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Vom Fabrikgebäude zum Kreativraum

Vom Fabrikgebäude zum Kreativraum

Ins Plein-Wagner-Haus, das viele Jahre leer stand, ist wieder Leben eingekehrt. Künstler zeichnen, malen, fotografieren und töpfern.

Speicher (chb) Geschäftiges Treiben erlebt man momentan im Plein-Wagner-Haus in Speicher. Wo vor einigen Jahrzehnten die Plewa-Rohre und Salzbrandtöpferwaren hergestellt wurden, sind jetzt Künstler am Werk. Aus Formen, die noch im Gebäude waren, stellen sie, unter dem Motto "again Speicher", Neues her und verbinden sich so mit dem Gebäude und seiner Geschichte. Da sind beispielsweise alte Madonnen- und Kreuzformen, die sie wieder nutzen. Dutzendweise liegen sie geordnet auf einem Tisch und warten noch darauf, dass auf sie mit einem neuen Blickwinkel geschaut wird. Weiter hat eine Künstlerin aus Schornsteinrohren, die im Gebäude waren, experimentiert. So ist zusammen mit einem Bauplan eine individuelle Lampe entstanden. Florian Leible steht an einem Zeichenpult und malt auf Glasfaser ein Porträt. Darunter hat er ein Blatt Papier mit Ölkreide gelegt, und wenn er zeichnet, rieselt das Glasfasermaterial auf das darunterliegende Papier und bleibt haften. Marie Senfleben-Gudrich, die Initiatorin des Festivals erklärt: "Für die Künstler ist das hier ein toller Ort, sich auszuprobieren und zu experimentieren. Hier haben sie Ruhe und Raum zum Arbeiten, und sie können hier leben, denn wir haben auch 20 Betten."
Im Alltag sieht das so aus, dass in dem einen Raum ein Graphiker gedankenversunken mit Musik aus den Kopfhörern dasitzt und zeichnet. Nebenan besprechen zwei Künstler, wie man bestimmte Ideen fotographisch umsetzen kann. In der Küche sitzt gerade Besuch beim Kaffee, und auf der Fensterbank stehen Zucchini von der Nachbarin. Derweil wird in der Werkstatt mit Ton gearbeitet. Die Künstler, die hier arbeiten, kommen aus Frankreich, Polen, Eritrea und Deutschland. Das Niveau ist dabei sehr hoch. Mit dabei ist beispielsweise Johanna Schrot, deren Foto von David Bowie kurz nach seinem Tod in der Musikzeitschrift "Rolling Stone" veröffentlicht wurde, und der Fotograf Marek Arcimowicz, dessen Fotogeschichte über Albino-Kinder in Afrika im National Geographik Polens über mehrere Seiten gezeigt wurde.
Am 24. August wird es eine Nacht des offenen Brandes geben, bei der ein Ofen um eine Skulptur gebaut wird, um sie zu brennen. Musiker sind ebenfalls zu Gast, die dort ihre Sessions machen und Konzerte geben. Kinga Czaja-Luckman, Künstlerin, berichtet: "Hier sind viele mit derselben Profession, die sehr motiviert sind und frei in dem, was sie tun. Dazu können wir viel ausprobieren." Marie Senfleben-Gudrich, die das Projekt mit ihrer Tochter Lea, Florian Leibe, Alain Anfossy, Anna Bulanda-Pantalacci und Michael Plein auf den Weg gebracht hat, sagt: "Das Festival ist ein erster Schritt. Wir haben hier inzwischen viel geschafft, aufgeräumt, neue Wasser- und Stromleitungen verlegt, einige Böden erneuert, aber es ist noch viel zu tun. Ein Traum wäre es, wenn wir einen Investor finden würden, der eine Heizung finanzieren würde."
Sie wünscht sich auch, dass ihr Projekt ein weiterer Impuls für Speicher wird, damit sich der Ort mit der reichen keltischen und römischen Geschichte weiterentwickelt und sich seiner früheren Bedeutung bewusst wird. "Hier ist viel im Gange durch Leader-Projekte. Speicher stellt sich neu auf, sodass man hier auch Leute anziehen könnte, die die Ruhe, die Natur und den Raum hier nutzen würden",sagt sie. Um das Plein-Wagner-Haus dauerhaft zu einem Ort für Kunst- und Geschichtsinteressierte zu machen, fehlt es aber an Geld. "Momentan ist das hier Teamarbeit, die privat finanziert wird. Aber um das dauerhaft zu betreiben, bräuchte man eine Bürokraft für die Organisation, einen Hausmeister und eine Putzkraft. Das können wir nicht bezahlen, hier wären öffentliche Mittel nötig."
Extra: WEITERE TERMINE


Donnerstag 24. August: Event Ofenbau und Nacht des offenen Brandes; Samstag, 26. August: 19 Uhr Konzert Beppo Built a Street of Sound, Jazz und Worldmusic; Sonntag, 27. August, ab 11 Uhr Offene Tür zum Abschluss. Ausstellungen: Marek Arcimowicz: "The ghost People"- human hunting 21th century; Lea Gudrich: In I Between- Eine Arbeit über Angst. Dauerausstellung: Malerei, Zeichnung, Keramik, Schmuck, Skulptur.