Vom großen Sprung in den "Alltagswahnsinn"

Vom großen Sprung in den "Alltagswahnsinn"

Mit regelmäßigen Auftritten auf der Säubrennerkirmes hat die Band Martha sich in die Herzen vieler Wittlicher gespielt, war bereits im Radio und teilte die Bühne mit Größen wie Jennifer Rostock. Der TV berichtet, was der "Alltagswahnsinn" - so der Name des Debütalbums - mit den vier Männern angestellt hat und wie sie beinah eine Coverband geworden wären.

Wittlich. Noch vor einem Jahrhundert einer der beliebtesten weiblichen Vornamen überhaupt, liest und hört man ihn heute eher selten: Martha. In Wittlich und Umgebung taucht er häufiger auf, sogar auf Litfaßsäulen und Plakaten. Denn vertreten auf zahlreichen Großveranstaltungen in der Region wie der Säubrennerkirmes, dem Festi-Wil oder kürzlich bei den Kulturtagen der VG Wittlich-Land, haben sich vier Männer aus Bruch und Bergweiler fest etabliert - mit Pop-Rock, der auf jenen Namen Martha hört. "Wir fanden den Frauennamen Martha alle ganz sexy", sagt Sänger Thilo Kreutz (36). Eigentlich entsprang der Bandname einem Wortspiel aus Vor- und Nachnamen wie "Rainer Zufall", "Peter Silie" oder in diesem Fall "Martha Willma". "Das war uns aber dann doch zu albern, lieber kurz und knackig."
2008 eigentlich als Coverband geplant, spielt die Truppe 2009 ihren ersten Gig in einer Kneipe im 850-Seelen-Dorf Bergweiler. "Das war sofort magisch. Wir spielten unseren Song Sommerregen, und es fing tatsächlich an zu regnen", berichtet Kreutz über die ersten Gehversuche mit selbst komponierter Musik. Die Anspannung mit den eigenen Stücken zu spielen, sei selbst vor 20 Zuschauern größer, als bei Covermusik vor 2000 Menschen, sagt der Frontmann.
Das Gros der Band hat das 30. Lebensjahr bereits überschritten, als die Mitglieder Ingo Esch (Drums), Thilo Kreutz (Gitarre und Gesang), Daniel Müller (Bass) und Guido Schmitz (Gitarre) sich dazu entschließen, nach fast 15 Jahren Covermusik selber Stücke zu schreiben. In anderen Formationen der Region wie "Alles Banane", "Fatstock" oder "Gummibären" waren die Vier vorher von Kirmes zu Kirmes gezogen, bevor Martha sie vereint.Lokalmatadoren im RTL Radio


2010 erhält Martha nach dem Sieg eines Kontests einen Slot beim Terres-Rouges-Festival in Esch-sur-Alzette. Dabei stehen sie mit Bands wie Jennifer Rostock oder The Rasmus auf einer Bühne. Im selben Zeitraum spielt auch das RTL Radio Luxembourg einige Songs der Wittlicher Lokalmatadoren. Martha ist also "auf dem Sprung", von dem man gerne bei Newcomern spricht, kurz bevor sie groß raus kommen. "Alltagswahnsinn" heißt dann das 2011 erscheinende Debütalbum. Lyrisch geprägt von der Flucht aus gleichnamigem Alltag und der Hoffnung auf die elementaren Dinge wie Liebe und Selbstverwirklichung. Wie sehr der besungene Alltag das Bandleben tatsächlich verändern sollte, wussten die vier damals noch nicht.
Mittlerweile gebe es genug Songs für eine weitere Platte, "es gleicht aber einem Wunder, uns Vier zur gleichen Zeit an einen Ort zu bringen. Es hängt nur an den Terminen." Wenn früher wöchentlich geprobt wurde, lassen die vielen alltäglichen Aufgaben heute nur noch eine Probe im Monat zu. "Wir sind eine Band mitten im Leben angekommen", sagt Kreutz. 2018 feiern Martha ihr zehnjähriges Bandbestehen, vielleicht auch mit dem zweiten Album, wie Kreutz hoffnungsvoll durchblicken lässt. meyExtra

Seit 2010 gibt es in Rheinland-Pfalz immer weniger aktive Vereinsmusiker in Chören, Blasorchestern oder anderen Gruppen, ebenso rückläufig ist die Anzahl der Vereine und besonders der aktiven Musiker unter 27 Jahren. So waren es 2010 noch 20 480 Musiker unter 27, 2015 nur noch 15 524. Demgegenüber berichtet Christine Dammann vom Landesverband deutscher Musikschulen: Die Zahl junger Musikschüler bleibe konstant. Die Anzahl der Musikschüler im Rentenalter nehme sogar zu. Dieser Trend findet sich ebenso national wieder: 2015 machten 1,4 Millionen Kinder (und damit rund sechs Prozent mehr) Instrumental- und Gesangsunterricht, musikalische Früherziehung oder eine Grundausbildung in Ensemblefächern. Den Rückgang der Vereinsmusiker erklärt sie sich auch durch eine "generelle Tendenz unserer Gesellschaft, sich weniger binden zu wollen." Die Anzahl der aktiven Solisten oder Bands im Freizeitbereich ist schwer zu erfassen. Nimmt man den landesweit größten Wettberwerb für Bands "Rockbuster" und dessen Bewerberzahl als Indikator für eine junge Musikszene, so gebe es laut Markus Graf von der Landesarbeitsgemeinschaft Rock und Pop von 2012 bis 2016 weder Ab- noch Aufwärtstrends. mey

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