Visionen und Pläne für Bitburgs Zukunft

Visionen und Pläne für Bitburgs Zukunft

Für Rautenberg, Postplatz, Bedaplatz und das frei werdende Müller-Flegel-Gelände sind Einkaufszentren, Galerien und Ähnliches im Gespräch. Zu viele, fürchten manche Bitburger. "Immer der Reihe nach", entgegnet Stadt-Chef Joachim Streit, der den Vorwurf der Konzeptlosigkeit für haltlos hält und betont: "Wir tun alles, um die Innenstadt zu stärken."

Bitburg. Spätestens seit Projektentwickler Hans-Josef Rogge seine Pläne für ein Einkaufszentrum auf dem frei werdenden Müller-Flegel-Gelände an der Römermauer vorgestellt hat (der TV berichtete), werden Befürchtungen laut, so viele Einkaufszentren verkrafte eine Kleinstadt wie Bitburg nicht. Schließlich befindet sich das am Rautenberg geplante Einkaufszentrum gerade im Bebauungsplan-Verfahren und auch für die Entwicklung von Post- und Bedaplatz kommen immer wieder Einkaufszentren oder Galerien ins Gespräch.
Viertel mit eigenem Charakter gefragt
„Wir tun alles, um die Innenstadt zu stärken“, sagt Bitburgs Bürgermeister Joachim Streit und verweist auf das preisgekrönte Stadtentwicklungskonzept „Bi(t)-Polarität – zwei Pole, ein Zentrum“ (der TV berichtete). Die Idee dahinter: eine bewusste Steuerung der Ansiedelung von Firmen, Gewerbe und Geschäften in verschiedenen Bereichen mit je eigenem Charakter, die sich aber gegenseitig beleben und befruchten. Im Gespräch mit dem TV erklärt Streit, wie er Bitburgs Zukunft nach dem Stadtentwicklungs-Konzept sieht:

Innenstadt: Dieser wichtige Pol ist reserviert für Erlebnis-Einkauf mit Möglichkeiten zum Bummeln, Schlendern, Einkehren und Verweilen. Von Stadthalle mit Bit-Marken- und Erlebniswelt verspricht sich Streit zusätzliche Impulse.

Trierer Straße: Diese Straße, die im Zusammenhang mit dem Bau der Nord-Ost-Tangente zur begrünten Einbahnstraße werden soll, steht für Bedarfs-Einkauf und ist Verbindungsachse zum zweiten wichtigen Pol, der Saarstraße.

Saarstraße: Terrain für großflächigen Einzelhandel für den Versorgungs-Einkauf.

Auf Merlick: Zentrum der Autohändler, die dort bewusst angesiedelt wurden.

Flugplatz: Seit dem Rückzug der US-Amerikaner 1993 ist dort Platz für produzierendes Gewerbe. Es haben sich 160 Firmen mit 1200 Arbeitsplätzen angesiedelt.

Auch wie sich die derzeit im Gespräch befindlichen Einkaufszentren in dieses Programm fügen, erklärt Streit:

Rautenberg, Fachmarkt-Zentrum: „Das Rautenberg-Zentrum wird auf der einen Seite mit Ankermietern wie C&A einen neuen Kundenkreis nach Bitburg ziehen, die ein entsprechendes Angebot bislang vermissen“, sagt Streit. Auf der anderen Seite soll das Fachmarkt-Zentrum, das ähnlich großflächige Märkte wie die Saarstraße beherbergen soll, ein Schritt zur gewollten Verbindung der brummenden „grünen Wiese“ mit der Innenstadt sein. Streit: „Das würde auch den Karenweg aufwerten.“

Postplatz, Erlebnis-Galerie: Dagegen sei am Postplatz eher an eine Galerie mit exklusiveren Läden zu denken. Streit: „Bitburgs Innenstadt krank daran, dass wir gerade im höherpreisigen Segment oft nur einen Anbieter pro Sparte haben.“ Doch zunächst soll eine eigens für diesen Bereich in Auftrag gegebene Einzelhandelsstudie abgewartet werden. „Derzeit laufen Expertengespräche, dann wollen wir in Bürger-Foren Ideen und Vorstellungen der Bitburger berücksichtigen, bevor ein regionaler Investoren-Wettbewerb steigt“, erklärt Streit den weiteren Ablauf zur Entwicklung des Postgeländes.

