Von der Zigarrenkiste zum Archiv

Dahlem · Zwischen 3000 und 5000 Bilder von Dahlem besitzt Sonny Klimpel schon - und seine Sammlung soll weiter wachsen. Durch seine Leidenschaft ist Klimpel zu einem Experten der Ortsgeschichte geworden.

Fotos und andere Dokumente aus Dahlem sind seine Leidenschaft: Sonny Klimpel sortiert zu Hause neue Fundstücke für seine Sammlung. Foto: Kirsten Röder

Dahlem. "Ich habe eine wahnsinnige Sorge, dass alte Fotos aus Dahlem weggeworfen werden." Sonny Klimpel blickt auf einen kleinen Stapel Fotos, die er gerade aus einer alten Zigarrenkiste herausgenommen hat. "Die hier werde ich als nächstes archivieren." Ob alte Familienfotos, historische Aufnahmen von arbeitenden Männern und Frauen auf dem Feld oder eine "Dokumentation" des stolzen Besitzers eines Ochsen: Der 65-jährige Forstwirt aus Dahlem hat in den vergangenen 20 Jahren ein bedeutendes Archiv für die Nachwelt aufgebaut. "Die Fotos zeigen das Dahlem, wie es früher war", erklärt Klimpel. Das älteste Foto, das sich in seinen Ordnern befindet, ist Ende des 18. Jahrhunderts aufgenommen worden.

Zahl kann er nur schätzen


Wie viele Fotos er mittlerweile von Dahlem gesammelt und archiviert hat, weiß er nicht. "Ich kann nur schätzen, zählen kann ich sie nicht mehr. Zwischen 3000 und 5000 Bilder werden es wohl sein." Freunde, Bekannte und Dorfbewohner hat er immer wieder gefragt. "Nicht nur, um weitere Fotos zu erhalten, sondern auch, um herauszufinden: Wer kennt den, der auf dem Foto zu sehen ist?"
Mittlerweile ist seine Sammelleidenschaft bekannt geworden: "Viele kommen und fragen mich: ‚Hast Du nicht noch ein Foto von meiner Familie?\'" Das Büro im Untergeschoss seines Wohnhauses ähnelt inzwischen einem großen Fotoalbum: Überall in den Regalen findet man Ordner, in denen Klimpel die von ihm archivierten Fotos aufhebt. Aber auch uralte Postkarten mit Ansichten von Dahlem befinden sich darunter.
Durch die Fotos ist er zu einem Experten der Dahlemer Vergangenheit geworden. Er weiß noch, dass es in den 1950er Jahren fünf Gemischtwarengeschäfte in Dahlem gab, dass die 20-Jährige auf dem Foto der Familie Keller zwei Jahre (1922) später an Diphterie sterben sollte und dass die Fliegeraufnahme einer Postkarte, die erst viel später in ärmlichen Kriegszeiten verschickt worden war, nur von 1930 stammen kann.
Seit 1990 sammelt Sonny Klimpel die alten Fotos und Postkarten. An sein ganz persönliches Schlüsselerlebnis für seine Leidenschaft erinnert er sich: "In Dahlem ist eine alteingesessene Familie ,weggestorben\'. Die Enkel, die längst woanders wohnten, verkauften das Haus, die Container standen schon davor." Bei einem Blick in diese Container machte Klimpel eine Entdeckung: "Da sind viele alte Fotos drin gewesen, die sind für immer rettungslos verloren. Mir tut das dann immer so leid."
Für Klimpel gibt es in seinem Fundus keine einzelnen herausragenden Schätze, "sie sind alle wertvoll". Zu jedem Fundstück hat Klimpel eine Geschichte zu erzählen. So auch zu einer Postkarte, die August Schütte, der von 1907 bis 1912 in Dahlem als Lehrer tätig war, Anfang des 19. Jahrhunderts verschickt hatte. "Ganz Lehrer, hat er sogar das Wort Dahlem verbessert, das auf der Karte ohne \'h\' gedruckt worden war."
Schon vom ersten archivierten Fotofundus hat er 2001 mit dem Arbeitskreis "Kultur- und Geschichte" einen ersten Bildband veröffentlicht. Mittlerweile ist das zehnte Buch in Druck. Um so vielen Menschen wie möglich die historischen Fotos zugänglich zu machen, hat er außerdem Ausstellungen organisiert.
Nur noch wenige Wochen, dann wird der passionierte Fotosammler am 1. Januar 2014 offiziell in den Ruhestand gehen. Darauf freut er sich, denn "endlich habe ich dann mehr Zeit für die Fotos". Aber auch mit seinem Trike, dass er sich mit seiner Frau vor zwei Jahren "gegönnt" hat, will er durch die Eifel fahren. Vielleicht wird er bei seinen Fahrten das ein oder andere Foto für die Nachwelt machen.
Aber noch lieber wäre ihm, das eine oder andere Foto von Dahlem aufspüren. "Die Chance, ein neues Foto zu entdecken, wird immer geringer", weiß Klimpel: "Umso größer ist aber die Freude, wenn ich noch mal eins finde und erhalten kann."