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Vier Menschen, vier Jahre, vier Medaillen: Zum ersten Mal seit 2012 verleiht Bitburg Ehrensiegel an engagierte Bitburger

Vier Menschen, vier Jahre, vier Medaillen: Zum ersten Mal seit 2012 verleiht Bitburg Ehrensiegel an engagierte Bitburger

35 Jahre lang haben sie ehrenamtlich gearbeitet. Dafür haben sie ein Dankeschön verdient, findet die Stadt. Bei einem Festakt im Rathaus erinnern sich die neuen Träger des Ehrensiegels gerne zurück an die alten Tage. Sie stellen aber auch fest, dass vieles nicht mehr so einfach ist wie früher.

Bitburg. Mit einem Brief hat alles angefangen. Geschickt hat ihn Werner Pies, damals Vorsitzender der Kulturgemeinschaft der Bierstadt, im Jahr 1981. Das Schreiben: Die Einladung zu einem Treffen am 7. April. Dort sollte der "Tag der Behinderten" geplant werden, samt größtem Apfelstrudel der Welt.
Dieser Rekord wurde zwar seitdem mehrmals gebrochen (zuletzt in Kaprun, Österreich), aber in Bitburg hatte sich mit dieser Veranstaltung trotzdem etwas geändert: Der Arbeitskreis für Behinderte trat zum ersten Mal in Aktion.

Im Laufe der Jahre organisierten die Mitglieder immer wieder Benefiz-Aktionen und -Konzerte. Beim Altstadtfest des Arbeitskreises waren Menschen aus Förderschulen und Behindertenwerkstätten immer gern gesehen. Christel Jäckel, Alfred Mayer und Matthias Jegen packen seit den Anfängen mit an - unentgeltlich, versteht sich.
Bürgermeister Joachim Kandels hat sie jetzt bei einem Festakt im Rathaus für ihr Engagement mit dem Ehrensiegel der Stadt ausgezeichnet. Es ist das erste Mal seit 2012, dass die Bierstädter jemanden mit der Medaillen gewürdigt haben. Warum also gerade jetzt? "Wir wollen in diesem Jahr besonders auf den Wert des Ehrenamtes hinweisen", sagt Kandels. Vielleicht auch deswegen, weil wieder dringend Freiwillige gebraucht werden, auch bei der Arbeit für und mit Behinderten?

"Es fehlt an Helfern", bestätigt Matthias Jegen, einer der Geehrten. Auch manch ein Verein hätte einen Rückzieher gemacht. Der Arbeitskreis ist seit gut zwei Jahren nicht mehr aktiv, wurde erst kürzlich aufgelöst. Er ist, wie Kandels es ausdrückt, "in der Kulturgemeinschaft der Stadt aufgegangen." Der Grund: Man habe bei den Veranstaltungen kaum noch einen Überschuss für die Behinderten erwirtschaften können, sagt Jegen. Schuld daran seien auch bürokratische Auflagen. Die Lärmbelästigung wurde zum Problem, plötzlich musste man überall Toiletten aufstellen. Rauschende Feste feiern wie früher, das sei heute nicht mehr möglich.
Bei der Kulturgemeinschaft arbeite man natürlich auch weiterhin für Behinderte, stellt der Bürgermeister klar. Das stehe sogar in der Satzung. Und inzwischen gebe es ja, anders als früher, eine Vielzahl an Organisationen, die sich für benachteiligte Menschen einsetzen.

Unter anderem auch der VDK, der Verband der Kriegsbeschädigten. Damals unter diesem Namen gegründet, setzt der Verein sich heute bundesweit für Behinderte, Senioren und Kranke ein, ist Anwalt in sozialrechtlichen Fragen. Fast zwei Jahrzehnte lang war Manfred Schäfer das Gesicht des Bitburger VDK. Sein Amt hat er inzwischen niedergelegt. Mit dem Ehrensiegel der Stadt hat Kandels ihm für seine Arbeit gedankt. cha