Vollbremsung auf der Zielgeraden

Mit Spannung wurde die Sitzung des Bauausschusses erwartet, in der über die überarbeiteten Pläne für das am Rautenberg seit mehr als vier Jahren geplante Fachmarkt-Zentrum entschieden werden sollte. Mehr als 40 Bürger waren ins Bitburger Rathaus gekommen und sollten eine Überraschung erleben - der Bauausschuss vertagte einstimmig den Beschluss.

Bitburg. Das Planungsbüro hatte den Projektor für die Präsentation aufgebaut, zahlreiche Bürger bevölkerten den Rathaussaal und waren gespannt auf den aktuellen Stand der Dinge in Sachen Rautenberg-Zentrum. Mehr als ein Jahr ist es her, das die Pläne für das am Rautenberg geplante Fachmarkt-Zentrum öffentlich präsentiert wurden.

Damals, Ende 2007, vertagte der Bauausschuss die Entscheidung, weil die Sitzungsunterlagen für mangelhaft befunden wurden. Am Mittwochabend sollten die vollständig überarbeiteten Pläne präsentiert werden - doch dazu kam es nicht.

Hermann-Josef Rass (CDU) beantragte, das Thema zu vertagen. "Nachdem es konkrete Vorstellungen für ein weiteres Einkaufs-Zentrum in der Innenstadt gibt, stellt sich die Frage, ob ein weiteres Objekt ähnlicher Größenordnung für unsere Stadt sinnvoll und verträglich ist", sagte Rass und spielte damit auf die "Bit-Galerie" an, die als Einkaufspassage Beda-Platz und Postplatz verbinden soll (der TV berichtete).

Entweder Bit-Galerie oder Rautenberg-Zentrum

Die CDU forderte die Stadtverwaltung auf, zu prüfen, ob zwei vergleichbare Projekte für die Innenstadt sinnvoll und verträglich sind. Und falls die Verwaltung beide Projekte nicht für verträglich hält, solle sie eine klare Präferenz äußern.

Hermann Jutz (FBL) beantragte daraufhin, dass sich die Fraktions-Chefs für fünf Minuten zur Beratung unter Ausschluss der Öffentlichkeit zurückziehen. Ein Raunen ging durch die Reihen der Zuhörer. Damit hatte keiner gerechnet. Als die Fraktions-Chefs zurückkamen, war die Überraschung perfekt: Der Beschluss zum Rautenberg-Zentrum wie auch zu dem Neubaugebiet entlang der Neuerburger Straße, das zusammen mit dem Zentrum entwickelt werden soll, wurde einstimmig vertagt. In kurzen Statements begründeten die Fraktionssprecher, warum sie sich zu diesem Schritt entschieden haben (siehe hierzu auch Bericht auf Seite 10).

EXTRA

Rautenberg-Zentrum: Zunächst war eine Verkaufsfläche von mehr als 10 000 Quadratmetern vorgesehen. In der aktuellen Planung ist sie auf 8900 Quadratmeter geschrumpft. Im Laufe der Jahre wurde das Fachmarkt-Zentrum zunehmend zu einem Textil-Zentrum. Würde das Zentrum wie angedacht verwirklicht werden, wäre nach einer Verträglichkeits-Analyse das Potenzial für die Ansiedlung von Wäsche- und Textilhandel in Bitburg ausgeschöpft. Als Ankermieter sind ein Edeka-Markt, "C&A" sowie Promarkt im Gespräch. Auch von Reisebüros, Banken, Reinigungen, Telefonanbieter, Schank- und Speisewirtschaften und einem Fitness-Studio war die Rede. Zuletzt sollte auch ein Hotel-Betrieb möglich sein. (scho)


Leser-Echo: Was ist Ihre Meinung zum Rautenberg-Zentrum? Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, oder sollte das Projekt nun durchgezogen werden? Mailen Sie uns an eifel-echo@volksfreund.de (mit Namen und Wohnort).

Meinung

Das war der Todesstoß

Die Front für das Rautenberg-Zentrum ist zerbröckelt. Überraschend dabei ist, dass die ins Feld geführten Kritikpunkte - fehlende Innenstadt-Belebung, chaotische Verkehrssituation, mangelnde Anbindung an die Fußgängerzone und bessere Standorte - nicht neu sind. Erst angesichts der "Bit-Galerie" hat die CDU als stärkste Fraktion erstmals das Rautenberg-Zentrum infrage gestellt. Wie auch immer man diese Kehrtwende bewerten mag, klar ist: Das war der Todesstoß für das, was bisher unter dem Begriff "Rautenberg-Zentrum" kursierte. d.schommer@volksfreund.de