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Vogelsang: Das große Aufatmen

Vogelsang: Das große Aufatmen

Es kann weitergehen mit Vogelsang. 32 Millionen Euro werden in die ehemalige Ordensburg des Nazi-Regimes investiert, um Dokumentations- und Besucherzentren aufzuwerten. Die geplante Jugendherberge wird jedoch nicht gebaut.

Vogelsang. Um kurz nach 16.30 Uhr läutete am Dienstag Nachmittag Manfred Poths Telefon. Wenig später konnte der Aufsichtsratsvorsitzende von "Vogelsang ip" tief durchatmen. Der Anrufer hatte ihm mitgeteilt, dass die Pläne für das Gelände der ehemaligen NS-Ordensburg wie geplant weiterverfolgt werden können.
Allerdings muss Poth auch einen kräftigen Wermutstropfen hinnehmen: "Das Vorhaben einer Jugendherberge in Vogelsang wird derzeit nicht weiterverfolgt." So habe es das nordrhein-westphälische Landeskabinett um Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) am Dienstag beschlossen. Das bestätigte auch Wilhelm Deitermann, Pressesprecher von NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne): "Noch in diesem Jahr werden die 32 Millionen Euro bewilligt." Das Ziel, die Maßnahmen bis 2014 abgeschlossen zu haben, soll beibehalten werden.
Unsichere Zukunft



Dass es in Vogelsang weitergehen wird wie geplant, war in den vergangenen Tagen alles andere als sicher. Der Landesrechnungshof hatte angemerkt, dass es sich bei dem Vorhaben um ein EU-Großprojekt handeln könnte, weil die Gesamtkosten die dafür relevante 50 Millionen-Euro-Grenze überschreiten. Und die Europäische Union könnte irgendwann einmal ihre Fördergelder zurückfordern - eine Vorstellung, die manch einem Mitglied der NRW-Landesregierung Falten auf die Stirn getrieben haben könnte. Doch wenn das Projekt zu einem EU-Großprojekt erklärt worden wäre, hätten die Arbeiten in Vogelsang für den Zeitraum von bis zu einem Jahr stillgestanden, da dafür neue Anträge gestellt und Entscheidungen getroffen werden müssen.
So schauten nun die Verantwortlichen aus dem Kreis Euskirchen bangen Blickes nach Düsseldorf: Würde das Landeskabinett dem Plan B zustimmen, wonach die Jugendherberge aus dem Vorhaben herausgenommen wird, um die Kosten unter die Grenze von 50 Millionen Euro zu senken? Schon in der vergangenen Woche hatte man eine Entscheidung des Kabinetts erwartet. Doch die Beratungen wurden vertagt - was nicht gerade zur Beruhigung im Kreis beitrug.
Gestern dann die erlösende Nachricht. Das Jugendwaldheim bleibt in Urft. "Ich bin sehr froh, dass nun wenigstens der große Teil des Vorhabens weitergehen kann", sagte Poth.
Vor allem für die 14 betroffenen Mitarbeiter sei die Nachricht aus Düsseldorf "ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk". Die Zuschüsse von 32 Millionen Euro, die in den nächsten Tagen freigegeben werden sollen, fließen ins Forum Vogelsang, das Besucherzentrum, die NS-Dokumentation sowie in die Nationalpark-Ausstellung. Da die zunächst geplanten 10 bis 15 Millionen Euro für die Jugendherberge wegfallen, bleibt der Aufwand unterhalb von 50 Millionen Euro.
Poth bedauert, dass die Jugendeinrichtungen nun nicht gebaut werden. Das dürften nicht alle so sehen: Das Vorhaben, das Jugendwaldheim in Urft zugunsten von Vogelsang aufzugeben, hatte längst nicht nur Fürsprecher gefunden . msz