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Geschichte: Vom Heurupfen und Rübenhäckseln

Geschichte : Vom Heurupfen und Rübenhäckseln

Die Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Viele – einst selbstverständliche – Handgriffe sind heute vergessen.

Die moselfränkischen Redewendungen „Häh roppen“ (Heu rupfen) und „Romelen muelen“ (Rüben mahlen/zerkleinern) hat der Redakteur des Textes „Zum Ärger vun meiner Mamm“ von Edith Gloden im TV vom 13. Februar falsch übersetzt. Die Übersetzung „Heu rupfen“ und „Feldrüben mahlen/zerkleinern/häckseln“ erschließt sich aber, wenn man sich die Entwicklung der Landwirtschaft seit den 1950er Jahren anschaut. Der TV hat hierüber mit dem Kulturwissenschaftler Markus Berberich vom Freilichtmuseum Roscheider Hof in Konz gesprochen.

„Viele Bauern in Eifel und Hunsrück waren bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts sehr arm“, sagt Berberich. Die Ursachen hierfür seien vielfältig gewesen: Der wichtigste Grund sind die meist kargen Böden in der Mittelgebirgsregion. Hinzu kommt eine Folge des römischen Rechts, das in den Gebieten des Römischen Reichs die Realerbteilung etablierte und vom Code Napoléon ab März 1804 für die linksrheinischen Gebiete fortgeschrieben wurde. Das hieß, dass das Erbe unter allen Erben gleichmäßig aufgeteilt wird; mit der Folge, dass die Grundstücke immer kleiner werden. „Eine Ausnahme hiervon ist der Roscheider Hof. Weil der Grund bis zur Säkularisation der Kirche gehörte, konnte er von Nikolaus Valdenaire im März 1805 für 8500 Franc ersteigert werden“, sagt Berberich. Valdenaire war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts der größte Landbesitzer in der Region.

Bis in die 1950er Jahre wurde das geschnittene Heu auf dem Leiterwagen in die Scheune gefahren. Vom Wagen wurde es mit der Heugabel auf den Heuboden gelegt. „Wenn man dann mit dem Heu seine Tiere füttern wollte, brauchte man den Heurupfer, um das Futter vom Boden – und zwar immer aus  den unteren Lagen – herunterzuholen“, erklärt Berberich. Dabei zeigt er auf einen Stiel, an dem eine Metallspitze mit einem Haken angebracht ist. Diese Technik war nicht mehr nötig, als sich spätestens ab den 1960er Jahren Heuballen – heute durch die Rundballen ersetzt – in der Landwirtschaft durchsetzten.

Damit einher ging in der Region die Wandlung des Bauernhofs von einem Selbstversorgerbetrieb hin zu einem Produktionsbetrieb. „Kühe erfüllten drei Aufgaben: Sie waren Milchproduzent, Fleischlieferant und Arbeitstier“, sagt Berberich. Zunächst hätten die Bauern nur wenige Kühe und Schweine im Stall gehabt. Das habe sich erst mit Aufkommen des Kunstdüngers und des Kraftfutters sowie der einsetzenden Mechanisierung geändert. Bis dahin seien die Rinder oft mit einer Mischung aus gehäckselten Rüben und klein geschnittenem Stroh gefüttert worden. Berberich: „Anfangs sind die Rüben wie Käse über große Reiben gerieben worden. Später wurden sie dann mit Trommelreiben gehäckselt.“ Im Vergleich zur heute üblichen Fütterung der Tiere mit Heu und Kraftfutter, sei das Rübenhäckseln relativ aufwändig. Eingelagert wurden die Rüben übrigens bis zum Zeitpunkt, zu dem man sie brauchte, in sogenannten Mieten. Das sind Erdgruben, die bis zur Oberkante mit dem befüllt werden, was man einlagern möchte. Danach werden sie luftdicht abgeschlossen.

Diese Veränderungen in der Landwirtschaft lassen sich auch an der Architektur ablesen.

Für den Eifel-Hunsrück-Raum sind die typischen Bauernhäuser die Trierer beziehungsweise Lothringer Einhäuser. Sie vereinen drei Funktionen unter einem Dach: Sie sind Wohnhaus, Scheune und Viehstall. Viele diesen Bauten seien laut Berberich in den 1950er Jahren baulich – etwa durch größere Tore und Anbauten – an die höheren Erträge in der Landwirtschaft angepasst worden.

Und mittlerweile sind auch die Misthaufen aus dem Ortsbild verschwunden.