Von Beuys bis Warhol: Alle in Bitburg!

Ermutigt durch den großen Erfolg der Ausstellung "Klassische Moderne" mit Picasso, Chagall & Co. legt das Haus Beda nun nach: Ab Sonntag ist "Moderne Kunst nach 1945" mit Werken von Beuys bis Warhol in Bitburg zu sehen.

Bitburg. Ein Wagnis, das sich lohnt: Das Haus Beda, das in einer Dauerausstellung den Eifelmaler Fritz von Wille würdigt, präsentiert zunehmend auch moderne Kunst. Mit überraschendem Erfolg. Mehr als 1500 Menschen strömten ins Haus Beda, als dort 2008 mit der Ausstellung "Klassische Moderne" neue Wege bestritten wurden. Es war die Idee von Michael Dietzsch, dem Vorsitzenden des Stiftungsrats der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung, Bitburgs "gudd Stuv" über die beliebten Werke des Eifelmalers hinaus auch für Ungewohntes zu öffnen. Eine Idee, die so gut ankam, dass die Stiftung nun zum zweiten Mal in Kooperation mit der Düsseldorfer Galerie Schwarzer moderne Kunst in Bitburg zeigt.

Rund 50 Gemälde hat Karl Schwarzer vom Rhein in die Eifel gebracht. Einen Wert von weit mehr als einer Millionen Euro musste die Stiftung versichern lassen. Die meisten der Werke stehen noch am Boden, einige haben bereits ihren Platz an der Wand gefunden - darunter Arbeiten von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Ernst Wilhelm Nay, Sigmar Polke, Joseph Beuys und viele ihrer Weggefährten. "Diese Kuh von Warhol habe ich extra für die Milchbauern in der Eifel mitgebracht", sagt Schwarzer schmunzelnd und zeigt auf einen der noch verpackten Schätze: ein großes orangefarbenes Kuhgesicht vor bauen Hintergrund. Viel abstrakte Kunst hat er diesmal im Gepäck. "Es sind Bilder, die zum Nachdenken über Kunst anregen, über eingefahrene Sichtweisen, unflexible Blickwinkel und damit auch zum Nachdenken über sich selbst anregen", sagt Schwarzer, der sich wünscht, dass die Besucher diskutieren und wiederkommen, um neue Blickwinkel auszuprobieren. "Im Haus Beda kann man derzeit wie mit einem Düsenjet durch die Kunstgeschichte fliegen", sagt Dietzsch, der den Besuchern empfiehlt, alle drei aktuellen Ausstellungen im Vergleich zu betrachten - die Fritz-von-Wille-Sammlung, die Sonderschau "Moderne Kunst nach 1945" und die zeitgenössischen Arbeiten von Martin-Noël im Erdgeschoss.

Eröffnung: Die Ausstellung "Moderne Kunst nach 1945" wird am Sonntag, 25. Oktober, 11 Uhr, von Michael Dietzsch und Kunsthistorikerin Margot Klütsch eröffnet. Die Werke sind bis 22. November (Dienstag bis Freitag, 15 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertag, 14 bis 18 Uhr) zu sehen.

Meinung

Ganz im Sinne des Erfinders

Im Schatten der neuen Stadthalle gewinnt das Haus Beda an Profil und wagt bei Kunst wie Musik neue Wege. Frei von jedem Dünkel kommen im Wechsel mit Künstlern, die Kunstgeschichte geschrieben haben, auch ambitionierte Laien zum Zug. Das hält das Haus lebendig und offen für alle, was ganz im Sinne des Erfinders ist. Stifter Dr. Hanns Simon hätte seine Freude daran, zu erleben, wie Bitburgs "gudd Stuv" am Sonntag wieder Ort der Begegnung und des geistigen Austauschs ist. Wer die Macher auf ihrem Kurs bestärken will, sollte sich blicken lassen - bereuen wird es keiner. d.schommer@volksfreund.deEXTRA Drei in eins: Der TV hat den Galeristen Karl Schwarzer zu den drei Ausstellungen befragt, die das Haus Beda zeigt. Was können Sie mit der Landschaftsmalerei eines Fritz von Wille anfangen? Schwarzer: Ich finde es faszinierend, wie unpathetisch von Wille diese Landschaft in seinen Bildern wiedergibt. Wie es ihm gelingt, die Herbheit und Schönheit der Eifel im Wechselspiel des Lichts einzufangen. Haben Sie ein Lieblingswerk in der Ausstellung "Moderne Kunst nach 1945"? Schwarzer: Ich habe sie alle lieb. Heute besonders die beiden Kopffüßler-Bilder von Horst Antes. Das eine noch so ungestüm, experimentell. Bei dem anderen ist er zur Ruhe gekommen. Zur Ruhe in seinem eigenen Kopf. Der Kopffüßler liegt auch da, wie ein Sphinx. Was halten Sie von Martin Noël? Schwarzer: Der ist sehr progressiv. In seiner Art, zu reduzieren, ist er sehr radikal. (scho)