Von alten Öfen und glühender Leidenschaft

Von alten Öfen und glühender Leidenschaft

Mit einem rostigen Ofen, den Theo Lukas irgendwann anschleppte, fing alles an. Inzwischen sind weit mehr als 100 Öfen hinzugekommen. Und zudem noch viele tausend Möbel und Alltagsgegenstände der Vergangenheit, die der Sammler gemeinsam mit Ehefrau Brigitte Lukas seit nunmehr 14 Jahren im Ofen- und Eisenmuseum in Hüttingen bei Lahr präsentiert.

Foto: Uwe Hentschel (uhe) ("TV-Upload Hentschel"
Foto: Uwe Hentschel (uhe) ("TV-Upload Hentschel"
Theo und Brigitte Lukas haben vor fast genau 14 Jahren ihr Museum eröffnet. Foto: Uwe Hentschel (uhe) ("TV-Upload Hentschel"

Hüttingen bei Lahr. Es gibt Termine, die dauern etwas länger. Und der Besuch des Ofen- und Eisenmuseums in Hüttingen ist so einer. Zum einen, weil die Sammlung des Museums so umfangreich ist, zum anderen, weil Brigitte und Theo Lukas zu jedem der mehr als 25 000 Exponate etwas erzählen können.
Sie könnten noch viel mehr erzählen, wenn sie denn mehr Zeit und vor allem mehr Platz hätten. Denn das, was das Ehepaar in den umgebauten Wirtschaftsräumen seines ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebs ausstellt, ist nur ein Teil der Sammlung. "Wir hätten genug Sachen für eine doppelt bis drei Mal so große Ausstellung", sagt Theo Lukas - ein Mann, den man in der Regel im Arbeitsoverall antrifft, weil er immer am Umbauen, Restaurieren oder Basteln ist. Oder am Saubermachen. "Mein Mann geht hier jeden Tag mit dem Staubwedel durch", sagt Ehefrau Brigitte. "Und wir haben sogar auch schon einen Preis bekommen: für das schönste und sauberste Museum."
Dabei war der Ursprung des Ganzen alles andere als schön und sauber. Das heißt: Schön war er schon. Allerdings war eine gewisse Grundausstattung an Fantasie notwendig, um diese Schönheit zu erkennen. Theo Lukas verfügte von Anfang an über diese Vorstellungsgabe, seine Frau Brigitte - wie sie selbst einräumt - eher nicht. "Ich bin fast aus allen Wolken gefallen, als mein Mann irgendwann mit diesem rostigen Stück ankam und meinte, was für ein tolles Teil er da mitgebracht habe", sagt sie lachend. Für sie war es auf den ersten Blick nur ein Haufen Schrott, für ihn ein wunderschöner Ofen. Und als der Mann das Teil dann restauriert hatte, musste auch seine Frau erkennen, dass sie mit ihrer ersten Einschätzung etwas daneben lag.
Es dauerte nicht lange, da kam der Landwirt mit dem nächsten Ofen an. Und wenig später mit einem weiteren Exemplar. Das ging dann immer so weiter. Und es waren längst nicht mehr nur Öfen, mit denen sich das Haus nach und nach füllte. Bis die beiden dann auf die Idee kamen, die Sammlung auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Und so wurde schließlich am 5. Mai 2002 das Ofen- und Eisenmuseum in Hüttingen eröffnet.
"Die Leute, die zu uns kommen, meinen oft, dass das Museum eigentlich einen anderen Namen haben müsste", sagt Brigitte Lukas. Denn die Öfen seien ja nur ein kleiner Teil der Ausstellung. "Doch wir haben uns bei der Namensgebung wirklich viele Gedanken gemacht. Wir wollten es nicht einfach nur Heimatmuseum nennen", fügt sie hinzu. "Und das Herzstück unserer Ausstellung sind nun mal die Öfen und alles, was mit Eisen zu tun hat."
Erz-Freunde kommen in dem Museum also auf jeden Fall auf ihre Kosten. Und Menschen, die sich für den Alltag der vergangenen Jahrhunderte interessieren oder aber einen Ausflug in die eigene Kindheit unternehmen wollen, erst recht. Aus diesem Grund sitzen in den vielen Bussen, die inzwischen aus ganz Deutschland sowie dem benachbarten Benelux-Raum nach Hüttingen kommen, vor allem ältere Menschen.
Sie staunen, wenn sie durch das Museum gehen. Zum Beispiel über die vielen hundert und zum Teil lebensgefährlichen Bügeleisen, über die drei Gläser mit eingemachten Pflaumen aus dem Jahr 1930, die aus einem aufgelösten Haushalt aus Eßlingen stammen, über die Packung "Gehirn-Direkt-Nahrung", die sich im Arzneimittelschrank verbirgt oder aber über das elektrisch beleuchtete Stopfei, das - wie das Ehepaar erklärt - kein geringerer als Konrad Adenauer erfunden hat, bevor er das Patent dann später an AEG verkaufte.
Auf rund 300 Quadratmetern sind all diese Dinge zu sehen. Weitere 150 Quadratmeter sind in den vergangenen Monaten hinzugekommen. Denn die beiden leidenschaftlichen Sammler, die für ihr kulturelles Engagement im vergangenen Jahr sogar mit dem Deutschen Bürgerpreis ausgezeichnet wurden, haben nun den ehemaligen Kuhstall umgebaut und dort die Ausstellung um weitere Themenschwerpunkte erweitert.
"Bis vor drei Jahren haben hier noch Kühe gestanden", sagt der ehemalige Landwirt, der auch Schweine und Hühner auf dem Hof hatte. Das war früher. Heute werden die Ställe als Ausstellungsräume genutzt. Der Strukturwandel in der Eifel hinterlässt überall Lücken. Auf dem Hof der Familie Lukas werden solche Lücken umgehend gefüllt.
Das Ofen- und Eisenmuseum, das auch über ein Café verfügt, hat bis Ende Oktober mittwochs bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Für Gruppen ist eine Besichtigung nach Absprache auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich. Telefon: 06566/8542, Internet: www.ofen-und-eisenmuseum.de