1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Vom Leben mit jüdischen Wurzeln

Vom Leben mit jüdischen Wurzeln

Aus Anlass des 73. Jahrestags der Reichspogrom-Nacht hat die 1979 aus Deutschland ausgewanderte, in Jerusalem lebende Schriftstellerin Lea Fleischmann aus ihrem Buch "Meine Sprache wohnt woanders" gelesen. In der Kreissparkasse Bitburg hat die Tochter von Holocaust-Überlebenden Stationen ihres Lebens und neue Erfahrungen mit der jüdischen Religion geschildert.

Bitburg. Dem Gedenken an die Opfer des Holocausts verleiht dieser von Kulturgemeinschaft Bitburg, evangelischer Gemeinde Bitburg und Kreissparkasse Bitburg-Prüm veranstaltete Abend im Kundenzentrum der Bank Bitburg gleich zweifach Gesicht.
Eine Ausstellung zum Leiden der 1,5 Millionen verfolgten jüdischen Kinder entreißt deren Schicksale mit nahegehenden Fotos aus dem Yad-Vashem-Archiv der Anonymität.
Zugleich macht die Lesung von Lea Fleischmann aus dem von ihr und Chaim Noll verfassten Buch "Meine Sprache wohnt woanders" die individuelle Prägung einer Nachkriegsbiographie durch die schrecklichen Ereignisse deutlich. Lea Fleischmann beginnt mit Schilderungen aus ihrer Kindheit. 1947 als Kind zweier an Körper und Geist versehrter, traumatisierter Eltern geboren und zunächst in einem Auffanglager aufgewachsen, erlebt sie besonders intensiv die für die meisten jüdischen Überlebenden typische Sprachlosigkeit. Ihre Eltern schweigen die Vergangenheit tot.
Zudem sind Kindergarten- und Schulzeit in Frankfurt von Widersprüchen geprägt. Lea Fleischmann erlebt deutsche Betreuer und Lehrer als nette Menschen, darf es aber nicht, weil es nicht dem bösen Bild entspricht, das ihre isoliert lebenden Eltern hochhalten. Die Zerrissenheit aus diesen Erfahrungen und der Zeitgeist der 1968er führen schließlich dazu, dass sich Fleischmann als junge Lehrerin und verheiratete Mutter radikalisiert. Im nächsten Kapitel "Vom Feminismus zum Schabbat" berichtet sie, wie sie sich gegen Erlasse zur Wehr stellt, für die Ideen des Feminismus ihre Ehe opfert und schließlich nach Israel auswandert. Sie habe für den Feminismus missionieren wollen, aber die Sprache nicht gesprochen. "Als ich sie dann konnte, hatte ich etwas anderes gelernt."
Sie hatte das Ritual und die Spiritualität des Ruhetags Schabbat für sich entdeckt. Seither ist ihr Leben auf die Annäherung an die Wurzeln des jüdischen Glaubens und der jüdischen Kultur ausgerichtet
Ihrem Publikum gibt sie daraus den Denkanstoß, vom Judentum könne man heute wieder lernen: "Wir sollten uns darauf zurückbesinnen, einmal in der Woche die Natur in Ruhe zu lassen und selber zur Ruhe zu kommen." Viele nicken zustimmend.