Vom Schredder verschont: Historisch bedeutender Fund in Bitburg - Archäologe entdeckt Bruchstück einer römischen Säule
Bitburg/Trier · Im Juni verschwanden kurioserweise Bruchstücke römischer Säulen, die bei Erdarbeiten auf einer Baustelle im Görenweg gefunden worden waren, im Steinschredder. Jetzt hat ein Grabungstechniker des Landesmuseums dort erneut geforscht und ein Teilstück einer römischen Säule entdeckt.
Auf den ersten - und sicher auch auf den zweiten - Blick könnte man den runden Matschklumpen, der am Rande einer Baustelle im Bitburger Görenweg im Morast liegt, für einen Schachtdeckel aus Beton halten. Obwohl sich das Material hinter der Matschkruste nur erahnen lässt.
Doch die Scheibe ist für Grabungstechniker Marcus Thiel vom rheinischen Landesmuseum Trier, der das Fundstück in dieser Woche aus einer Baugrube neben dem Neubau barg, ein bedeutendes Fundstück für die römische Geschichte der Stadt Bitburg.
Die Steinscheibe hat einen Durchmesser von 65 und eine Höhe von etwa 25 Zentimetern und sei ein Bruchstück einer römischen Säule, sagt Thiel. "Das Fundstück gehört in die römische Kaiserzeit zwischen dem ersten und dem vierten Jahrhundert." Er hat es entdeckt, als er am Dienstag, 15. Dezember, nochmal einen kurzen Abstecher nach Bitburg machte. Denn erst im Juni sollen auf dem Grundstück bei Bauarbeiten römische Säulen zum Vorschein gekommen sein, die kurioserweise im Stein-Schredder gelandet sein sollen.
Jetzt hat der Archäologe dort in einem Meter Tiefe in einer Baugrube, die für den Kanalanschluss ausgehoben worden war, selbst ein neues Teilstück entdeckt. Thiel: "Man muss sich Gebäude vorstellen, in denen solche Säulen mit einer Höhe bis zu fünf Metern verbaut waren." Dabei könne es sich nicht um unbedeutende Bauwerke gehandelt haben.
Palast, Theater, Tempel, Villa? Welches römische Gebäude dieser Säulenteil einst stützte, darüber kann Thiel dagegen keine konkreten Angaben machen. "Wir wissen nicht mehr, als dass da Säulen und Mauern waren." Weitere Grabungen soll es trotz des spektakulären Fundstücks an dieser Stelle nicht mehr geben. Thiel: "Wir haben das dokumentiert. Der Rest soll im Boden verbleiben. Es ist interessant, dass überhaupt so mächtige Säulen in Bitburg gestanden haben. So etwa großartiges haben wir dort, wo ja schon die Villa Müller stand, auch nicht erwartet"
Für ausgedehnte Grabungsarbeiten auf dem Grundstück im Görenweg scheint es unterdessen auch zu spät zu sein, denn der Neubau des Mehrfamilienhauses ist fast abgeschlossen.