ihrem Finanz-Chef geschröpft, bis Bankkaufleuten der Citibank Privatkunden AG in Düsseldorf verdächtige Zahlungen vom Konto der VG-Kasse auf das Kreditkartenkonto des Kämmerers auffielen. Geld hat er auf verschiedene Wege veruntreut. Eine Methode war zum Beispiel das Abheben durch Barschecks. Insgesamt 500 000 Euro wurden auf diesem Weg verschoben. 41-mal hat er durch Vorlage von Schecks und 17-mal durch Computerbild-Ausdrucke bei verschiedenen Instituten von den Konten der VG Geld abgehoben. Ob dieses Vorgehen üblich war, ob auch andere VG so arbeiten - die Antwort auf diese Fragen bleibt das Geheimnis der Banken. Zum Betrugsfall wollen sich die Hausbanken der VG nicht äußern. "Wegen des Bankgeheimnisses erteilen wir keine Auskunft", heißt es sowohl bei der Kreissparkasse Vulkaneifel als auch bei der Volksbank Eifel-Mitte. Auskunftsfreudiger zeigte sich die Citibank. Allerdings wollte auch sie "aus Sicherheitsgründen" keine Einzelheiten bekannt geben. Information gab es aber über die Vorgehensweise, die zur Aufdeckung derartiger Fälle führt. Im Rahmen der Geldwäsche-Bekämpfung beobachtet die Citibank auffällige Vorgänge. "Wir setzen neben einem intelligenten Computer-System auf die Erfahrung unserer Mitarbeiter", sagt Rüdiger Stahlschmidt, Pressesprecher der Citibank. Dabei betrachten sie diese Kunden-Transaktionen - gleich welcher Art und Höhe - ganzheitlich und im Zusammenhang mit dem jeweiligen Kundenprofil. Individuelle Besonderheiten und die Situation eines Kunden fließen in die Bewertung ein. "Die Geldwäsche-Bekämpfung betrachten wir als Teamleistung ", sagt Stahlschmidt. Es sei gerade nicht der Einzelne, der aufgrund seiner "Spürnase" einen Fall aufdecke. Der Betrugsfall an der Oberen Kyll sei im Rahmen einer computergestützten Auswertung als auffällig identifiziert worden. Die Indizien verdichteten sich im Laufe der Recherchen zu einem konkreten Verdacht, der in eine Anzeige mündete.