Vier Dörfer, ein Nest

Dingdorf/Niederlauch/Oberlauch/Winringen · Geteilte Kosten, gemeinsamer Gewinn: Die Ortsgemeinden Dingdorf, Niederlauch, Oberlauch und Winringen haben das Pfarrheim in Niederlauch - die frühere Volksschule - gekauft und ein Gemeindehaus für alle daraus gemacht.

Dingdorf/Niederlauch/Oberlauch/Winringen. "Wir müssen in anderen Dimensionen denken", sagt Norbert Heinen, der Ortsbürgermeister von Niederlauch. Wenn man weiß, dass sein Dorf 50 Einwohner hat, dann versteht man auch, was er damit meint: Wenige Menschen, kaum Geld - da sind große Vorhaben nicht zu verwirklichen.Es sei denn, man verteilt die Last. Und deshalb haben die Niederlaucher zusammen mit den Nachbargemeinden Dingdorf (95 Einwohner), Oberlauch (60) und Winringen (65) ein Haus gekauft: das bisherige Pfarrheim in Niederlauch. "Wir haben das gemeinsam beschlossen und gemeinsam durchgezogen", sagt Walter Kirst, Gemeindechef in Winringen. "Ich bin froh, dass wir das so hinbekommen haben."Aber das taten sie nicht einfach so. Man habe sich, nachdem der zuständige Schönecker Pastor Johannes Schuligen das Angebot zum Verkauf gemacht habe, schon überlegt, ob sich das lohne, zumal gerade im nahen Schönecken "so ein großes Gemeindehaus gebaut wird", sagt Heinen. "Aber es lohnt sich."Denn was die vier Gemeinden präge, sei das sehr lebendige Vereinswesen. Und das wäre in Gefahr geraten, wenn ein privater Käufer den Zuschlag erhalten hätte. Auch wenn in Dingdorf ein Bürgerhaus und in den anderen Orten zwei Feuerwehrhäuser zur Verfügung stehen. Dort aber reicht der Platz nicht für größere Besucherzahlen. In der alten Schule Niederlauch sind es mehr als 100, die zum Beispiel zu den Aufführungen des Theatervereins kommen."Wir hoffen, dass wir damit für die nächsten Jahre das Vereinsleben und die Pfarreiengemeinschaft am Leben erhalten", sagt Kirst. Ein bisschen Geld ist auch da: Es kommt aus den Gemeindekassen und vom Förderverein, den man vor einigen Jahren für die Kirche und die alte Schule gründete - 60 Mitglieder hat er, sie zahlen zehn Euro Jahresbeitrag. Auch das ist eine Summe von bescheidenen Dimensionen. "Aber wenn man dann zwei Jahre mal nichts macht, dann hat man schon 1200 Euro", sagt Norbert Heinen. Komme dann noch die eine oder andere kleine Spende hinzu, könne man sich, wie kürzlich geschehen, eben doch eine Orgel leisten oder die frisch eingebaute neue Eingangstür.Jetzt also kaufen die vier Gemeinden das Gebäude, nachdem sie lange darüber mit dem Bistum verhandelt haben. Mit dem Angebot von einem symbolischen Euro, erzählt Heinen, sei man in die Gespräche gegangen. Man kam dann mit einem Kompromiss wieder heraus: Die Vorstellungen von Käufern und Verkäufer näherten sich so lange, bis man sich bei einer überschaubaren fünfstelligen Summe einig wurde - über den genauen Preis wurde Schweigen vereinbart. Aber: "Wenn wir\'s nicht gekauft hätten", sagt Oberlauchs Ortsbürgermeister Richard Meyer, "dann hätten wir geprügelt werden müssen. Wir sind ja eine kleine Pfarrei - hier wäre sonst nichts mehr gewesen. Das ist wichtig für unsere Dörfer." Wie gesagt: Man muss in den richtigen Dimensionen denken. Das funktioniert nicht überall. Aber vielleicht hat Norbert Heinen auch dafür den richtigen Satz: "Kleinere Einheiten halten besser zusammen." Termin: Die Bürger der vier Dörfer feiern am Samstag, 22. September, von 20 Uhr an den offiziellen Eigentumsübergang an die Gemeinden. Dazu sind nicht nur die Einwohner, sondern auch alle Freunde und Bekannten zur alten Schule nach Niederlauch eingeladen.Meinung

Die Kleinen zeigen es den GroßenVier Dörfer, keine 300 Einwohner, wenig Geld - aber eine große Einigkeit und der Wille, etwas gemeinsam hinzubekommen: In Ober- und Niederlauch, in Dingdorf und Winringen haben die Verantwortlichen gezeigt, dass man auch im Kleinen etwas Großes schaffen kann. Den Nutzen haben alle. Weil man, wie Norbert Heinen so schön sagt, "in kleineren Einheiten" zusammenhält. Vielleicht nimmt man sich ja in der einen oder anderen größeren Einheit ein Beispiel. f.linden@volksfreund.deExtra

Das Gebäude stammt aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, bis 1969 diente es der Gemeinde als Volksschule. Besitzer war die Pfarrei Niederlauch. Seit die Kinder aus dem Ort und den Nachbardörfern nach Schönecken zur Schule gingen, nutzte man das Haus als Pfarrheim - für Jugend, Vereine, private und öffentliche Feste. Deshalb sind auch keine Umbauten nötig - alles ist da, auch wenn man hier und da Reparaturen vornimmt, derzeit an der Außentreppe. Auch die Sanitäranlagen könnten eine Renovierung vertragen. Aber dafür muss erst wieder gespart werden. fpl

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