Vive le jumelage - Es lebe die Partnerschaft! - Prüm und das französische Monthermé seit 54 Jahren befreundet

Vive le jumelage - Es lebe die Partnerschaft! - Prüm und das französische Monthermé seit 54 Jahren befreundet

Einst pflegte fast jeder Verein Prüms enge Kontakte zu Mitstreitern im französischen Örtchen Monthermé. Zwar ist die Städtepartnerschaft nicht mehr so aktiv wie zur Gründung vor 54 Jahren, die Städte verbindet dennoch ein inniges Band der Freundschaft.

Dichter Nebel hüllt die Hänge oberhalb der Maas ein. Einige Urlauber sitzen schon um kurz nach 9 Uhr vor ihren Wohnmobilen am Flussufer und genießen einen Morgenkaffee mit Blick auf "La Meuse" - wie die Maas hier genannt wird. Prüms Bürgermeisterin Mathilde Weinandy steigt aus dem Reisebus, der sie und knapp 30 Eifeler nach Frankreich gebracht hat, aus. "Wahnsinn, wie sich der Ort hier verändert hat", sagt sie. "Man setzt aus gutem Grund weiter auf den Tourismus und scheut auch nicht zurück, hier eine Menge zu investieren." Und Weinandy weiß, wovon sie spricht.

Mindestens alle zwei Jahre besucht sie den 2500 Seelen zählenden Ort (siehe Extra). "Wir wechseln uns mit den Partnerschaftsbesuchen in der Regel ab. Als ich mein Amt 2004 antrat, sah es hier noch ganz anders aus", sagt sie und entschuldigt sich, weil ihr Amtskollege Alain Bernard begrüßt werden muss - nicht förmlich nach Protokoll, sondern wie es sich gehört: freundschaftlich mit Wangenkuss.

"Man kennt sich teils wirklich schon seit Jahrzehnten", sagt Alois Leufgen. Er erinnere sich gut an seine erste Fahrt nach Monthermé. "Es gab kurz vorher einen verheerenden Waldbrand. Die Hänge oberhalb des Orts waren komplett abgebrannt", sagt er und deutet vom Maasufer aus auf die mächtige Steillage oberhalb des Flusses. Schwer vorstellbar, dass dieses dicht bewachsene Waldgebiet vor 40 Jahren eine schwarze, verbrannte Ödnis war.Wehren im engen Kontakt

"Das Bild, das sich uns damals zeigte, werde ich nie vergessen", sagt er. Mit dem Motor-Sport-Club-Prüm sei er in den vergangenen vier Jahrzehnten fast jährlich an der Maas gewesen. "Damals waren wir noch viele, heute ist die Freundschaft zwar noch stark, aber bei Weitem nicht so aktiv wie einst", doch bevor er noch nach Gründen suchen kann, muss er sich wie schon Weinandy entschuldigen - Freunde wollen begrüßt werden.

"Mit den Jahren sind die Menschen halt zusammengewachsen. Man kennt sich eben seit Jahrzehnten", sagt Hans-Gerd Kaufmann von der Prümer Feuerwehr. Während manche Vereine mittlerweile bemüht sind, die Partnerschaftsarbeit wieder zu intensivieren, sorgen sich die Wehren beiderseits der Grenze nicht um abflauenden Kontakt. "Oft wird beklagt, dass die Zusammenarbeit etwas eingeschlafen ist. Viele wollen dem etwas entgegensetzen, es ist aber schwer, die Leute zusammenzubekommen. Ganz anders sieht es bei uns aus", sagt Kaufmann.

Der Kontakt sei nach wie vor intensiv, besonders die Altersabteilungen träfen sich noch regelmäßig. "Wir haben beispielsweise bereits fürs nächste Jahr schon abgesprochen, dass die französischen Kollegen zur Eröffnung des kommenden Prümer Sommers vorbeischauen", sagt der Wehrmann. "Für die jüngeren Generationen ist die Partnerschaft manchmal noch fremd. Aber zum Beispiel pflegt die Realschule plus den Kontakt intensiv, da wächst was Neues nach - man muss halt am Ball bleiben", sagt Mathilde Weinandy. Amtskollege Alain Bernard stellt die Bedeutung der Partnerschaft heraus: "In dieser verrückten Welt, ist es umso wichtiger, sich Zeit zu nehmen für seine Freunde und neue Kontakte zu knüpfen."

Übrigens: Sprachbarrieren sind zwar eine Hürde, sie ist aber nicht unüberwindbar. Beim jüngsten Besuch können die Bürgermeister zum Beispiel auf die sprachliche Vermittlung der in Watzerath lebenden gebürtigen Französin Ghistaine Vanhoeke setzen. Erst morgens vor der Abreise erfuhr sie, dass ihre Hilfe nötig ist: "Ich helfe natürlich sehr gern, doch im Eifer des Gefechts sprach ich Alain oft auf Deutsch an." Er nahm es ihr keinesfalls übel: "Das hat mich nur gefordert und mein Deutsch verbessert."Extra

Foto: Frank Auffenberg (aff), Frank Auffenberg ("TV-Upload Auffenberg"
Foto: Frank Auffenberg (aff), Frank Auffenberg ("TV-Upload Auffenberg"
Ob bei einer Kirchenbesichtigung oder beim Spaziergang über die Uferpromenade, es gibt eine Menge zu bereden – auch mit der kommenden Generation des Partnerschaftskomitees. TV-Fotos (3): Frank Auffenberg. Foto: Frank Auffenberg (aff), Frank Auffenberg ("TV-Upload Auffenberg"

Monthermé ist eine französische Gemeinde mit rund 2500 Einwohnern in der Region Alsace-Champagne-Ardenne-Lorraine im Département Ardennes. Sie liegt im Arrondissement Charleville-Mézières. 1962 besiegelten die damaligen Bürgermeister Hans Benger aus Prüm und René Lemaire aus Monthermé die Verschwisterung ihrer beiden Städte. Monthermé liegt in einem Bogen der Maas unweit der Grenze zu Belgien. Wer mit dem Auto einen Abstecher dorthin machen möchte, fährt über St. Vith auf die E 25 bis nach Neufchateau, von dort weiter über die E 411 und die E 46. Die Entfernung beträgt rund 180 Kilometer. aff

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