Bedaplatz, Dienstleistungs- und Gewerbehaus: „Da haben wir – etwa durch den Kauf des Aldi-Gebäudes – die Rahmenbedingungen geschaffen, nun müssen Investoren kommen“, sagt Streit. Gut vorstellen könnte er sich an dieser Stelle ein Dienstleistungs- und Gewerbehaus mit Wohnungen.

Müller-Flegel-Gelände, noch offen: Dort ist für den Stadt-Chef noch alles offen. Nach drei Jahre währenden Verhandlungen um das Rautenberg-Zentrum sieht er auch keinen Sinn darin, wegen ein paar Metern mehr Innenstadt-Nähe das Fachmarkt-Zentrum an diesem Standort zu diskutieren. Streit: „Sollte eine andere Nutzung für das Müller-Flegel-Gelände möglich sein, wird dies sofort von uns unterstützt.“ Seine Prioritäten sind klar: „Jetzt kommt erst der Rautenberg gefolgt vom Postplatz, bevor wir uns diesem Gelände widmen.“ Grundsätzlich wäre das Müller-Flegel-Gelände seiner Ansicht nach auch ein guter Standort für ein innenstadtnahes Hotel, zumal das Grundstück in direkter Nachbarschaft zur Stadthalle liegt.

PRO

Rechnung könnte aufgehen

Nein, mehr Geld werden die Menschen nicht zum Ausgeben haben, auch wenn es dafür in Bitburg in einigen Jahren in neuen Einkaufs-Zentren mehr Gelegenheit geben wird. Deshalb aber zu befürchten, dass Rautenberg & Co. der Innenstadt die Kunden klauen, wäre zu kurzsichtig gedacht. Schließlich werden die geplanten und angedachten Einkaufszentren Bitburg zusätzliche Käuferkreise erschließen, die bislang mangels entsprechendem Angebot etwa nach Trier ausweichen. Luxemburger vor allem, aber auch viele Eifeler. Wer die Zukunft einer Stadt sichern will, muss auch den Mut haben, sie größer zu denken, als sie heute ist. Mehr Angebot bedeutet eben nicht nur mehr Konkurrenz, sondern im Idealfall auch mehr Käufer und damit mehr Umsatz und Leben in der Stadt. So gesehen könnte die Rechnung des Stadtentwicklungs-Konzepts aufgehen. d.schommer@volksfreund.de

CONTRA

Zu viele Pole

Zwei Pole sollen es sein, die Bitburg beleben: Die Verknüpfung von Saarstraße und Innenstadt ist ein gutes Konzept, das zu Recht ausgezeichnet wurde. Es ist aber nicht zu leugnen, dass mit dem Rautenbergzentrum ein dritter Pol entsteht, da dieser Bereich faktisch nicht mit der Innenstadt verknüpft ist. Selbst nach der Umsetzung des Verkehrskonzepts wird die Ecke Rautenberg-Neuerburger Straße sich kaum wie Innenstadt anfühlen. Man wird das Gefühl nicht los, dass es für die Entwicklung keine echten Prioritäten gibt, sondern dass das Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", angewendet wird. Denn sonst stünde nicht der Rautenberg, sondern Bedaplatz und Postplatz ganz oben auf der Liste und man würde sich nicht mit einem Einkaufszentrum in Randlage die Optionen für diese wesentlich zentraleren Entwicklungsfelder verbauen. l.ross@volksfreund.de