Virtueller Assistent für ältere Menschen

Virtueller Assistent für ältere Menschen

Die Gesellschaft wird immer älter und damit immer anfälliger für körperliche Leiden. Ein Forschungsprojekt soll nun herausfinden, wie älteren Menschen mit einem virtuellen Assistenten ein selbstständiges Leben ermöglicht werden kann. Dafür soll im Kreis ein Pilotprojekt starten.

Bitburg. Wer älter wird, körperliche Beschwerden hat und dann auch noch alleine wohnt, bekommt im Eifelkreis schnell Probleme im Alltag. Bei 1626 Quadratkilometern und 94 000 Einwohnern ist Bitburg-Prüm der am dünnsten besiedelte Kreis in Rheinland-Pfalz. Das bedeutet: Supermärkte, Ärzte und Apotheken sind oft nur durch lange Wege zu erreichen, ebenso wie viele Kulturveranstaltungen. Auch mobile Betreuung oder Dienstleistungen sind unter diesen Bedingungen schwierig zu organisieren.Zudem werden die Menschen auch hier immer älter. Bis 2050 wird nach Berechnungen des Statistischen Landesamtes die Bevölkerung im Kreis mit 80 600 Einwohnern um 16 Prozent zurückgehen, während das Durchschnittsalter von 42 auf 51 Jahre steigt.
Zwei Partner aus der Eifel


Es liegt also auf der Hand, dass die Nachfrage nach altersgerechten Hilfeleistungen ebenso steigen wird. Doch wie könnten die aussehen? Mit diesem Thema beschäftigt sich die Europäische Union unter anderem mit dem Forschungsprojekt Amco (abgeleitet von Ambient Concierge, frei übersetzt ein virtueller Assistent für die Wohnung, siehe Extra). Das Projekt will eine Plattform entwickeln, die älteren Menschen in ländlichen Gebieten Serviceleistungen anbietet und damit ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglicht.
Die Projektpartner kommen aus der Schweiz, Österreich und aus Deutschland, zwei sogar aus dem Eifelkreis: das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Bitburg-Prüm und die Faco Immobilien GmbH. Für beide ist das Thema kein Neuland: Bereits im Wittlicher Fürstenhof wird eine Plattform namens Pro Domo genutzt. Über den Fernseher können sich die Bewohner dort zum Beispiel Brötchen bestellen. Sie können aber auch im Notfall bei der Hausverwaltung einen Rückruf anfordern, ebenso wie von einem Mitarbeiter des DRK.
Im Zuge des Amco-Forschungsprojekts wollen DRK und Faco ab Frühjahr 2012 Pro Domo auch in 30 Privathaushalten im Eifelkreis installieren.Ebenso wie Rauch- und Bewegungsmelder, wie sie das DRK bereits nutzt: Bewegt sich ein Mensch zum Beispiel über längere Zeit nicht mehr, erfasst das der Bewegungsmelder und schlägt Alarm.
Unter anderem soll so das System verbessert werden - denn Schwachstellen gibt es noch einige. "Die Seiten der Pro-Domo-Plattform werden beispielsweise noch sehr langsam geladen und die Fernbedienung reagiert nicht immer, wie sie soll", sagt Marc Bastgen von Faco. Gleichzeitig will man herausfinden, wie sich Dienstleistungen in der dünn besiedelten Region wirtschaftlich rechnen können - also beispielsweise Essenslieferungen, Wäschereiservice oder Fahrten zum Theater. "Langfristiges Ziel ist es, ein Netzwerk aus Dienstleistungen für alle Interessierten im Eifelkreis anzubieten", sagt DRK-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Rieder. Einfach wird das nicht: Die Vor aussetzung ist, dass die Haushalte über einen schnellen Internetzugang verfügen. 84 Prozent der Haushalte im Kreis sind aber unterversorgt, und im Grenzbereich ist die Mobilfunktechnologie LTE (Long Term Evolution, mit einer Reichweite von bis zu zehn Kilometern) nicht nutzbar, weil diese Funktechnik in die Rundfunk-Sendefrequenzen in Luxemburg eingreifen würde. "Das muss sich ändern", sagt Bastgen. "Denn ohne schnelles Internet ist das alles technisch nicht zu schaffen."
Extra

Das EU-Forschungsprojekt Amco wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die Projektpartner sind das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik, der Kreisverband Bitburg-Prüm des Deutschen Roten Kreuzes, die Universität St. Gallen, das Competence Center Independent Living, die Beko Engineering und Informatik AG (aus Östereich) und die Wincasa AG aus Winterthur (aus der Schweiz). alo

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