Töpferglückspfad soll nicht durch Wildhabitat führen : Vom Weg abgekommen

Wie soll man die perfekte Route finden, wenn der schönste Weg durch ein Wildhabitat führt?  Diese Frage hat den Verbandsgemeinderat Speicher beschäftigt.

(cha) Der Speicherer Wald ist ein Forst wie aus dem Märchenbuch. Nicht einer dieser finsteren Gehölze, in denen Wolf und Hexe lauern. Sondern eine fast perfekte Idylle. Wer die breiten Pfade entlang spaziert, hört den Specht hämmern und die Mäuschen in den Büschen knistern. Er riecht die Blumen am Wegesrand und den torfigen Duft von Moos. Und er wird umschwirrt von Schmetterlingen, beobachtet von Amseln und sieht, mit etwas Glück, Rehe, die den Weg kreuzen.

Ausgerechnet das Wild hat nun aber die Pläne für den Töpferglückspfad zwischen Speicher und Herforst ordentlich durcheinander gebracht. Was müssen sich die Rehe auch ausgerechnet in einer Schleife der schönsten Waldstrecke verstecken (der TV berichtete)? Herforster Jäger hatten jüngst davor gewarnt, den touristischen Wanderweg durch das Rotwildhabitat zu führen. Die Verbandsgemeinde hat daraufhin eine Alternativroute erarbeitet. Die wiederum stieß aber, vor allem bei FDP-Mann Harald Thiel auf Widerwillen. Das Argument des Speicherer Eifelvereins-Chefs: Die neue Strecke sei unattraktiv, und führe unter anderem zweimal an derselben Stelle vorbei.

Woraufhin sich die Verwaltung nach weiteren Pfaden im Wald umsah. Und keine passenden fand. Laut Bürgermeister Manfred Rodens (CDU) seien  sämtliche durchgespielten Alternativwege entweder zu lang oder führten über unwegsame, weil zugewucherte, Trampelpfade.

Der VG-Rat wird in der jüngsten Sitzung daher wieder nur vor die Wahl gestellt, sich für die ursprüngliche Route durch das Wildschutzgebiet oder die vermeintlich unattraktivere Alternativroute zu entscheiden. Was zu einer lebhaften Diskussion in der Orenhofener Eifellandhalle führt.

Die Herforster Ortsbürgermeisterin Sigrid Heinemann etwa wirbt für die Route, die nicht durch das Wildhabitat führt. Das Jagen im Speicherer Wald sei durch Spaziergänger und Radfahrer ohnehin eingeschränkt. Wenn nun auch noch Touristen auf dem Glückspfad hinzukämen, werde es problematisch. Die Dorfchefin befürchte sogar, sagt sie, dass Jäger abspringen könnten: „Für unseren Ort wäre das ein großer Schaden. Ich bitte Sie, keine Entscheidung zu treffen, die für Herforst zum Nachteil werden würde.“

Klaus Rodens (UBL) und Peter Schilling (CDU) geben ihr Recht. Wenn Jäger nicht mehr jagen könnten, dann stiegen auch Schäden im Wald. Für die müsste die Gemeinde aufkommen, wenn Pächter sich zurückzögen.

Ein weiteres Argument für die Alternativroute führt CDU-Fraktionschefin Senta Plein ins Feld: Die ursprüngliche Route sei zu lang und führe über unwegsames Gebiet. Sie sei für Rollstuhlfahrer, ältere Menschen und Familien mit Kinderwagen eine Zumutung. Alleine deshalb sei es sinnvoller, den Vorschlag der Verwaltung anzunehmen.

Einzig die FDP kann sich damit weiterhin nicht anfreunden. Harald Thiel bleibt dabei: „Das mag ja alles stimmen.“ Bei einem Projekt dieser Größenordnung müsse aber ein attraktiverer Weg vorgelegt werden – weswegen die ganze Fraktion gegen die Route stimmt.

Mit großer Mehrheit von CDU, SPD und UBL beschließt der Rat dennoch die von der Verwaltung angeregte Alternativroute. Bürgermeister Rodens versucht am Ende zu vermitteln: „Kleinere Änderungen am Weg werden auch mit diesem Beschluss zu machen sein.“