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Vom einfachen Schmied zum Manager

Vom einfachen Schmied zum Manager

DUDELDORF/BITBURG. Friedrich Stein (87) aus Dudeldorf ist Schmied und ehemaliger Manager auf dem Flugplatz Bitburg. Er berichtet von der Zeit seiner Ausbildung und seinen weiteren Arbeitsstellen während der 40er- und 50er-Jahre.

Nach Beendigung meiner achtjährigen Schulzeit (1935-1943) in Dudeldorf musste ich 1943 ein Pflichtjahr bei den Gebrüdern Thiel in Dudeldorf-Ordorf als Arbeiter in dem Sägewerk und in der Landwirtschaft absolvieren. Anschließend hatte ich 1944 den Beruf als Schmied bei meinem Onkel in Metterich angetreten. Während meiner Lehrzeit musste ich im Herbst 1944 zum Einsatz in den Westwall in Helfant an der Mosel. Beim Näherkommen der Front waren wir von dort mit Kameraden nach Hause abgehauen. Ich musste zurück zu meiner Lehrstelle. Im Januar 1945 wurden wir zum Volkssturm einberufen. In Beilingen mussten wir uns treffen. Von dort aus sind wir nach Dorf bei Wittlich mit dem LKW transportiert worden. Am Abend wurden wir nach Kallmuth bei Remagen zur Ausbildung an Handfeuerwaffen geschickt. Nach acht Tagen wurden wir per Bahn nach Nickenich am Laacher See zu einem Ausbildungslager verlegt. Dann bekamen wir unsere Karabiner für den geplanten ersten Einsatz. Dort erhielten wir die Information, dass die Amerikaner in Philippsheim - Kylltallinie - eingetroffen wären. Noch in derselben Nacht sind wir in Richtung deutsches Frontgebiet Spangdahlem abgehauen. Wir hatten für zwei Tage bei Bekannten in Spangdahlem eine Bleibe. Am dritten Tag erschienen die Amerikaner und begrüßten mich. Einer sprach mich an: "Du Nazi?". Ich verneinte dies, und er gab mir eine Zigarette ("Have a cigarette!"). Ich setzte meine Lehrzeit in Metterich fort. Ich hatte genug Arbeit bei meinem Onkel Johann. Die Dächer waren durchschossen, und der Kirchturm war auch schwer beschädigt worden. Er hing schief. Die Tunnelbaufirma Merkel, die dort tätig war, machte einen Kostenvoranschlag von mehreren tausend Mark für den Gerüstbau. Onkel Hanni und ich standen vor der Kirche. Als er von dem Betrag hörte, war er fassungslos und wollte nicht verstehen, dass dies so viel kosten sollte. Er sprach mich an: "Fritz, würdest du mir helfen und bei mir den Handlanger spielen?" Mein Onkel war zu diesem Zeitpunkt schon über 70 Jahre alt. Damit war dann klar, dass wir zwei den Einsturz des zerschossenen Kirchturms verhindern wollten. Wir stellten verschiedene Bauklammern mit unterschiedlichen Längen her. Mit diesen Klammern befestigten wir das Gebälk des Kirchturms von innen; somit war er gesichert. Später hat die Firma Thiel/Ordorf den Kirchturm in einer abgeflachten Form, so wie er heute zu sehen ist, wieder hergestellt. Nach meiner Lehrzeit von drei Jahren hatte ich keine Arbeit mehr. Das war 1947. Mein Vater hatte mir einen Job mit Familienanschluss in Wilsecker bei zwei älteren Damen im Bauernbetrieb besorgt. Zur damaligen Zeit herrschte Armut, so dass meine Eltern froh waren, dass die Kinder versorgt waren. Von 1947 bis 1952 hatte ich dort als Landschaftshilfe gearbeitet und bis zu meiner Heirat 1966 auch gewohnt. Ab 1952 war ich zum Flugplatz-Bitburg mit dem Fahrrad von Wilsecker aus 15 Kilometer zur neuen Arbeit gefahren. Bei verschiedenen Firmen hatte ich dort beim Aufbau der amerikanischen Wohnsiedlung mitgewirkt und habe dort später als Manager gearbeitet. Ab dem 17. Juli 1953 hatte ich drei Jahre in der Messhalle als Küchenhelfer gearbeitet. Meinem Bruder hatte ich das Motorrad abgekauft. So war ich mobiler, um zur Arbeit zu kommen. Haben die 50er-Jahre auch Sie und Ihr Leben bewegt? Der TV sucht Zeitzeugen! Schreiben Sie uns, wie Sie die Wirtschaftswunderjahre erlebt haben. Neben schriftlich verfassten Berichten freuen wir uns über Fotos mit Notizen. Die besten Texte und Fotos werden im TV und später in einem Buchband veröffentlicht. Die Textlänge sollte eine Din-A-4-Seite nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich etwaige Kürzungen vor. Bitte benutzen Sie Computer oder Schreibmaschine. Digitalisierte Fotos sollten aus Qualitätsgründen eine Auflösung von mindestens 1600 Pixel in der Breite aufweisen, Sie können uns aber auch gern Originale schicken. Wir scannen die Fotos dann für Sie ein und senden Sie Ihnen zurück. Zu Ihrer Person benötigen wir folgende Angaben: den Namen, Ihren Wohnort, Ihr Alter und Ihren (früheren) Beruf. Schicken Sie uns Ihre Berichte und Fotos per E-Mail an wirtschaftswunder@volksfreund.de oder per Post an: Trierischer Volksfreund, Stichwort: "Wirtschaftswunder", Postfach 3770, 54227 Trier. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Anke Krüger (Telefon 0651/7199-425).