Viktor Biwers Wunsch

Egal ob eine Gemeinde klein oder groß ist, auf den Bürgermeister kommt es an. Ammeldingen an der Our hat fünf Häuser, 25 Einwohner und einen eigenen Friedhof. 20 Jahre lang war Viktor Biwer Ortsbürgermeister. Mit großem Engagement für das kleine Dorf.

Ammeldingen. Zählt man alles zusammen, dann kommt Viktor Biwer auf stolze 51 Jahre "Arbeit für Ammeldingen". Seine Amtszeit als erster Bürger verlief wegen Berufwechsels in zwei Etappen, von 1964 bis 1974 und von 1999 bis 2009. Davor und dazwischen war er Ortsgemeinderatsmitglied und erster Beigeordneter.

"In unserem siebenköpfigen Ortsgemeinderat einschließlich Bürgermeister zählt vor allem die Persönlichkeit, nicht die Parteizugehörigkeit. Es war immer eine schöne Zeit", resümiert Viktor Biwer. Bürgermeister sei er gerne gewesen. Nach mehr als einem halben Jahrhundert hinterlässt er ein wohlbestelltes Feld. "Jüngere wollen und sollen jetzt ran", fordert der keineswegs müde 78-Jährige. Im Verwaltungs- und Pfarrgemeinderat des benachbarten Wallendorf mischt er weiter kräftig mit.

Des Ex-Bürgermeisters besondere Aufmerksamkeit galt der Infrastruktur der Gemeinde. Der Zweite Weltkrieg hatte durch den Bau des Westwalls und schwere Gefechte tiefe Spuren hinterlassen. Am stärksten betroffen waren die Wasser- und Stromversorgung sowie die Waldwirtschaftwege. Danach kam die Flurbereinigung.

Die Kapelle wird häufig besucht



Heute präsentiert sich Ammeldingen als liebenswertes Dörfchen an der Our, das zum Verweilen einlädt. Aus dem alten Zollhaus wurde ein attraktiver, idyllisch gelegener Ferien- und Restaurationsbetrieb - beliebt bei Touristen und Wanderern. Sehr zur Freude von Viktor Biwer: "Bei Vollbelegung sind dort weit mehr Gäste als Ammeldingen Einwohner hat". Auch die alte Kapelle von 1816 werde häufig besucht. Weithin bekannte Attraktion seit ihrer Renovierung 1984 sei der aus mehr als 10 000 Teilen bestehende Mosaikboden mit der Darstellung der vier Jahreszeiten.

Biwer zufolge ist in Ammeldingen ein Rückgang der Landwirtschaft zu beklagen, aber nur geringe Arbeitslosigkeit. Als bestens bezeichnet er die Beziehungen zum luxemburgischen Hosdorf auf der anderen Seite der Our. Was ihm allerdings gar nicht gefällt: Hosdorf und Ammeldingen sind die einzigen Orte an der Our, von der Quelle bis zu deren Mündung, die kein Steg verbindet.

Gern hätte Viktor Biwer das Steg-Problem in seiner Amtszeit gelöst. Doch jahrelange Bemühungen scheiterten stets an zu hohen finanziellen Forderungen des luxemburgischen Landbesitzers auf dem gegenüberliegenden Ufer. Nachdem jedoch die Gemeinde Hosdorf das erforderliche Stück Land gekauft haben soll, keimt Hoffnung auf. Interessiert verfolgt Viktor Biwer das Geschehen.

Jedenfalls hat er allen Grund, zufrieden den Ruhestand zu genießen. Arnold Theis, seinem Amtsnachfolger, der für ihn "der Richtige" ist, wünscht er viel Erfolg. Den Gemeinderatsmitgliedern und Ammeldinger Bürgern dankt er für jahrzehntelange, angenehme Zusammenarbeit. Nun wird er sich im Haus nützlich machen, dem Sohn bei der Landwirtschaft helfen und mehr Zeit für seine Hobbys, das Lesen und die Jagd, haben.