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Vier Hochzeiten und der Totalausfall – Die Folgen der Corona-Maßnahmen

Kostenpflichtiger Inhalt: Gastronomie : Vier Hochzeiten und der Totalausfall – Die Folgen der Corona-Maßnahmen

Die Gastronomen zählen zu den Betrieben, denen die Auswirkungen der Corona-Krise als Ersten ins Kontor schlagen. Wie gehen sie damit um?

Sie prosteten sich zu, lachten, bestellten noch eine Runde. Als wäre nichts. In den Restaurants und Gaststätten war vor ein paar Wochen noch Betrieb. Da war Corona natürlich schon Thema, aber keins, von dem die meisten Menschen in der Eifel meinten, dass sie selbst davon ernsthaft betroffen seien. Das hat sich geändert.

Inzwischen spüren alle die Einschränkungen. Dass das Virus sich weiter ausbreitet, will keiner. Aber wie in vielen Branchen ist es auch für die Gastronomie eine Ausnahmesituation. Wie sie die Einbußen gestemmt bekommen, wissen die Gastronomen noch nicht. „Wir haben ja laufende Kosten“, sagt Thomas Herrig vom gleichnamigen Gasthaus in Meckel. Und nun keine beziehungsweise kaum noch Einnahmen. Für Herrig ist klar: „Das wird uns treffen. Alle.“ Die Umsätze, die jetzt verloren gehen, fehlen.

Herrig hat vier ausgebuchte Events mit 530 Gästen absagen müssen. „Dazu kommen etliche Kommunionfeiern, elf größere Geburtstage und eine Hochzeit“, sagt der Gastronom. Rechnet man 50 Euro Umsatz pro Gast, wird klar, welches Loch das in die Kasse reißt. „Gäbe es keine Unterstützung wie Kurzarbeit, wäre ich erledigt“, sagt Herrig. Er hat sich entschieden, sein Gasthaus ganz zu schließen. Die Sicherheit der Mitarbeiter und Gäste geht vor: „Die sitzen dicht an dicht an der Theke, trinken ein Glas leer, niesen in die Hand, bestellen und unsere Bedienung muss die Gläser abräumen.“ Nun will er am Sonntagabend für die Meckeler ein großes Reste-Essen kochen: „Zwei meiner Leute bringen das von Haustür zu Haustür.“ Dann ist erst mal zu.

Eine gastronomische Bank auf der Schneifel ist das Hotel-Restaurant Zwicker in Bleialf. Auch dort: Absagen über Absagen – Kommunionfeiern, Hochzeiten. Auch wenn das Restaurant derzeit noch von 6 bis 18 Uhr öffnen darf: „Wir haben von uns aus heute komplett zugemacht“, sagt der Chef, Sascha Hell, am Donnerstag. „Die Leute gehen auch nicht mehr raus.“

Im Hotel sind nur noch die, die aus Berufsgründen dort logieren: „Die Arbeiter, die noch hier sind, kann man ja nicht auf die Straße setzen“, sagt Hell. Dafür habe man allerdings auch die Schutz- und Hygienevorkehrungen verstärkt – Desinfektionsmittel, Abstand halten, das Übliche. „Gesundheit geht vor“, sagt Sascha Hell. „Die von uns und die von unseren Gästen.“

Dass die Corona-Gefahr von manchen immer noch heruntergespielt wird, kann er nicht verstehen, besonders nach der Ansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch: Sehr gut sei die gewesen. Auch weil sie klargemacht habe, dass jeder mithelfen müsse. „Und jeder heißt auch: jeder. Wir müssen jetzt alle da durch. Und können jetzt alle beweisen, was wir für einen Charakter haben“, sagt Sascha Hell.

Geschlossen haben auch das Bitburger Eifelbräu und das Simonbräu. Beide Gasthäuser betreibt die Familie Poss. Und auch die setzt auf die Sicherheit ihrer Mitarbeiter. Hinzu kommt: Es lohnt an vielen Tagen kaum noch, den Betrieb aufrechtzuerhalten. „Wir merken das seit etwa zwei Wochen. Das hat deutlich nachgelassen“, sagt Marina Poss. Bis 18 Uhr zu öffnen, mache auch wirtschaftlich wenig Sinn: „Das Hauptgeschäft ist für uns abends.“

Insgesamt, sagt Marina Poss, wurden in ihren Häusern rund 50 Veranstaltungen abgesagt. Aber nicht nur das Restaurant, auch der Hotelbetrieb leidet. „Wir hatten 98 Prozent unserer Zimmer ausgebucht für die nächsten Monate“, sagt die Gastwirtin. Ihr tue diese Situation sehr leid für ihre Gäste, weshalb sie sich umso mehr freut, wenn alle später wieder kommen. Was ihr in der Situation besonders viel bedeutet: „Alle Mitarbeiter stehen hinter uns.“ Für die 31 Mitarbeiter bedeutet die Situation: Kurzarbeit.

