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Von der Krim zu Krisen, Kaviar und Zupfkuchen - Bitburg feiert Auftakt des Folklore-Festivals

Von der Krim zu Krisen, Kaviar und Zupfkuchen - Bitburg feiert Auftakt des Folklore-Festivals

Kein leichtes Thema: Vor dem Hintergrund der Gefechte im Osten der Ukraine hatte der russische Abend zum Auftakt des Folklore-Festivals eine ungewohnt politische Note. Festredner Vladimir Pyatin erklärte in Haus Beda vor 300 geladenen Gästen die russische Sicht der Krise – und erntete dafür keineswegs nur Beifall.

"Endlich ein russischer Abend": Mit dieser deutlichen Ansage beginnt Bitburgs Bürgermeister Joachim Kandels seine Ansprache zum Auftakt des Folklore-Festivals. Der Abend in Haus Beda ist diesmal Russland gewidmet. Angesichts der aktuellen Lage in der Ukraine kein leichtes Feld. Kandels begrüßt Kommunalpolitiker, Vertreter der Banken, Behörden sowie von Wirtschaft und Vereine und auch das amerikanische Militär und erklärt: "Vor 23 Jahren fand an dieser Stelle ein sowjetischer Abend statt. Mir schien, nach all den Jahren sei die Zeit reif für einen russischen Abend."
Geplant hat Kandels die Veranstaltung im Mitte 2013 - lange vor der Krim-Krise und den blutigen Auseinandersetzungen in der Ostukraine. Der Bürgermeister dachte vielmehr daran, angesichts von mehr als 800 Menschen, die aus der ehemaligen Sowjetunion in Bitburg eine neue Heimat gefunden haben, ein Zeichen der Völkerverständigung zu setzen. Genau das ist das Anliegen des Folklore-Festivals und genau daran hat sich Kandels entschieden festzuhalten - trotz und sogar gerade wegen der bedrückenden aktuellen politischen Lage.
Reichlich Skepsis im Vorfeld
Eine Entscheidung, die im Vorfeld teils für ungläubiges Kopfschütteln gesorgt hat. Auch Kandels berichtet: "Mehrfach, teilweise sehr massiv, bin ich angesprochen worden, ob es ausgerechnet jetzt ein russischer Abend sein muss." Kandels geht es darum, einen Dialog zu pflegen, eine Hand zu reichen, für Annäherung zu werben. "Diese Idee würde zur Farce verkommen, wenn wir anfangen, bereits gebuchte Ensembles und Redner je nach aktueller Lage wieder auszuladen", erklärt der Bürgermeister. Eine Erklärung, die im Saal ankommt und mit Applaus honoriert wird.
Der als Festredner geladene stellvertretende Generalkonsul der Russischen Föderation in Bonn, Vladimir Pyatin, fordert: "Die Rhetorik aus der Zeit des Kalten Krieges muss endgültig der Vergangenheit angehören. Aber genau diese Rhetorik wird in den Massenmedien angesichts des Konflikts in der Ukraine wieder bedient." Im Prinzip wirft er "den Massenmedien" schwarz-weiß Malerei vor, bei der Russland aus seiner Sicht ungerechtfertigter Weise schlecht wegkommt. Es ist eine Rede, die eher einem politischen Statement gleicht. Dabei vertritt Pyatin Standpunkte (siehe Extra), die von der Zuhörerschaft einige Male mit Kopfschütteln und Murmeln quittiert werden.
Im Ergebnis, so wird später an den Tischen bei Bier und russischen Spezialitäten analysiert, war die Rede erfrischend kurz, die Bereitschaft, die russische Sicht der Dinge zu hören, richtig, auch wenn man diese Sicht nicht teilt. Von den drei Tänzen, die eine kleine Gruppe der deutsch-russischen Kulturschule Elfe aus Saarbrücken aufgeführt haben, wird nicht vielmehr bei den Gästen hängen bleiben, als dass das Ganze reichlich improvisiert, mäßig gekonnt und irgendwie etwas ad hoc einstudiert wirkte. Doch nach dem offiziellen Teil ist auch das schnell vergessen.
Bei russischen Eiern und vielen weiteren Spezialitäten (siehe Extra), Bitburger Pils und einer Auswahl regionaler, französischer und italienischer Weine wird noch bis weit nach Mitternacht gefeiert. Der Eröffnungsabend ist vor allem auch ein Abend der Begegnung. Und das ist auch diesmal wieder gelungen.Chef-Caterer Dieter Poss hat mit seinem Team ein Flying Buffet mit russischen Spezialitäten serviert. Es gab eine warme Suppe Soljanka (mit Tomaten-Paprika) und Okroschka - eine kalte Suppe mit Fleischwurst, Kartoffeln und Kefir. Es folgten Pelmemi (Teigtaschen mit Rinderhack und Dip), russische Eier mit Kaviar und verschiedene Blinis - die russischen Antwort auf Pfannkuchen - sowie Boeuf Stroganoff und kaukasisches Schaschlik. Das Dessert: Möhrenpuddig, russischer Zupfkuchen und Griesflamerie. scho