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Vom alten Hasen, der es eilig hatte

Vom alten Hasen, der es eilig hatte

Das zarte Schneeglöckchen hatte schon den Frühling eingeläutet. Über Täler und Höhen drang der feine Klang. Das ärgerte den kalten Winter sehr, denn er wollte noch nicht zurück in das ferne Schneeland, wo er eine große Eisburg hatte.

Doch der Winter hatte keine Chance und schließlich konnte man auch im Osterhasenwald das Glöckchen hören, wo unter dicken Bäumen das Osterhasenhaus stand. Dort wohnte der alte Osterhase mit seiner Osterhasenfrau und Purzel und Hoppel die Hasenkinder. Doch an diesem Frühlingsmorgen schlief die Hasenbande noch ganz fest und hörte das Schneeglöckchen nicht. Da klopfte die liebe Sonne an die Fensterläden und rief: "Auf, auf! Der Frühling zieht ins Land." Da trat der alte Osterhase vor die Tür und rauchte erst mal gemütlich ein Pfeifchen. "Hast du denn gar nicht an die vielen Eier gedacht? Bald ist doch Ostern", drängelte die Sonne. Schnell rannte der alte Hase ins Haus und schaute auf den Kalender. Tatsächlich, die Sonne hatte Recht. Fast hätte er Ostern vergessen. "Was soll ich jetzt nur machen?", dachte er und fragte seine liebe Frau um Rat: "Wo bekommen wir in diesem Jahr die Ostereier her?" Auf einmal klopfte es an der Haustür. Und wer stand wohl da und lachte? Der Hahn. Und mit dabei hatte er einen ganzen Wagen voller Hühnereier. Da freute sich die Osterhasen, und Purzel und Hoppel gaben sich die Pfötchen und tanzten um den Wagen. "Los, Purzel und Hoppel, tragt schnell die Eier in die Werkstatt. Wir beginnen gleich mit der Arbeit!", unterbrach der alte Osterhase das lustige Treiben der beiden. Emsig ging es dann zur Sache - von morgens bis abends und die halbe Nacht. Die Kirchturmuhr schlug Mitternacht und noch immer brannte bei den Osterhasen das Licht in der Werkstatt. Gerade rechtzeitig am Ostermorgen waren alle Eier gefärbt und Purzel und Hoppel verpackten sie fein in Körbchen. In einem die roten, in dem anderen die gelben, in noch einem anderen die grünen, im nächsten die blauen. "Jetzt müsst ihr sie den Menschenkindern bringen", sprach der alte Osterhase und schon machte sich Purzel mit einen großen Korb voll schöner, bunter Eier auf den Weg. Aus dem Osterhasenwald ging er direkt die Bitburger Straße hinunter und dann schnurstracks zu den Kindern auf den Dörfern und in den Städten. Dort wurde er schon sehnsüchtig erwartet - viele Jungen und Mädchen hatten ihm noch einen Brief geschrieben. So auch dieser von einem kleinen Mädchen aus der Eifel: "Bald ist Ostern und wir warten schon auf dich. Bitte komm auch bei uns vorbei. Wir bauen Dir ein feines Nestchen für die schönen bunten Eier." Und die fand das Mädchen dann auch morgens - versteckt unter einem alten Baum. Hermann Arend HERMANN AREND aus Bitburg hat diese Geschichte vor 53 Jahren geschrieben und illustriert. Sie diente dem inzwischen pensionierten Lehrer als Lehrprobe an der Grundschule Dudeldorf. Karlshausen, Idesheim und Idenheim waren weitere Stationen seiner beruflichen Laufbahn. Bis 1989 war er Rektor an der Grundschule Süd in Bitburg, wo er 17 Jahre lang unterrichtet hat.