Vogel frei!

Altscheid Erst hört Regina Berg einen Schrei. Dann stürmt ihr Mann ins Haus: "Wir haben einen Pfau", sagt er.

Um das klarzustellen: Geschrien hat natürlich der Vogel, nicht Herr Berg. Wie dem auch sei: Die beiden gehen wieder hinaus. Und da stolziert das Tier schon über den Hof.
Wo der wohl die Flatter gemacht hat, fragen sich die Bergs. Und auch die Einwohner von Brecht. Denn es handelt sich wohl um dasselbe Tier, das dort vor Kurzem gesichtet wurde (der TV berichtete). Vorher aber war er bei den Bergs, in Altscheid:
Zehn Tage lang halten sie den schrägen Vogel auf dem Ferienhof. Sie füttern ihn mit Brot, er frisst aus der Hand. Nachts schläft er in den Baumwipfeln. Jeden Abend vergewissert sich Regina Berg, dass er noch da ist. Sobald es dunkel wird, ruft sie aus dem Fenster nach ihrem Schützling. "Haaaaallooooo", schallt es über den Hof. Die Antwort: ein Schrei, wie von einem Hahn, nur höher. Wir haben uns mal schlau gemacht. Frei übersetzt aus der Pfauensprache bedeutet das so viel wie: "Ruhe! Ich will schlafen!"
So oder so: Ein Abend unternimmt der Vogel einen Ausflug ins Dorf. Doch in dem 85-Seelen-Ort fällt er sofort auf - ein Paradiesvogel, noch dazu en Friemen… Nun muss man wissen, dass es in Altscheid nachts so still ist, dass man die Flöhe husten und eben auch die Pfauen schreien hört. Davon werden Bürger wach, die sich bei den Bergs beschweren.
Am nächsten Morgen kommt der Gockel ramponiert nach Hause, die Schwanzfedern waren eingeknickt, erinnert sich Berg. Federn musste er wohl lassen, als die Altscheider ihn eingefangen und zum Hof gebracht haben, mutmaßt sie.
Genau wissen werden wir es nie. So gut können wir die Pfauensprache nun doch nicht. Fakt ist aber, dass der Vogel kurz darauf die Fliege oder eben den Vogel macht. Als Berg am Abend darauf nach ihm ruft, antwortet er nicht. Er bleibt verschwunden, bis er in Brecht auftaucht.
Seitdem sind wieder zwei Wochen vergangen. Jetzt wurde der Vogel auf der B 51 gesehen - und zwar am Montag, gegen 15.30 Uhr:
Johannes Baczewski ist mit seinem Auto in Höhe der Stedemer Senke unterwegs, als ihm das Tier auffällt. Es flaniert in Richtung Flugplatz. Baczewski vermutet, dass er Stunden nehmen will. Wir glauben, dass er die nicht nötig hat - immerhin hat er in kürzester Zeit die zehn Kilometer zwischen Brecht und Bitburg zurückgelegt.
Er könnte also auch aus St. Thomas eingeflogen sein. Warum St. Thomas? Weil es dort ein Exerzitienhaus gibt, in dem Pfauen gehalten werden, wie wir von Leser Wolfgang Stadtfeld erfahren (wir wollen uns ja nicht mit fremden Federn schmücken). Aber zu früh gefreut: Die Vögel seien noch alle sechs im Stall, teilt das Haus mit.
Auch aus dem Echternacher Hotel "Aux vieux Moulin" ist der Vogel nicht ausgeflogen. Eine Leserin hatte darauf hingewiesen, dass dort ein indischer Vogel durch den Garten laufe. Doch der Pfau ist tot, der Pfau ist tot - und das schon seit einigen Jahren, wie eine Mitarbeiterin des Hotels mitteilt.
Damit ist die Suche aber noch nicht zu Ende. Wir möchten nicht zu viel verraten, aber es gibt eine heiße Spur - und die führt in die Vulkaneifel.
Der TV bleibt dran! Und Sie können weiter mithelfen. Haben Sie das Tier gesichtet oder kennen Sie den Besitzer? Dann schicken Sie doch eine Mail an eifel@volksfreund.de