Auch im Leander Bitburg bleibt die Tür zum Restaurant zu. Lediglich der Hotelbetrieb läuft weiter. „Es kommen ja nur noch ein paar Geschäftsreisende. Seit Bayern die Grenze zugemacht hat und Firmen ihre Mitarbeiter anhalten, Reisen einzuschränken, ist das nicht mehr viel“, sagt Susanne Rickert. Auch sie haben Kurzarbeit angemeldet und nutzen die Zeit zum Renovieren. „Wir versuchen das Beste aus der Situation zu machen“, sagt Susanne Rickert. Aber es sei nicht leicht, wenn Kosten wie Pacht und Strom weiterlaufen, während die Einnahmen mehr und mehr zurückgehen. „Wir hoffen, dass das alles nicht zu lange dauert“, sagt die Gastwirtin.

Gleich dreifach getroffen ist Oscar Heidema, der Oscar’s Restaurant im Golfresort Bitburger Land betreibt. Erst wurde der Beda-Markt abgesagt, wo er für das Catering in der Landwirtschaftsschau zuständig gewesen wäre. 2500 Würstchen hatte er allein dafür geordert. „Glücklicherweise konnte ich meine Bestellung noch stornieren“, sagt Heidema. Es folgten die Einschränkungen, was Versammlungen und größere Feiern angeht, sowie das Aus für Gottesdienste und kirchliche Feiern: „Zwei Kommunionen sowie ein großer Geburtstag und ein Fest mit mehr als 300 Leuten wurden deshalb abgesagt.“

Und dann der Totalausfall: „Seit  der Golfplatz als Sportstätte auch schließen musste, macht es für mich keinen Sinn, weiter geöffnet zu haben.“ Dabei hatte sich Heidema auf den Saisonstart gefreut. Er findet es inkonsequent von der Bundesregierung, Öffnungszeiten bis 18 Uhr zu erlauben, danach aber nicht. „Die müssten radikalere Entscheidungen schneller treffen, damit sich das Virus nicht noch mehr verbreitet.“

Weiterer Vorteil einer klaren Entscheidung: „Dann wissen wir und auch unsere Kunden, woran wir sind.“ Die Situation sei nicht schönzureden, sagt Heidema: „Aber jammern hilft ja nicht. Und solange ich meine Events im Mai und Juni nicht absagen muss, komme ich zurecht.“

„Eine Riesenkatastrophe“, sagt Mario Mereien vom Traditionshaus „Zur Alten Abtei“ am Prümer Hahnplatz zur aktuellen Situation. Zwar hat er noch bis 18 Uhr geöffnet, aber es komme kaum Kundschaft. Schließen? Würde er am liebsten – tut es aber vorerst nicht, weil es keine klare Regelung vom Staat gebe, wie man dann seine Verluste geltend machen soll. Zumal es ja keine unternehmerischen Fehler seien, deretwegen jetzt alle in die Krise geraten.

Alexandra Weyres im Binscheider Haus Mannertal – für viele auch eine längere Anreise in den tiefen Islek wert – hat hingegen geschlossen, „die einzig vernünftige Option“. Bei ihr regiert der Fatalismus: „Ich lache, aber ich hab eigentlich nix zu lachen“, sagt sie. Ihre Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Sie bietet aber trotzdem jetzt Essen zum Abholen an. Wer das möchte, kann sich per Telefon (06559/660) oder E-Mail (info@haus-mannertal.de) melden, zwischen 8 und 15 Uhr. „Wenn das wirklich angenommen wird, hoffe ich, dass ich den einen oder anderen aus der Kurzarbeit holen kann.“

Darüber hinaus sagt auch sie: „Jeder Einzelne ist jetzt zuständig dafür, wie es weitergeht.“ Bei einigen aber scheine das mit dem Gemeinsinn noch nicht angekommen zu sein. Manche verhielten sich da nach dem Motto: „Natürlich bin ich solidarisch, solange es nicht mich betrifft.“

Wie soll es weitergehen? „Niemand kann da doch jetzt wirklich eine Prognose abgeben“, sagt Alexandra Weyres. „Und wir stehen ja erst am Anfang mit den Einschränkungen.“