Von Blockbuster bis zur Filmkunst

Von Blockbuster bis zur Filmkunst

Das Echternacher Kino feiert seinen 25. Geburtstag: Es wurde 1991 wiedereröffnet. Die Kinotradition in der Luxemburger Stadt ist alt und hat eine wechselvolle Geschichte.

Echternach. Auf dem Gelände der heutigen Polizeistation wurden im Jahr 1896 die allerersten Filmprojektionen des Großherzogtums gezeigt - vom Fotografen Jacques Marie Bellwald. Damit ist Echternach die Stadt mit der längsten Kino-Tradition im Nachbarland.
Das erste richtige Filmtheater entstand 1919 und hieß nach seiner Eigentümerin "Kino Seffer", doch im Laufe der Jahre wechselte es immer wieder die Besitzer und seinen Namen. 1972 wurde das Kino geschlossen.
Eine private Initiative setzte sich ab 1987 für eine Wiedereröffnung ein. Im November 1990 wurde der Verein Ciné Sura unter der Leitung von Präsident Michel Kneip gegründet - mit dem Ziel, der Stadt wieder ein Stück Kinokultur zurückzugeben.
Und tatsächlich konnte ziemlich genau ein Jahr später das Kino mit der Premiere von "Other People's Money" mit Danny de Vito wieder die ersten Besucher anlocken.
Nach anfänglichem Erfolg gingen die Besucherzahlen jedoch stetig in den Keller, zur Jahrtausendwende drohte mit der Auflösung des bestehenden Komitees die erneute Schließung.
Doch wieder fanden sich Kinoverrückte, die an eine Zukunft des Saals glaubten. Unter der Leitung von Michael Dohrmann, der nach 20 Jahren als Besitzer und Leiter von mehreren Kinos in Deutschland gerade nach Echternach gezogen war, stürzte sich das Komitee in den Aufbau des Ciné Sura. Und zwar erfolgreich: Heute können die Mitglieder des Ciné Sura stolz sein auf ihr kleines Kino, das bis zu zehn verschiedene Filme pro Woche zeigt, von Blockbuster über Kinderkino bis zur Filmkunst. Im Jahr kommen zwischen 10 000 und 15 000 Kinogäste.
Michael Dohrmann hofft, dass nicht nur das Stammhaus in der Rue de la Montagne bestens gerüstet ist für die nächsten 25 Jahre, sondern dass es ihm und seinen Team von Ehrenamtlichen auch gelingt, die schon Tradition gewordenen Außen-Ereignisse des Sura wie das Drive-in-Cinema, das jetzt im Mai zum fünften Mal stattfindet, sowie das große Ciné Sura Kino Open Air am Echternacher See, das diesen Sommer bereits zum elften Mal stattfindet, weiter anbieten zu können, obwohl sich für 2016 der langjährige Hauptsponsor zurückgezogen hat.
Dürfte der Kinobetreiber sich etwas zum 25. Geburtstag wünschen, wäre es das: ein Saal mehr und ein kleines Foyer, damit die Gäste nicht immer auf der Treppe auf den Einlass warten müssen. eib
Das Kinoprogramm gibt es unter <%LINK auto="true" href="http://www.cinesura.lu" text="www.cinesura.lu" class="more"%>
Extra

Und so feiert das Kino seinen Geburtstag: Professor Frank Wilhelm, dienstältester Mitarbeiter des Ciné Sura, erzählt von dessen Geschichte am Sonntag, 20. November. Geplant ist zudem: Der Partnerverein Amitiés françaises veranstaltet in der Woche vom 14. bis 20. November einen französischen Abend mit Filmen, die Musikschule Echternach spielt zu einem Stummfilm, und noch viele andere Überraschungen warten auf die Besucher. Doch auch schon vorher lohnt sich der Weg nach Echternach, zum Beispiel an diesen Tagen: Vom 12. bis 15. Mai gibt's ein Autokino und vom 15. bis 23. Juli wird ein Open Air Cinema veranstaltet - beides am Echternacher See. eib

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