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Volksbank Bitburg: Sechs Filialen geschlossen, Dividende gesenkt

Volksbank Bitburg: Sechs Filialen geschlossen, Dividende gesenkt

Es geht nicht ohne Verzicht. Sechs Filialen hat die Volksbank Bitburg 2014 geschlossen. Die Dividende sinkt von 5,6 auf 3 Prozent. Andererseits wird gezielt investiert - etwa in die neue "VR Eins"-Filiale. Bei der Vertreterversammlung präsentierte der Vorstand, wie die Bank auf Erfolgskurs bleiben soll.

"Erfolg ist gerade in einem immer schwieriger werdenden Marktumfeld kein Zufallsprodukt, sondern Ergebnis langjähriger strategischer Planung", sagt Peter Bersch, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Bitburg. In der Stadthalle präsentiert er zusammen mit Vorstandskollege Andreas Theis den Geschäftsbericht 2014 auf der Vertreterversammlung. Keine leichte Kost, obwohl die Bank in allen wichtigen Kennbereichen auf Wachstumskurs ist (siehe Grafik). Doch dazu später mehr.Von Baustert bis Oberkail


Denn: Sechs Filialen wurden 2014 geschlossen - Baustert, Bettingen, Idenheim, Malbergweich, Messerich und Oberkail (siehe Interview unten). Andererseits hat die Bank ihre Filialen in Badem und Oberweis für zusammen rund 700 000 Euro ausgebaut und die neue "VR Eins"-Filiale in Bitburg für die wachsende Gruppe der Online-Kunden gegründet, für die es nun eine Beratungs-Zentrale gibt. "Der weitere Ausbau unserer Qualität ist eine der wichtigsten Strategien für die Zukunft. Das ist unser Kerngeschäft", sagt Theis. Heißt: An der Beratung wird nicht gespart, aber sie wird auf zentrale Stellen konzentriert.

Erstmals rutscht die Dividende auf drei statt fünf Prozent plus Bonus. Für einen Anteil gibt es 9 statt 16,80 Euro. Rund 200 000 Euro, die sonst an die Mitglieder ausgeschüttet worden wären, fließen nun in die Rücklagen. "Das Marktumfeld fordert uns, alles, was wir selbst anpacken können, anzugehen. Und wir glauben, dass unsere Mitglieder bereit sind, diesen Beitrag zu leisen", sagt Theis. Und so ist es.

Einstimmig beschließen die Vertreter den Geschäftsbericht und Dividende - keine Diskussion, dafür Zuspruch. "Ich wollte Teil der Bank sein und habe den Anteil nicht gekauft, um eine Rendite zu erzielen", sagt etwa Heinz-Peter Fuchsen. In der Versammlung herrschen Verständnis und Respekt für den Kurs der Bank. Auch deshalb, weil der Vorstand über wachsende Anforderungen, etwa an die Höhe der Eigenkapitaldecke oder die Absicherung durch Stress-Tests, informiert und die Hintergründe von Entscheidungen sowie die Zukunftsstrategie erklärt.

Denn die Anforderungen, die im Zuge der von großen Instituten ausgelösten Bankenkrise als Sicherungsinstrumente entwickelt wurden, gelten auch für die kleinen regionalen Spieler wie Volksbanken und Sparkassen - und stellen diese vor wachsende Herausforderungen. Hinzu kommt die Niedrigzins-Politik. Mit dem Geldverleihen lässt sich kaum noch Geld verdienen.Politische Herausforderungen


Im Kontext dieser "bankenpolitischen Herausforderungen", wie es Vorstand Theis ausdrückt, hat sich die Volksbank nicht nur 2014 erfolgreich behauptet, sondern sie will diesen Kurs auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Dabei will die Bank ihre Kernkompetenz weiter ausbauen: die ganzheitliche Beratung der Kunden - auch im Hinblick auf die Angebote der Verbundpartner von Bausparen über Investmentfonds bis Riester-Rente.

Es gibt im Vergleich zum Vorjahr 983 mehr Mitglieder, und die Kundeneinlagen überschreiten erstmals die 500-Millionen-Euro-Marke, was Bersch trotz der niedrigen Zinsen erklärt: "Gerade in unsicheren Zeiten wollen die Kunden ihr Geld wenigstens sicher wissen, wenn es schon kaum Ertrag bringt." Und sicher ist es bei der Volksbank, die nicht nur eine Einlagensicherung hat, sondern über den Verband auch einen Institutsschutz genießt. Auch das Kreditgeschäft ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen - um drei Millionen auf 464 Millionen Euro. Von Kreditklemme also keine Spur. Theis sagt: "Bei Niedrigzinsen macht Investieren natürlich mehr Spaß."

Einstimmig: Die Vertreter beschließen in der Stadthalle den Geschäftsbericht 2014 der Volksbank Bitburg. Foto: Michael Barg/Volksbank Foto: Michael Barg (e_eifel )

Extra Drei Fragen an ...
... Andreas Theis (50), Vorstand der Volksbank Bitburg:
Hat es Sie überrascht, dass nicht über die Schließung von sechs Filialen diskutiert wurde?
Theis: Wir haben auf dieses Verständnis gehofft, weil wir Konzepte präsentiert haben, wie wir in Zukunft die Qualität der Beratung weiter ausbauen wollen. In den betroffenen Orten haben wir frühzeitig Mitglieder und Kunden eingebunden. Ein zunehmend bedeutender Weg für Serviceleistungen ist das Internet - diesen nutzen mehr als 60 Prozent unserer Kunden.

Was ist mit den Menschen, die kein Internet nutzen und auch nicht mehr so mobil sind?
Theis: Viele müssen bereits jetzt zum Einkaufen oder Arztbesuch in den nächsten größeren Ort, wo es auch eine Bankfiliale gibt. Zudem haben wir ein dichtes Netz von Geldautomaten - unsere eigenen sowie die der Kreissparkasse, mit denen wir bei der Geldversorgung über Automaten in der Fläche kooperieren. Was persönliche Beratung angeht: Alle Kunden haben die Möglichkeit, einen Termin mit unseren Beratern auch zuhause zu vereinbaren.

Aber die Schließung einer Filiale ist trotzdem ein Verlust oder?
Theis: Grundsätzlich geht die Infrastruktur in kleinen Orten zurück - ob Bäcker, Lebensmittelladen oder Arzt. Die Filialen, die wir geschlossen haben, wurden kaum noch frequentiert, geschweige denn wurde dort Beratung nachgefragt. Das zeigt unsere Nutzungsanalyse. Ärzte, Geschäfte und Verwaltungen sind in größeren Orten und die Kunden erledigen dort dann auch gleich den Bankbesuch mit. Wir bleiben ja in der Fläche, konzentrieren uns aber auf bestimmte Orte. Damit können wir ein qualitativ besseres und breiteres Angebot vorhalten, anstatt an vielen Stellen nur Service bieten zu können. scho