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Vom Feldweg auf die Datenautobahn

Vom Feldweg auf die Datenautobahn

2,2 Millionen Euro will der Eifelkreis Bitburg-Prüm in diesem und im kommenden Jahr in die Verbesserung der Internet-Versorgung investieren. In den ersten elf Gemeinden läuft bereits der Ausbau von Breitbandanschlüssen, für 13 weitere sind zwischenzeitlich die Zuschüsse bewilligt worden. Insgesamt gelten 150 von 235 Gemeinden im Kreisgebiet als unterversorgt.

"Wir reden hier von einer Infrastruktur, die inzwischen gleichrangig neben Straßen, Schulen und Kindergärten steht", sagt Cornelia Weis. Sie ist Leiterin der Zentralstelle IT-Management im rheinland-pfälzischen Innenministerium. Zum zentralen Aufgabenbereich von Weis gehört die Verbesserung der Breitbandversorgung in Rheinland-Pfalz. Und wenn es im Land Regionen gibt, in denen die Versorgung alles andere als optimal ist, so zählt der Eifelkreis auf jeden Fall dazu.

Laut Kreisverwaltung sind 150 der insgesamt 235 Gemeinden unterversorgt. Unterversorgt bedeutet, dass in diesen Orten die überwiegende Mehrheit der Haushalte (in manchen Fällen sogar alle) mit Übertragungsgeschwindigkeiten von weniger als zwei Megabit pro Sekunde auskommen müssen (siehe Extra). Lange Zeit hat sich die Deutsche Telekom aus wirtschaftlichen Gründen davor gesträubt, daran etwas zu ändern. Dass der Konzern nun trotzdem aktiv wird, liegt allerdings nicht etwa an einer Änderung der Unternehmensphilosophie, sondern an EU, Land und Kreis, die gemeinsam Geld in die Hand nehmen, um den Breitbandausbau in den unterversorgten Gebieten voranzutreiben.Kreis zahlt 760 000 Euro

2,2 Millionen Euro, von denen der Kreis rund 760 000 Euro übernimmt, sollen bis Ende 2014 in die ersten beiden Ausbauabschnitte investiert werden. Davon betroffen sind insgesamt 24 Gemeinden, von denen bei elf der Ausbau bereits begonnen hat oder unmittelbar bevorsteht: Dazu zählen Arzfeld, Badem, Fließem, Gondenbrett, Herforst, Echternacherbrück, Sankt Thomas, Sinspelt, Nieder- und Obergeckler sowie Weinsheim. Dass diese Gemeinden als Erstes zum Zug kommen, verdanken sie vor allem den dort vorhandenen Gewerbebetrieben. Denn ein problemloser Zugang zum Internet gewährleistet nach Ansicht von Landrat Joachim Streit nicht nur Lebensqualität, sondern auch Wettbewerbsfähigkeit. "Der flächendeckende Ausbau ist für Wirtschaftsunternehmen als auch für die Menschen im ländlichen Raum unabdingbar", sagt Streit. Ziel sei es, eine Grundversorgung bis 2016 herzustellen.

Die nächsten Gemeinden, für die das Fördergeld bereits bewilligt wurde und die dann im zweiten Abschnitt mit Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde ausgestattet werden, sind Bettingen, Biesdorf, Kaschenbach, Lierfeld, Lünebach, Merlscheid, Niederweis, Orenhofen, Prümzurlay, Rittersdorf, Sellerich, Stockem und Wettlingen. Insgesamt werden damit bis Ende kommenden Jahres 6340 Haushalte angeschlossen.
Im dritten Bauabschnitt sollen laut Kreisverwaltung mehr als 30 weitere Gemeinden folgen.

Bislang ist die deutsche Telekom das einzige Unternehmen, das bei der öffentlichen Ausschreibung der Aufträge entsprechende Angebote abgegeben und deshalb die Zuschläge auch erhalten hat. Wie Frank Bothe, Leiter der Telekom-Technik-Niederlassung Region Mitte, erklärt, sei das Unternehmen bemüht, den Ausbau zügig voranzutreiben. "Den größten Anteil an den Investitionen bilden die erforderlichen Tiefbauleistungen", sagt Bothe und betont, dass mit diesen Bauarbeiten nur örtliche Unternehmen beauftragt worden seien. Insgesamt werden laut Telekom in den ersten elf Gemeinden 43 Kilometer Glasfaserkabel verlegt und 17 neue Netzverteiler errichtet.Extra

Entscheidend für die Geschwindigkeit im Internet ist die Datenübertragungsrate. Diese liegt bei einem normalen analogen Telefonanschluss bei maximal 56 Kilobit pro Sekunde und bei ISDN bei maximal 128 Kilobit pro Sekunde. Die Übertragungsrate bei DSL-Breitbandanschlüssen liegt je nach technischer Voraussetzung oder aber der Entfernung zum nächsten Netzverteiler zwischen 384 und 50 000 Kilobit (50 Megabit) pro Sekunde, wobei die hohen Geschwindigkeiten derzeit überwiegend in den großen Ballungszentren verfügbar sind. Wer also auf dem Land lebt und kein DSL hat, braucht für das Runterladen einer großen Datei aus dem Internet unter Umständen mehr als 700-mal so lang wie ein Internetnutzer in Berlin. Der eine wartet dann zum Beispiel länger als eine halbe Stunde, der andere auf die gleiche Datei weniger als drei Sekunden. uhe